Letzte Änderung: 02.03.2021, 08:07 Uhr

OPTIMAL@NRW

Optimierte Akutversorgung geriatrischer Patienten durch ein intersektorales telemedizinisches Kooperationsnetzwerk – rund um die Uhr

Eine adäquate pflegerische und medizinische Versorgung von älteren und meist multimorbiden Menschen in Pflegeeinrichtungen und dem häuslichen Umfeld stellt vor dem Hintergrund der demographischen Alterung eine besondere Herausforderung dar. Die steigende Arbeitsbelastung von Pflegepersonal und Ärzten führt dazu, dass gerade in ländlichen Regionen eine zeitnahe Versorgung der Patienten, z.B. in Form von Hausarztbesuchen, nicht immer gewährleistet ist. Die Folge sind potentiell vermeidbare Akuteinweisungen in Krankenhäuser sowie eine übermäßige Inanspruchnahme der Notfallversorgung, die allerdings nicht intersektoral ausgerichtet ist. Auch besitzt der Behandler im Krankenhaus in der Regel nicht die gleichen Kenntnisse zur Krankenvorgeschichte eines Patienten wie der niedergelassene Arzt vor Ort. Die Folgerung: die intersektorale Notfallversorgung muss optimaler gestaltet werden, eine bessere Verzahnung der Bereiche ambulanter und stationärer Notdienst sowie Rettungsdienst ist notwendig.

Hier setzt das Projekt Optimal@NRW an. Im Rahmen des Projekts soll eine vorgeschaltete und integrierte telemedizinische Netzwerkstruktur zwischen Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten, Hausärzten und den Portalpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, den Rettungsdiensten der Region Aachen und der zentralen Notaufnahme der Uniklinik RWTH Aachen etabliert werden. Als zentrale Anlaufstelle dient der sogenannte „virtuelle digitale Tresen“. Hierbei erfolgt die Kontaktaufnahme der Pflegeeinrichtungen bzw. ambulanten Pflegedienste zunächst mit der Arztrufzentrale NRW („116117“), wo eine standardisierte Ersteinschätzung mittels SmED („Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland“) durchgeführt wird. Je nach Dringlichkeit erfolgt eine Weitervermittlung an den Hausarzt oder den KV Sitzdienst, welche ggf. eine Telekonsultation durchführen. Ist einer dieser Ärzte verhindert, versorgt ein Notfallmediziner der Notaufnahme der Uniklinik RWTH Aachen. Wenn einer der Ärzte die Notwendigkeit einer ärztlich delegierbaren Maßnahme sieht, so delegiert er diese an eine mobile entlastende Versorgungsassistentin (EVA) des Versorgungsnetzwerkes, welche mit telemedizinischem Equipment ausgestattet ist und durch die Arztrufzentrale NRW koordiniert wird. Im Falle einer lebensbedrohlichen Notfallsituation erfolgt eine digitale Weiterleitung an eine der Rettungsleitstellen (112) der Region Aachen.

Durch die Möglichkeit der Pflegeheime und Pflegedienste eine Telekonsultation mit einem Arzt des intersektoralen Netzwerkes durchzuführen, werden unnötige Krankenhauseinweisungen verhindert und vorhandene Ressourcen optimal eingesetzt. Für die teilnehmenden Pflegebedürftigen besteht ein interoperables Dokumentationsmodul (FallAkte). Zusätzlich soll ein standardisiertes Frühwarnsystem zur Detektion potentiell gefährdender Veränderungen des Gesundheitszustandes in den Pflegeeinrichtungen etabliert und evaluiert werden.