Niederlassung KVNO aktuell Letzte Änderung: 28.11.2025 00:00 Uhr Lesezeit: 5 Minuten
Praxisnetze: Schlaflos in Wuppertal
Vernetzt, modern, patientennah – das Praxisnetz Ärzte in Wuppertal e. V. startet vier Projekte, die zeigen, wie Kooperation die ambulante Medizin verbessern kann.
Wie kann ambulante Medizin in Zukunft gelingen? Antworten darauf liefert das Praxisnetz Ärzte in Wuppertal e. V. Hier engagieren sich Haus- und Fachärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie medizinische Fachkräfte, um die Versorgung in ihrer Stadt zu verbessern. Es geht um die Behandlung von Übergewicht, schlechtem Schlaf, eine adäquate Versorgung im Alter und gut ausgebildete Fachkräfte für die Praxen. Die medizinischen Aufgaben und deren Organisation sind auch in Wuppertal vielfältig. „Ein Ziel ist es, unsere Alltagslasten durch ein stringentes Vorgehen zu reduzieren“, sagt Dr. Martin von Kathen, erster Vorsitzender von Ärzte in Wuppertal e. V. „Wir sind der Meinung, dass man die Versorgung durch Zusammenarbeit verbessern kann“, ergänzt er. Kooperation statt Konkurrenz, Austausch statt Isolation – das ist die Idee. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein zeichnet diese Arbeit aus und fördert in diesem Jahr gleich vier Projekte des Netzwerks, jedes mit einem eigenen Schwerpunkt, aber mit demselben Ziel – eine bessere, vernetzte und wohnortnahe Gesundheitsversorgung für die Menschen in Wuppertal.
Schlaflos in Wuppertal
Schlafstörungen sind weit verbreitet, aber oft schwer zu fassen. „Jeder Zehnte, der sich in einer Hausarztpraxis vorstellt, klagt über Schlafstörungen“, beschreibt der Internist und Schlafmediziner Dr. Claus Hader die Erfahrungen aus seiner Praxis Aeroprax. Das Projekt „Interdisziplinäres Netzwerk Schlafmedizin in Wuppertal – Schlaflos in Wuppertal“ will jetzt einen fachübergreifenden Verbund zur Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen anbieten, um Betroffenen eine strukturierte, koordinierte und wohnortnahe Versorgung zu ermöglichen. Denn die Expertinnen und Experten beobachten: Die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten, die unter Schlafstörungen leiden, haben mehr als ein medizinisches Problem. Ziel ist eine bessere Diagnostik von Schlafstörungen und eine frühzeitige und präzise Behandlung. Die Mediziner wollen vermeiden, dass die Betroffenen jahrelang von Praxis zu Praxis irren, ohne eine klare Diagnose zu erhalten. „Geräte, die den Schlaf messen, versuchen wir jetzt in der hausärztlichen Medizin zu etablieren. Bis jetzt ist das ein fachärztliches Thema gewesen“, sagt Hader. So wie das nächtliche Blutdruckmessen kann es auch eine nächtliche Schlafmessung geben. „Das läuft bei uns im Projekt an“, sagt der Schlafmediziner. „Wir sind der Meinung, dass Schlafprobleme bisher nicht strukturiert behandelt werden.“ Für die Versorgung sind verschiedene ärztliche Disziplinen notwendig: „Die wollen wir in den nächsten zwei bis drei Jahren an den Tisch holen“. Als Hausarzt erfährt Dr. Martin von Kathen quasi täglich, was seine Patientinnen und Patienten beschäftigt: „Es gibt da häufig zwei Themen: Schlaf und Gewicht“, sagt er.
Gesund abnehmen – ein Netzwerk gegen Adipositas
Das zweite Projekt des Praxisnetzes Ärzte in Wuppertal e. V. widmet sich deshalb dem Thema Adipositas. Übergewicht ist längst eine Volkskrankheit, deren Behandlung komplexe Ansätze erfordert. Hier möchte der Zusammenschluss regional eine sektorenübergreifende und intensive Betreuung betroffener Patientinnen und Patienten durch ein modulares Gesundheitsnetzwerk aufbauen. Ziel ist es, durch eine nachhaltige Gewichtsabnahme die Lebensqualität zu verbessern und chronische Folgeerkrankungen zu vermeiden. „Es gibt zwei wesentliche Veränderungen: Ernährung und Bewegung“, sagt die Ärztin Kalomira Giza. Dazu soll es künftig auch Gruppen geben, die sich zum Gehen verabreden, außerdem Ernährungsberatung. Das Praxisnetz will das Projekt und die Gruppen künftig in Wuppertal weiter etablieren. „Ich sehe Menschen, die haben das Doppelte ihres Normalgewichts“, sagt Giza. Sie sieht im Übergewicht daher eine eigenständige Erkrankung. „Es muss leicht erreichbare Angebote in Wuppertal geben“, berichtet die Diabetologin Dr. Banu Beyenal aus den Erfahrungen in ihrer Praxis. Auch Angehörige fragen dort Präventionsangebote nach: „Bevor Menschen Krankheiten entwickeln, können wir ihnen sagen, wir haben da etwas, da können Sie hingehen“, sagt sie.
Wo Adipositas nicht mit kurzfristigen Programmen lösbar ist, sollen medizinische Betreuung, Motivation und soziale Unterstützung miteinander verbunden werden. Das Projekt ist insofern Ausdruck einer modernen, integrierten Versorgung, die Prävention und Therapie nicht trennt, sondern miteinander denkt.
