Kodierung Letzte Änderung: 27.09.2021 17:30 Uhr Lesezeit: 3 Minuten

Neue PVS-Funktion hilft beim Kodieren

Ob Diabetes mellitus, Herzschwäche oder Depression – Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten müssen Diagnosen nach ICD-10-GM verschlüsseln – und das möglichst spezifisch. Ab 1. Januar 2022 hilft dabei die neue Kodierunterstützung im Praxisverwaltungssystem.

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Keine dicken Wälzer, keine neuen Regeln oder mehr Bürokratie – die Kodierunterstützung ist ein digitaler Helfer, der die Verschlüsselung von Diagnosen erleichtern und präzisieren soll. Ab 1. Januar 2022 können mittels der neuen Funktion die vorhandenen, aber teils recht komplizierten Regelungen der ICD-10-GM noch besser angewendet werden, um damit den möglichst der passenden Kode zu finden. Sie wird in die Praxissoftware eingebunden und steht direkt zum Kodieren zur Verfügung - ob für die Abrechnung oder bei der Angabe der Diagnose auf dem Krankenschein.

Grund für die Neuerung ist die stete Prüfung der Kodierqualität und ein daraus resultierender Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz: Danach muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verbindliche Vorgaben zum Kodieren erstellen und mit Frist zum 1. Januar 2022 einführen. Damit sich die von der KBV vorgegebenen Inhalte bestmöglich in die Arbeitsprozesse der jeweiligen Software einpassen, kann sich die Kodierunterstützung in Funktionalität und Darstellung je nach Hersteller unterscheiden.

Kodier-Check

Insbesondere bei vielschichtigen Krankheitsbilder ist es oftmals nicht leicht, den kompatiblen Diagnoseschlüssel zu finden. Der Kodier-Check soll künftig Abhilfe schaffen, um die Morbidität so präzise wie möglich widerzuspiegeln. Die Funktion steht zunächst für vier Diagnosebereiche zur Verfügung: Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus und Folgen des Bluthochdrucks. Laut KBV wurden diese Krankheitsbilder ausgewählt, weil sie einerseits mit einer komplexen Kodierung und andererseits hohen Fallzahlen einhergehen, die sich wiederum auf die damit verbundene Morbiditätsstruktur auswirken.

Wählen Ärzte einen Diagnoseschlüssel aus einem dieser vier Bereiche aus, wird der Kode-Check aktiviert und prüft den Prozess auf Unstimmigkeiten. Im Falle einer Auffälligkeit erhält der Mediziner zum Beispiel den Hinweis, dass ein spezifischerer ICD-10-GM-Kode vorhanden ist und bietet diesen direkt zur Auswahl an. Dieser kann im PVS dann entweder geändert oder abgelehnt werden. Die Diagnosebereiche des Kode-Checks sollen sukzessive erweitert werden.

Infoangebot für Praxen

Bewährte Funktionen wie die Kodesuche und die Kennzeichnung von Dauerdiagnosen sind ebenfalls Teil der Kodierunterstützung. Doch auch hier gibt es Neuerungen: Neben der ICD-10-GM ist künftig auch die dafür vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte herausgegebene Verschlüsselungsanleitung im PVS enthalten ist. Somit sind ab 2022 alle Informationen der ICD-10-GM zum Kodieren in der Praxissoftware zu finden.

Die KBV und die KV Nordrhein begleiten die Ärzte und Psychotherapeuten beim Start der neuen Verschlüsselungshilfe. Ab Herbst wird es dazu auch ein Serviceheft in der Reihe Praxiswissen (Beilage im Deutschen Ärzteblatt und in der PP-Ausgabe) sowie Erklärvideos zu verschiedenen Problematiken und Sachverhalten zum Thema Kodieren geben. Weitere Informationen finden Sie auf kbv.de/html/52722.php