Letzte Änderung: 04.05.2022 17:00 Uhr Lesezeit: 3 Minuten

Nachhaltigkeit braucht vorausschauendes und umsichtiges Handeln aller – und zwar jetzt!

Am heutigen Mittwochnachmittag ist der 16. „Gesundheitskongress des Westens“ zu Ende gegangen.

© KV Nordrhein

Bei der regelmäßig im Kölner Gürzenich ausgerichteten Veranstaltung handelt es sich um die führende Konferenz für Gesundheitspolitik und -wirtschaft im Westen Deutschlands.

Das diesjährige Kongressmotto – „Lasst uns nachhaltige Strukturen schaffen!“ – durchzog viele Vorträge und Podiumsdiskussionen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und den daraus resultierenden Herausforderungen für das Gesundheitssystem in Deutschland auseinandersetzten.

„Als eines der bestimmenden Themen unserer Zeit hat Nachhaltigkeit denkbar viele Implikationen – ihr gemeinsamer Nenner ist, dass wir nur durch umsichtiges und gemeinsam abgestimmtes Handeln weiterkommen können“, bilanzierte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), Dr. med. Frank Bergmann, im Abschlusspanel „Weichenstellung – welche Impulse braucht NRW in der nächsten Wahlperiode? Nachhaltige Gesundheitspolitik und Green Health in NRW“.  

Klimasensibles Handeln Teil des Praxisalltags

Mit Blick auf den Klimaschutz habe sich die Ärzteschaft bereits im Rahmen des letzten Deutschen Ärztetages klar und ausdrücklich zur Nachhaltigkeit bekannt, sagte Bergmann und betonte: „Bloße Lippenbekenntnisse haben heutzutage ausgespielt. Ressourcen schonendes, klimasensibles Handeln ist in der Ärzteschaft allgemein, besonders aber in den Praxen angekommen. Das zeigen innovative Formate wie die Klima-Sprechstunde, in der die enge Verflechtung von Klima und Gesundheit im Vordergrund steht, aber auch die rege Inanspruchnahme einschlägiger Weiterbildungsangebote der Akademie Nordrhein. All das unterstreicht: Die Praxen bekunden nicht nur eine hohe Bereitschaft für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen – sie packen die Herausforderungen schon heute proaktiv an.“

Für den KVNO-Chef kommt der Nachhaltigkeitsgedanke aber auch in anderen Zusammenhängen zum Tragen. Mit Blick auf die originären Aufgaben der Selbstverwaltung fand Bergmann klare Worte: „Ein nachhaltiger Praxisbetrieb kann nur dort gelingen, wo entsprechende Bedingungen erfüllt werden. Was wir jetzt brauchen, sind strukturelle Weichenstellungen zugunsten einer nachhaltigen Stärkung des niedergelassenen Bereichs! Dies erfordert neben einem dringenden Umdenken bei der Förderung medizinischer Fachkräfte eine umsichtige Standortpolitik zur Ansiedlung von Praxen und intersektoralen Gesundheitszentren in ländlichen Regionen sowie Reformen im Notdienst – um nur einige Beispiele zu nennen. Allein so wird es uns möglich sein, die wohnortnahe Versorgung zukunftsfest und im Sinne nachhaltiger Strukturen ausbauen zu können.“

"Kapitalgetriebene Interessen im Gesundheitswesen tragen erheblich zum Klimawandel bei.", sagte Fridays for Future Sprecherin Linda Kastrup in ihrem Vortrag. Den Impuls der Klimaaktivistin aufnehmend, bekräftigte Dr. Frank Bergmann "Investorengesteuerte MVZ beschleunigen diesen Prozess erheblich. Im Sinne der Gesundheit der Patientinnen und Patienten sollten bereits jetzt enstprechende Maßnahmen eingeleitet werden, damit diese Entwicklung nicht überhandnimmt."

Lokale intersektorale Kooperationen als Chance

Dies gehe allerdings nicht im Alleingang, wie Bergmann betonte. Als zentrale Form der Daseinsvorsorge sei die medizinische Versorgung nicht zuletzt ein Querschnittsthema, das Politik und Gesundheitssystem gleichermaßen fordere.

Einen wichtigen Schlüssel sieht der KVNO-Chef dabei in übergreifenden Kooperationsmodellen auf lokaler Ebene – ein Thema, das bereits am Vormittag in einem separaten Panel unter dem Titel „Lokale Kooperation: Eine Chance für strukturschwache Regionen“ erörtert wurde. Zusammen mit Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, Prof. Dr. habil. Heike Köckler von der Bochumer Hochschule für Gesundheit sowie Dr. med. Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Köln, diskutierte KVNO-Vorstand Bergmann hier über mögliche Lösungswege für eine nachhaltige Sicherstellung der medizinischen Versorgung insbesondere in strukturschwachen Regionen. „Ein besonderer Versorgungsbedarf kann am besten durch lokale Kooperation – zwischen KV, Krankenkassen und Kommune – ermittelt und zielgerichtet angegangen werden“, sagte Bergmann. Dies ist bereits gelebte Praxis, wie Dr. med. Johannes Nießen im Rahmen des Panels hervorhob – dies vor allem mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Köln und der KVNO während der Pandemie und seit Neuestem auch beim Gesundheitskiosk „dieKümmerei“ in Köln-Chorweiler. „Um vor Ort erfolgreiche Kooperationen betreiben zu können, müssen wir vorab genau eruieren, was genau benötigt wird. Regionale Herausforderungen brauchen regionale Lösungen!“, so Bergmanns Fazit.

Impulse für den weiteren Ausbau des intersektoralen Kooperationsgedankens erwartet Bergmann auch mit Blick auf die kommende Legislaturperiode in NRW. Wo gewünscht, werde die KV Nordrhein entsprechende Maßnahmen und Entwicklungen gerne mit medizinischer Expertise beratend begleiten.

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