KVNO aktuell Letzte Änderung: 20.10.2021 00:00 Uhr

Versichertenbefragung 2021: Rheinländer auch in Corona-Zeiten mit ihren Praxen sehr zufrieden

Seit Einsetzen der Corona-Pandemie vor nunmehr knapp anderthalb Jahren kann von „Normalität“ in Nordrheins Praxen keine Rede mehr sein. Doch so sehr sich die Rahmenbedingungen für die ambulante Versorgung zuletzt verändert haben, die Wertschätzung vonseiten der Patientinnen und Patienten im Rheinland gegenüber ihrer Stammpraxis ist ungebrochen hoch. Das geht aus der diesjährigen Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die Ende August 2021 vorgestellt wurde.

Eine der zentralen Erkenntnisse der Studie: Trotz aller Widrigkeiten mitsamt Mehrbelastung für die Gesundheitsversorgung sind die Rheinländer auch in Corona-Zeiten sehr zufrieden mit der niedergelassenen Ärzteschaft. Ein Indikator ist das nach wie vor hohe Vertrauen den behandelnden Ärzten gegenüber. So gaben insgesamt 90 Prozent aller Studienteilnehmer an, ein „gutes“ oder „sehr gutes“ Vertrauensverhältnis zu ihrem behandelnden Arzt zu unterhalten. Mit 91 Prozent bewegt sich Nordrhein sogar leicht über dem Bundesdurchschnitt, wobei 37 Prozent ihr Verhältnis als „gut“ und 54 Prozent als „sehr gut“ einstufen.

 

Vertrauen in fachliche Kompetenz stabil

Das Bild zeigt ein Diagramm, dass die Arztbesuche im letzten Jahr zeigt.
© KV Nordrhein
Auch in Zeiten der Corona-Pandemie gehören Arztbesuche zur Tagesordnung: So gaben 80 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr ihre Stammpraxis und bzw. oder einen Facharzt aufgesucht zu haben.

Positiv fällt auch die Bewertung der medizinisch-therapeutischen Qualifikation der Niedergelassenen aus: 91 Prozent aller Versicherten attestierten ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt gute bis sehr gute fachliche Kenntnisse. Auch hier geht Nordrhein mit gutem Beispiel voran und liegt mit insgesamt 92 Prozent erneut knapp oberhalb des Bundesniveaus.

„Vertrauen und fachliche Kompetenz sind und bleiben die tragenden Säulen der ärztlichen Versorgung. Die vergangenen anderthalb Jahre haben uns alle in besonderer Weise gefordert und nicht zuletzt auch das Verhältnis von Arzt und Patient vor ungekannte Herausforderungen gestellt. Umso mehr freue ich mich über die erneut hervorragenden Ergebnisse der diesjährigen Versichertenbefragung. Sie bestätigen einmal mehr, dass die niedergelassene Ärzteschaft den Titel des Rückgrats der ambulanten Versorgung eindeutig zu Recht trägt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), Dr. med. Frank Bergmann.

Wie hoch das Vertrauen in die medizinische Kompetenz der Niedergelassenen ist, zeigt sich ebenfalls in der Aufgeschlossenheit gegenüber telemedizinischen Angeboten, die im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit deutlich zugelegt hat. Inzwischen kann sich die Hälfte der befragten Personen vorstellen, alternativ zum Praxisbesuch auch von einer Videosprechstunde Gebrauch zu machen bzw. tut dies schon. Gegenüber den Vorjahren bedeutet das einen Zuwachs von 13 Prozent für die Bundesebene, in Nordrhein sind es sogar drei Prozent mehr.

Positive Entwicklung bei Wartezeiten

Das Bild zeigt eine Digramm, dass das Vertauensverhältnis der Patienten zum Arzt zeigt.
© KV Nordrhein
Eine Säule der ärztlichen Versorgung: 91 Prozent der befragten Rheinländer bewerten das Vertrauensverhältnis zu ihrem behandelnden Arzt als gut bzw. sehr gut. Quelle Grafiken S. 16 und 17: FGW Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH

Geht es um die Zufriedenheit der Patienten, sind in der Regel auch die Wartezeiten ein ausschlaggebender Faktor. Entsprechend wollte die KBV erneut von den Versicherten wissen, wie viel Zeit sie durchschnittlich in ärztlichen Wartezimmern verbringen. Dabei setzt sich der positive Trend der Vorjahre auch 2021 fort. Mehr noch: Laut der diesjährigen Studie erhöht sich der Prozentsatz derjenigen, die überhaupt keine Wartezeit in Kauf nehmen mussten, sogar auf 15 Prozent. Die überwiegende Mehrheit der Patienten musste im laufenden Jahr nur noch bis zu 15 Minuten vor Ort auf eine ärztliche Behandlung warten. Mit insgesamt 60 Prozent in dieser Zeitspanne liegt Nordrhein auch hier abermals über dem Bundesdurchschnitt, der 58 Prozent beträgt.

„Die kürzere Wartezeit in den Praxen hängt sicher auch mit der Pandemie zusammen. Es gab zuletzt weniger Ad-hoc-Termine, dafür mehr Terminabsprachen im Vorfeld. Dies war und ist auch weiterhin angesichts des Infektionsschutzes in den Praxen notwendig. Wichtig ist ebenso, dass die Wartezeiten im Toleranzbereich bleiben und von den allermeisten Patientinnen und Patienten bisher offenbar nicht als störend empfunden wurden“, erklärt Dr. med. Carsten König, Stellvertretender KVNO-Vorsitzender.

Wie viel Zeit die Versicherten bis zum Arztermin einplanen mussten, hängt laut Untersuchung entscheidend davon ab, welche Arztform aufgesucht wurde. Das Ergebnis: Patienten, die einen Termin bei ihrem Hausarzt vereinbaren, kommen deutlich schneller zum Zuge, als dies bei einem Facharzt der Fall ist. Zwar gleichen sich die zeitlichen Unterschiede zwischen Hausärzten und Spezialisten in 2021 erneut an, die seit Jahren bestehende Diskrepanz bei der Terminvergabe hält jedoch an.

Sorge um Pflege wächst

Als eine der größten Herausforderungen für die nahe Zukunft identifizieren die Befragten personelle Engpässe im Pflegebereich. Mit 16 Prozent wird das Problem sogar als dringlicher eingestuft als der Themenkomplex Corona bzw. Pandemien im Allgemeinen, der mit 13 Prozent nunmehr auf Platz zwei rangiert. Abgenommen hat dementgegen die in den Vorjahren noch stärker ausgeprägte Sorge der Versicherten vor einem drohenden Ärztemangel: Hier sinken die Werte um fünf Punkte auf neun Prozent.

Im Auftrag der KBV hat die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH für die diesjährige Versichertenbefragung insgesamt 6.193 Bürgerinnen und Bürger in einem Zeitraum vom 29. März bis zum 26. April 2021 telefonisch befragt. Die Ergebnisse der jährlich durchgeführten Studie sind repräsentativ.

  • Thomas Petersdorff