Veranstaltung Service KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.07.2025 00:00 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

Selbsthilfe: Neurodivergenz – nur anders normal?

Experten diskutierten beim KOSA-Online-Talk „Neurodivergenzen – hochsensibel, autistisch, hochbegabt?“. 457 Interessierte waren dabei.

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© assistantua | GettyImages

„Neurodiversität beschreibt die Bandbreite natürlicher Vielfalt in der menschlichen Gehirnentwicklung“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Der KVNO-Vorstandsvorsitzende erklärte: „Das Neurodivergenzkonzept fokussiert nicht nur Defizite von Verhaltensauffälligkeiten, es betont auch Stärken.“ Das könne Diagnosen wie Autismus oder ADHS entstigmatisieren. 

Sind Menschen mit Autismus und Co. also gar nicht krank, sondern nur anders normal? Was ist überhaupt normal? Diese Fragen könnten immer nur in zeitlichem und gesellschaftlichem Kontext beantwortet werden, so Bergmann. Normalität orientiere sich am vertrauten und gewöhnlichen Verhalten der Mehrheit. 

Therapie weiter wichtig

Was das in der Praxis bedeutet, erläuterte Martin Zange, Psychologischer Psychotherapeut aus Krefeld. „Hochbegabte kommen zu mir, weil sie verzweifelt sind. Sie gelten als Streber und werden gemobbt“, erklärt der Psychologe. Ziel sei es, Zusammenhänge zu erkennen und Verhaltensänderungen zu erlernen, die den Leidensdruck mindern. 

Professor Christian Lindmeier von der Universität Halle-Wittenberg erklärte Neurodiversität aus pädagogischer Sicht. Der Begriff existiert seit den 1990er Jahren und fand zunächst in den Sozial- und Erziehungswissenschaften Beachtung. „Es ist gut, dass das Konzept auch Einzug in die Medizin gehalten hat“, sagte er. 

Diagnose Neurodivergenz 

Im noch gültigen ICD-10-Katalog ist bei Autismus von einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung die Rede, in der deutschen Entwurfsfassung ICD-11 von einer Autismus-Spektrum-Störung mit unterschiedlichen Ausprägungen. Autismus wird hier im Sinne des Neurodivergenzkonzepts weniger als Krankheit verstanden. Aber das ist auch mit Vorsicht zu genießen.

„Wenn bestimmte Diagnosen nur als anders normal gesehen werden, besteht die Gefahr, dass Therapiebedürftige keine ausreichende Versorgung erhalten. Krankenkassen könnten sich zudem weigern, Behandlungen zu bezahlen“, erklärte Bergmann. Sein Fazit: Es sollte eine gründliche ärztliche Diagnostik erfolgen, verbunden mit individueller Therapie und psychosozialen Unterstützungsangeboten. 

Unterstützung bieten auch Selbsthilfegruppen. Silvia Prochnau von „autismus – einfach anders“ in Oberhausen stellte die Gruppe im KOSA-Online-Talk vor.

  • Simone Heimann 

Nächster KOSA- Online-Talk

Termin:
Mittwoch, 26. November 2025

Thema:
Rheuma - wie zu mehr Lebensqualität?

Mehr Infos:
kvno.de/termine

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