Impfung Covid19 Letzte Änderung: 17.11.2022 13:15 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

Pressebriefing vom 17.11.2022

Aktueller Stand bei den Schutzimpfungen in Nordrhein

© Adobe Stock | Yakobchuk Olena
Ein älterer Mann erhält eine Impfung von einer Ärztin.

Überblick über den Stand der Corona-Schutzimpfungen und die Infektionslage bei Corona, Grippe und grippeähnlichen Erkrankungen

In der vergangenen Woche (KW45) wurden in nordrheinischen Praxen 63.528 Impfungen gegen COVID19 in 2.812 Praxen durchgeführt. Nachdem die Zahl der durchgeführten Impfungen in der Vorwoche aufgrund des Brücken- sowie des Feiertages etwas geringer ausfiel, sind in der letzten Woche sowohl die Zahl der Impfungen insgesamt als auch die Zahl der impfenden Praxen wieder deutlich gestiegen.

Allgemeine Zahlen zum Impfen

57,2 Prozent der Impfungen waren in KW45 2. Boosterimpfungen, 4,6 Prozent 1. Boosterimpfungen, die 5. Impfung (24,6 Prozent) sowie die 6. Impfung (12,3 Prozent) machen gemeinsam gut ein Drittel der wöchentlichen Impfungen aus. Der angepasste bivalente Impfstoff von Biontech/Pfizer ist derzeit der am häufigsten verimpfte Impfstoff in den Praxen (Anteil von 73 Prozent).

Infektionslage

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in NRW ist rückläufig, der Trend zeigt nun schon seit einiger Zeit nach unten: So sind in dieser Woche weniger als 7.000 tägliche Neuinfektionen gemeldet worden, in der Woche davor waren es über 11.000. Die Zahl der aktuell Infizierten ist um über 40.000 auf rund 173.000 gesunken. Auch die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Patientinnen und Patienten in NRW ist zuletzt stark zurückgegangen: 258 COVID-Patienten wurden mit Meldestand Dienstag intensivmedizinisch behandelt, das entspricht einem Rückgang um fast ein Fünftel im Vergleich zur Vorwoche. 17 Prozent weniger COVID-Patienten mussten beatmet werden (93 Personen/vorher 109). 

Die Gesundheitsämter meldeten in der letzten Woche rund 500 labordiagnostisch bestätigte Influenza-Fälle in NRW. Die Fallzahlen sind im Vergleich zur Vorwoche (rund 270) stark gestiegen. Das Meldegeschehen ist insgesamt deutlich dynamischer als in den vorpandemischen Saisons. Das RKI vermutet, dass dies zum Teil an einer genaueren diagnostischen Abklärung in den Praxen liegen könnte.

In der KW 45 erkrankten laut Wochenbericht des RKI geschätzte 6,7 Prozent oder 5,6 Millionen Menschen in Deutschland an einer akuten Atemwegserkrankung (ARE, mindestens Husten und/oder Halsschmerzen, mit oder ohne Fieber). Die ARE-Rate liegt damit im oberen Bereich der vorpandemischen Jahre, ebenso wie die Zahl der Arztbesuche wegen einer Atemwegserkrankung. Aktuell zirkulieren verschiedene Erreger, darunter zunehmend Influenzaviren und Respiratorische Synzytialviren (RSV), aber auch Rhinoviren und Parainfluenzaviren. In den meisten Altersgruppen liegt die Zahl der Arztbesuche wegen ARE höher als im langjährigen Durchschnitt - in NRW waren es in der KW 45 1.700 Konsultationen je 100.000 Einwohner (höher als der Wert für Deutschland insgesamt).

Der Vorstand der KV Nordrhein zur Infektionslage und zur Situation in den Praxen

Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein: „Wir sind gut gerüstet für die nächsten Wintermonate. Nach knapp drei Jahren Corona wissen wir: Die Pandemie ist ein dynamisches Geschehen, das sich jederzeit auch wieder ändern kann. Zumindest die Ausgangslage ist zurzeit günstig wie selten zuvor. Die Zahl der Neuinfektionen in NRW ist rückläufig, der Trend zeigt nun schon seit einiger Zeit nach unten. Auch mit Blick auf die Intensivstationen kann vorerst Entwarnung gegeben werden.

