KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.07.2025 00:00 Uhr Lesezeit: 2 Minuten
Unser Ziel: „Prozesse, die sich fast von selbst erklären“
Zur Entlastung der Praxen setzt die KV Nordrhein auf den konsequenten Ausbau ihrer digitalen Angebote: Im Interview zeigt Dr. med. Frank Bergmann, welche Lösungen bereits online sind – und warum das KVNO-Portal beim Prozess eine Schlüsselrolle spielt.
Herr Dr. Bergmann, die Digitalisierung nimmt im Gesundheitswesen eine immer bedeutendere Rolle ein. Wie begegnet die KV Nordrhein dieser Entwicklung?
Dr. med. Frank Bergmann: Digitalisierung ist für uns Alltag – nicht ein Projekt von morgen. Als KV Nordrhein haben wir frühzeitig begonnen, digitale Lösungen gezielt einzusetzen. Unser Anspruch ist es, Arztpraxen im Alltag spürbar zu entlasten, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und so Servicequalität und Transparenz zu verbessern. Herzstück dieser Strategie ist unser KVNO-Portal, das eine Vielzahl digitaler Services unter einem Dach vereint und für die Praxen den Austausch und die Abgabe von Dokumenten deutlich vereinfacht.
Welche Verfahren werden bereits digital angeboten?
Dr. med. Frank Bergmann: Bereits heute werden rund 80 Prozent aller Anträge online über das KVNO-Portal abgewickelt – ein Meilenstein auf dem Weg zu einer vollständig digitalen Antragsbearbeitung. Besonders hervorzuheben sind das Digitale Antragsmanagement (DAM) und die elektronischen Qualitätszirkel (eQZ). Mit dem DAM bieten wir seit 2022 eine komplett digitale Lösung für die Antragstellung: Von der Dateneingabe über automatische Prüfungen bis hin zur digitalen Bescheiderstellung läuft alles medienbruchfrei. Auch bei Rückfragen ist die Kommunikation zu laufenden Anträgen direkt im System möglich – schnell und transparent. Aktuell können so rund 100 Formulare bearbeitet werden: von Selektivverträgen wie der Mädchensprechstunde über Präventionsuntersuchungen für Kinder bis hin zur Videosprechstunde.
Mit dem eQZ wiederum haben wir die digitale Verwaltung der rund 1.300 Qualitätszirkel in Nordrhein etabliert – inklusive Mobilzugang und integrierter Abrechnung. Als Nächstes modernisieren wir die Benutzeroberfläche gezielt für die Nutzung auf mobilen Endgeräten.
Warum ist Digitalisierung gerade für Praxen so wichtig?
Dr. med. Frank Bergmann: Arztpraxen verbringen im Schnitt 61 Tage im Jahr mit Dokumentation und Verwaltung – das zeigt deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Unser Ziel ist es, den Kontakt mit der KV Nordrhein so einfach wie möglich zu gestalten. Wenn Anträge, Dokumentationen oder Rückfragen digital, intuitiv und schnell bearbeitet werden können, gewinnen unsere Mitglieder wertvolle Zeit, die sie an anderer Stelle dringend brauchen.
Was wären die nächsten Schritte?
Dr. med. Frank Bergmann: Wir entwickeln das KVNO-Portal stetig weiter – mit dem klaren Ziel, allen Mitgliedern einen zentralen Zugang zu bieten. Dazu gehört, dass wir unsere Anwendungen konsequent mobilfähig machen und die Nutzerführung weiter vereinfachen. Seit kurzem können sich unsere Mitglieder per Video-Ident-Verfahren für erweiterte Funktionen im KVNO-Portal freischalten lassen – und das in nur wenigen Minuten. Für das nötige Maß an Sicherheit sorgt der Soft-Token, eine App-basierte Zwei-Faktor-Prüfung, die vor allem bei Abrechnungen zum Einsatz kommt.
Weitere Projekte stehen in den Startlöchern: Die Nachbesetzung soll künftig vollständig digital erfolgen und das Bewerbungsverfahren vereinfachen. Die eSammelerklärung wird nun über KIM für alle Praxen verfügbar. Und das digitale Sitzungsmanagement für den Zulassungsausschuss bringt Tempo und Struktur in rund 5.000 Verfahren jährlich – Entscheidungen zur Niederlassung, beispielsweise bei Sitzverlegung oder Praxisgründungen, werden dadurch schneller und für alle nachvollziehbar.
Wie sieht Ihre Vision für die digitale Zukunft aus?
Dr. med. Frank Bergmann: Digitalisierung schafft dann echten Mehrwert, wenn sie Abläufe vereinfacht und beschleunigt – nicht als Selbstzweck, sondern als konkretes Werkzeug zur Entlastung im Alltag. Unser Fokus liegt darauf, Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit praxistauglichen Lösungen zu unterstützen. In diesem Sinne – und als Teil unserer Gesamtstrategie – setzen wir auf Lösungen wie die digitale Bewerberverwaltung, die schnelle Bearbeitung ärztlicher Prüfprozesse oder die automatisierte Dokumentenverarbeitung. Auch die Förderverwaltung und die geplante Einschreibe-App für Selektivverträge reduzieren den Verwaltungsaufwand – und halten unseren Mitgliedern den Rücken frei für das Wesentliche. Unser Ziel: digitale Prozesse, die sich fast von selbst erklären und den Praxisalltag spürbar erleichtern. Denn so bleibt mehr Zeit für das, worauf es wirklich ankommt: eine gute Versorgung.
- Thomas Petersdorff
Zeit sparen mit DAM
Mit dem Digitalen Antragsmanagement (DAM) haben Praxen die Möglichkeit, Anträge auf Genehmigungen schnell und bequem bei der KV Nordrhein einzureichen. Heute können auf diesem Weg rund 100 Formulare abgerufen und bearbeitet werden. Das spart Nerven – und auch Zeit: Bei digital eingereichten Anträgen ist die Bearbeitungsdauer im Vergleich zum Postweg um die Hälfte kürzer. Bisher wurden so insgesamt 10.400 Anträge eingereicht.