KVNO aktuell Letzte Änderung: 28.11.2025 00:00 Uhr
Teamarbeit stärken, Versorgung verbessern
Die ambulante Versorgung ist im Wandel. Teampraxen mit qualifiziertem Personal werden immer wichtiger. Sie können eine hochwertige Versorgung auch in Zukunft sicherstellen. Interprofessionelle Teams entlasten Ärztinnen und Ärzte durch Delegation. Das stärkt die Versorgung vor Ort.
Der Praxisalltag wird zunehmend komplexer. Medizinische, organisatorische und administrative Anforderungen steigen. Hinzu kommt der demografische Wandel: Immer mehr ältere Patientinnen und Patienten benötigen Versorgung. Gleichzeitig gehen viele Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Folge: Innovative Versorgungskonzepte sind gefragt, denn Nachbesetzungen allein sind keine Lösung.
„Früher arbeiteten die meisten Ärztinnen und Ärzte selbstständig und überwiegend in Einzelpraxen – und oft mehr, als der Versorgungsauftrag von ihnen verlangte. Heute erleben wir eine Trendwende: Jüngere Medizinerinnen und Mediziner bevorzugen Anstellung und Teilzeit. Dadurch entsteht ein Defizit bei der verfügbaren Behandlungszeit, das wir schließen müssen, denn der demografische Wandel bringt auch Aspekte wie häufigere chronische Erkrankungen und Multimorbidität mit sich“, sagt Jonas Bördner, Bereichsleiter Gesundheitspolitik und Strategische Sicherstellung der KV Nordrhein.
Die Delegation von Leistungen wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Aufgaben müssen auf mehrere Schultern verteilt werden. Geschieht dies intelligent und strukturiert, gewinnen Ärztinnen und Ärzte Zeit für schwer Erkrankte, Diagnostik und Therapieentscheidungen.
Physician Assistants – neue Wege in der Delegation
Noch sind Physician Assistants in der ambulanten Versorgung selten, vorrangig arbeiten sie in Kliniken. Fachleute diskutieren ihren Einsatz im Bereich der ärztlichen Delegation in Haus- und Facharztpraxen aber intensiv. Viele Praxen zögern noch, PAs zu beschäftigen, das Gehalt der hochqualifizierten Fachkraft wird derzeit im Kollektivvertrag nicht refinanziert. Zudem ist das Gehalt für PAs aufgrund der akademischen Ausbildung höher als für Medizinische Fachangestellte (MFA) mit bestimmten Weiterbildungen, die Ärztinnen und Ärzte ebenfalls entlasten können.
„Teampraxen brauchen klare Regelungen“, erklärt Bördner. Wie der flächendeckende Einsatz von PAs in der ambulanten Versorgung gelingen kann, möchte die KV Nordrhein deshalb in einem Modellprojekt herausfinden. „Wir setzen uns für einheitliche Qualitätsstandards ein, rechtssichere Rahmenbedingungen und eine standardisierte Vergütung für Physician Assistants. Ein PA muss sich in der Praxis rechnen“, betont Bördner. Mehr zu dem Modellprojekt auf Seite 12.
Verantwortung übernehmen
Auch Medizinische Fachangestellte (MFA) übernehmen in Teampraxen Verantwortung. Mit Weiterbildungen als zum Beispiel Nichtärztliche Praxisassistenz (NäPa) dürfen sie schon heute Hausbesuche durchführen, Vitalwerte kontrollieren und in der Prävention mitarbeiten.
Die Abrechnung für NäPa-Leistungen ist bundesweit im EBM geregelt, Praxen benötigen dazu eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Formen der nichtärztlichen Delegation sind für Praxen ebenfalls sehr wertvoll, denn damit trägt das nichtärztliche Personal dazu bei, Ärztinnen und Ärzte bei Routineaufgaben zu entlasten.
Delegation lohnt sich für alle
Delegation ist aber nicht nur ein Instrument zur Entlastung, sondern steigert in vielen Fällen auch die Motivation im Team. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen dürfen, erleben ihre Arbeit oft als sinnstiftend und abwechslungsreich – das erhöht die Zufriedenheit, senkt die Fluktuation und macht die Praxis als Arbeitgeber attraktiver.
Was dürfen Physician Assistants?
Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants hat die Bundesärztekammer ein Positionspapier erarbeitet, das als Orientierungsrahmen zu verstehen ist. Demzufolge können PAs aufgrund ihrer Hochschulausbildung ärztliche Tätigkeiten in Delegation übernehmen, sofern Ärztinnen und Ärzte diese nicht persönlich erbringen müssen. PAs können zum Beispiel Infektionssprechstunden abhalten, Untersuchungen vorbereiten, bei operativen Eingriffen assistieren und Kontrolluntersuchungen durchführen. Sie können ebenso an der Erstellung von Behandlungsplänen und Dokumentation mitarbeiten. Die Gesamtverantwortung liegt immer bei der behandelnden Ärztin bzw. beim behandelnden Arzt.