Diese insgesamt positive Entwicklung wäre ohne die zunehmende Immunisierung der Bevölkerung nicht möglich gewesen. Die Praxen in Nordrhein impfen nach wie vor ohne Unterlass und können auf eine erhöhte Impf-Nachfrage direkt reagieren, da die Vakzine in ausreichender Menge vorhanden sind. Das spiegelt sich in dem Anstieg bei den Impfungen in der vergangenen Woche, der sehr wahrscheinlich auf die noch immer hohe Nachfrage nach dem angepassten Omikron-Impfstoff zurückzuführen ist. Trotz der angestiegenen Zahlen sind wir von einem „Run auf die Praxen“, wie wir ihn aus dem Vorjahr kennen, derzeit aber noch entfernt.

Mit Blick auf die kommenden Monate gilt es nun vor allem, die neuen Omikron-Subvarianten BQ.1 und BQ1.1 genauestens zu beobachten. Die Zahl der damit Infizierten ist zwar gerade noch niedrig – beide Subvarianten liegen addiert bei um die acht Prozent aller untersuchten BA.5-Proben. Der Anteil steigt aber an, zuletzt um 35 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Wir haben im Verlauf der Pandemie gelernt, wie schnell sich Varianten des Virus ausbreiten können. Durchaus möglich wäre, dass BQ.1 und BQ 1.1 schon zum Winter dominieren könnten. Nach jetzigem Kenntnisstand ist mit den (angepassten) Impfstoffen ein ausreichender Schutz auch vor diesen Varianten gewährleistet.

Durch den berichteten Anstieg bei den Influenzavirusinfektionen ist es aus unserer Sicht nun wichtig, dass die Patientinnen und Patienten mit entsprechender Impf-Empfehlung – also vor allem die über 60-Jährigen, Schwangere ab dem 2. Trimenon und Menschen mit Vorerkrankung – jetzt in die Praxen kommen und sich gegen Grippe impfen lassen.

In dem Zusammenhang ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Gemeinsam mit dem MAGS und anderen Partnern des NRW-Gesundheitswesens engagieren wir uns als KV Nordrhein im Bündnis „NRW impft – Bleib gesund!“. Dessen Ziel ist es, über den Schutz durch eine erneute Impfung gegen das Coronavirus und auch über die Wichtigkeit der Grippeimpfung aufzuklären. Damit reagieren wir in NRW gemeinsam auf ein erhöhtes Informationsbedürfnis der Patientinnen und Patienten. Nicht zuletzt zeigt die Kampagne aber auch, wie die Zusammenarbeit zwischen Politik und ärztlicher Selbstverwaltung eigentlich aussehen sollte – nämlich: nicht gegen die Praxen,wie immer mehr im Bund der Fall, sondern im Schulterschluss und mit Fokus auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Und um die geht es ja letztlich allen – auch der Politik. Dafür braucht es jedoch eines: gegenseitiges Vertrauen.“

Auf Landesebene, in NRW, sind wir in dieser Hinsicht bereits sehr gut aufgestellt. So werte ich zumindest die Ankündigung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, die kommunalen Impfangebote bis zum Jahresende zurückzufahren und die Immunisierung gegen das Virus in die Hände der Niedergelassenen zu legen.“

Dr. med Carsten König, stellv. Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein: „Die Praxen haben sich dieses Vertrauen in den letzten Jahren durch ihre überragende Leistung auch mehr als verdient! Seit nunmehr knapp zweieinhalb Jahren impfen die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, was das Zeug hält: regulär, während der Öffnungszeiten, am Abend nach den Sprechstunden oder an den Wochenenden wie beispielsweise im Rahmen des Impfadvents vergangenes Jahr – und das alles zusätzlich zur Regelversorgung, die ja parallel normal weitergelaufen ist. Mit ihrem Engagement haben die Praxen damit den Grund dafür gelegt, dass wir in Nordrhein heute gut gerüstet sind.

Was mit Blick auf die Zukunft aber vielleicht noch wichtiger ist: Schon heute werden fast 90 Prozent der Impfungen gegen das Coronavirus in den Praxen durchgeführt. Der Schritt bis hin zur Vollversorgung ist also schon jetzt nicht mehr weit, was mich umso zuversichtlicher stimmt: Die Praxen schaffen auch das!

Gleichzeitig dürfen wir uns aber auch nichts vormachen. Die letzten Jahre haben ihren Tribut gefordert. Seit dem Impfstart im ambulanten Bereich im April 2021 arbeiten die Praxisteams am Anschlag und auch über Kapazität. Leidtragend waren nicht zuletzt die Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Praxen, die den Groll und manchmal leider auch die unmittelbare Wut über nicht verfügbare Termine direkt abbekommen haben. Nicht wenige MFA haben es nicht mehr ausgehalten und sich wegen des andauernden Drucks andere Arbeitsplätze gesucht. Das sollte uns gesellschaftlich betrachtet dringend zu denken geben!

Das macht es umso unverständlicher, dass die Politik nach wie vor ein entschiedenes Handeln vermissen lässt. Was die Praxen mit Blick auf die kommenden Monate, ja Jahre, bräuchten, sind Entlastungen! Und was bekommen sie stattdessen? Investiert wird an anderer Stelle. Viel Geld wird dabei in die Krankenhäuser gesteckt – nicht in die Vertragsärzteschaft, die meist nicht einmal erwähnt wird. Wie man sich denken kann, sorgt das für großen Frust in der Ärzteschaft. Trotz aller Fortschritte und Erfolge der letzten Monate bleibt somit am Ende ein sehr bitterer Beigeschmack.

Zur der in den vergangenen Wochen viel diskutierten COVID-19-Prophylaxe mit Paxlovid: In Nordrhein gingen die Verschreibungszahlen zuletzt nach oben. Nach unseren Daten wurde Paxlovid allein im 3. Quartal 2022 1.400 Mal verordnet –und das in 466 Praxen. Mit ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass Paxlovid seit August direkt durch Hausärzte abgegeben werden kann, womit der Weg hin zur Patientin bzw. zum Patienten deutlich verkürzt wird. Zuversichtlich stimmt eine aktuelle Studie der Washington University auf eine möglicherweise protektive Wirkung von Paxlovid zur Vorbeugung von Long COVID. Bleibt zu hoffen, dass die Forschung ihre Ergebnisse bald belegen kann. Dann hätten wir ein wirksames Mittel gegen diese nach wie vor Rätsel aufgebende Folge-Krankheit nach einer Coronainfektion in der Hand.“

Zum Thema Maskenpflicht und zur Stellungnahme der Kommission Krankenhaushygiene & Infektionsschutz (KRINKO) am RKI nimmt der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, wie folgt Stellung: 

„Die Expertenkommission KRINKO vertritt beim Thema Maskenpflicht in einigen Punkten eine durchaus andere Auffassung als der Gesetzgeber bzw. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: Danach bietet die FFP2-Maske zwar im Laborexperiment besseren Schutz als ein medizinischer Mund-Nasenschutz (die sogenannte „OP-Maske“). Neu ist allerdings, dass keine „Real-life-Evidenz“ für die Überlegenheit der FFP2-Maske nachgewiesen werden konnte: Der Standard ist ein medizinischer Mund-Nasenschutz, Ausnahmen müssen gut begründet werden (z. B. bei aerosolierenden Tätigkeiten).

Laut KRINKO gibt es auch keine ausreichende Evidenz für Routinetestungen von asymptomatischen Beschäftigten außerhalb von Ausbruchssituationen. Demgegenüber gilt laut KRINKO die Empfehlung, allen Beschäftigten in den im Infektionsschutzgesetz benannten Einrichtungen (z. B. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen) weiterhin ein niedrigschwelliges, zeitnahes und qualitativ hochwertiges Testangebot bei Auftreten von Symptomen oder nach Kontakt mit Infizierten anzubieten.

Zusammengefasst: Sowohl das Tragen von Masken als auch ein entsprechendes Testangebot mit Blick auf Einrichtungen ist absolut sinnvoll und begrüßenswert. Das steht hier auch gar nicht in Frage – wohl aber die rechtliche Ausgestaltung, die den Patientinnen und Patienten und damit auch den Niedergelassenen aufgrund regional unterschiedlicher Vorgaben zu schaffen macht.

In öffentlichen Bussen und Bahnen bzw. im NRW-Nahverkehr ist mindestens eine OP-Maske vorgeschrieben, im Fernverkehr (ICE, IC, Flixbus etc.) mindestens eine FFP2-Maske. In medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen mindestens eine FFP2-Maske. Andere Bundesländer schreiben FFP2-Maske auch in Bussen, Bahnen und im Nahverkehr vor - das ist für die Menschen verwirrend und auch schwer vermittelbar. In direkter Konsequenz führt das in den Praxen zu vielen Diskussionen mit Patientinnen und Patienten, die ohne solche Masken kommen.

Hier hätte es eigentlich beim Bund gelegen, für einen einheitlichen Rahmen zu sorgen. Somit bleibt nur, an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren. Ansonsten ergibt die Maskenpflicht schlicht keinen Sinn mehr – außerdem: Wer soll sie überhaupt noch überprüfen? Schon jetzt wird die FFP2-Maskenpflicht kaum kontrolliert, Verstöße bleiben meist ungeahndet. Das Unglückliche an der jetzigen Gemengelage ist aber, dass die neue Vorgabenvielfalt zu einer Zeit kommt, da viele der Corona-Regeln müde sind.“

Corona-Gruppenangebote für Kinder- und Jugendliche

Seit Mitte August betreibt die KV Nordrhein ein gruppentherapeutisches Angebot für Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen der Pandemie ganz besonders zu leiden hatten (mangelnder Austausch mit Gleichaltrigen, Isolation, Angst, in der Schule nicht mehr mitzukommen). Um ihnen bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen, hatte die KV Nordrhein zusammen mit Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten sowie Psychiaterinnen und Psychiatern dieses niedrigschwellige Gruppenangebot entwickelt. Finanziert wird das Projekt vom NRW-Gesundheitsministerium.
Eine Übersicht über regionale Gruppenangebote in der Nähe mit Anschriften und Hinweisen zu freien Plätzen findet sich auf unserer Internetseite

www.kvno.de/ueber-uns/versorgungsprojekte/corona-gruppenangebote

oder direkt hier:

Register für Gruppenangebote im Rahmen der Corona-Pandemie (Kinder&Jugendliche)

Zum Projektstand informiert der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, wie folgt:

"Jedes Alter reagiert unterschiedlich auf die Zumutungen der Pandemie. Um den abweichenden Problemlagen Rechnung zu tragen, sind die Gruppen altershomogen zusammengesetzt. Da Corona ein Flächenphänomen ist, ist das Angebot nicht auf Ballungsräume und Großstädte beschränkt, sondern wurde in der Breite ausgerollt. Das gilt auch mit Blick auf die Teilnahmemöglichkeiten: Das Angebot richtet sich nicht allein an gesetzlich, sondern auch an privat Versicherte.

Das Projekt ist inzwischen gut angelaufen. Bisher haben sich 138 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten bzw. Psychiaterinnen und Psychiater für das Projekt angemeldet – die meisten davon Mitglieder der KVNO, aber auch Privatärztinnen und -ärzte. Eingetragen sind insgesamt 279 Gruppen (ca. drei bis acht Teilnehmende je Gruppe).

Das Projekt hat auch eine strategische Komponente: Es war uns sehr wichtig, dass das Angebot nicht mit der heißen Nadel gestrickt wird, sondern ausreichend Kapazitäten bestehen, falls sich die pandemische Situation doch nochmals zuspitzen sollte und die Nachfrage nach oben geht. Aus dem Grund stehen wir gerade im engen Austausch mit dem NRW-Gesundheitsministerium und versuchen eine Verlängerung über den 31.12.22 zu erwirken. Die Aussichten sind sehr gut und wir sind zuversichtlich, dass die Gruppenangebote auch im nächsten Jahr ihren Beitrag dazu werden leisten können, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zurück in die Normalität zu unterstützen.“

Kontakt

Sven Ludwig

Christopher Schneider

Thomas Petersdorff