Praxisnetze als Motor moderner Medizin
Ärzte in Wuppertal e. V. hat sich als Praxisnetz in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Motor entwickelt. Hier arbeiten rund 80 Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen. Sie tauschen sich regelmäßig aus und entwickeln gemeinsame Handlungsempfehlungen. „Wir haben eine Mischung aus freundschaftlichem und beruflichem Verbund“, sagt der Internist und Schlafmediziner Dr. Claus Hader. Das führe zu klaren Qualitätsstandards und einer stetigen Verbesserung der Behandlungsprozesse. „Wir wollen mit unseren Projekten auch zeigen, dass wir an einem Strang ziehen“, beschreibt er das Vorgehen. Im Mittelpunkt steht das Ziel, Patientinnen und Patienten besser, schneller und koordinierter zu versorgen. „Und wir haben Ideen – können uns vorstellen, auch mal unsere MFA in den verschiedenen Praxen einzusetzen und so weiterzubilden“, sagt Dr. Martin von Kathen. Aus- und Weiterbildung sind wichtige Aspekte der Zusammenarbeit. Natürlich auch eine enge Abstimmung, die helfen kann, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, Diagnosen präziser zu stellen und Therapien aufeinander abzustimmen.
Förderung von Netzprojekten für eine bessere Versorgung
Bereits im zweiten Jahr in Folge vergibt die KVNO besondere Fördermittel an anerkannte Praxisnetze in Nordrhein. Je nach Projekt sind bis zu 250.000 Euro Förderung möglich –
ein deutliches Signal für die Bedeutung regionaler Netzstrukturen. Damit will die KVNO innovative Ideen unterstützen, die die ambulante Versorgung stärken, Qualität sichern und neue Wege eröffnen. „Ich freue mich über die zusätzlichen Förderungen und auf die positiven Auswirkungen, die sich aus den Netzideen ergeben werden“, betonte Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KVNO, bei der feierlichen Auszeichnung im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf. „Die Kolleginnen und Kollegen wissen genau, welche Verbesserungen vor Ort notwendig und gezielt umsetzbar sind. Viele Projekte sind Blaupausen für landesweite Konzepte.“
Praxisnetze wie das in Wuppertal stehen für die Idee, Medizin lokal weiterzuentwickeln – mit kurzen Wegen, abgestimmten Abläufen und gemeinsamer Verantwortung. Seit 2016 unterstützt die KVNO den Aufbau solcher Netze. Seit 2024 werden zusätzlich konkrete Projektideen gefördert, die zeigen, wie vielgestaltig und wirkungsvoll Kooperation in der ambulanten Versorgung sein kann.
Bessere Versorgung in Alten- und Pflegeheimen
Das dritte Förderprojekt für Wuppertal nimmt die medizinische Betreuung älterer Menschen in den Blick. Hierbei geht es um eine verbesserte Versorgung durch Haus- und Fachärztinnen und -ärzte in Alten- und Pflegeheimen. „Wir schauen, wie wir die Zusammenarbeit mit den Haus- und Fachärzten strukturieren“, sagt von Kathen. Unnötige Krankenhauseinweisungen wollen die Mediziner so vermeiden. Gerade in Pflegeeinrichtungen zeige sich, wie wichtig reibungslose Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegepersonal ist. Unklare Zuständigkeiten, unterschiedliche Dokumentationssysteme und Zeitmangel führen oft zu vermeidbaren Belastungen – für alle Beteiligten. Das Praxisnetz Ärzte in Wuppertal e. V. entwickelt hier Ideen und Konzepte, die die Zusammenarbeit neu definieren. Durch digitale Kommunikationsmittel, feste Abläufe und definierte Ansprechpersonen soll die Versorgung in Alten- und Pflegeheimen strukturierter, schneller und verlässlicher werden.
Nachwuchs und Weiterbildung – Zukunft sichern
Das vierte Projekt des Praxisnetzes richtet den Blick in die Zukunft. „Wir suchen natürlich immer Nachfolger und medizinische Mitarbeiter oder MFA“, sagt von Kathen. Die Personalsuche trifft nicht nur Kliniken, sondern ebenso die Praxen. „Unsere Idee ist auch, dass wir beispielsweise die MFA während der Ausbildung in verschiedenen Praxen rotieren lassen“, sagt der Internist Dr. Hans-Peter Fostitsch. Bei rund 80 Ärztinnen und Ärzten im Praxisnetz biete sich da eine große Ausbildungsvielfalt, sind sich die Experten einig. „Wir müssen den Bedarf feststellen und möchten das koordinieren“, ergänzt der Radiologe Torsten Jahnke. „Junge Medizinerinnen und Mediziner wollen wir für die Arbeit in der Niederlassung begeistern“, erklärt er. „Wir möchten auch schon Studenten eine Perspektive bieten und frühzeitig Bindung nach Wuppertal schaffen“, fügt von Kathen hinzu. Mentoring, Hospitationen und praxisnahe Fortbildungen schafften Einblicke und Perspektiven. Gleichzeitig würden auch die bestehenden Praxisteams gestärkt – durch Weiterbildungsangebote und fachliche Begleitung: „Wir bieten Antworten und Lösungsmöglichkeiten, die für die Zukunft wichtig sind“. So wird das Praxisnetz selbst zur Ausbildungsstätte – und sichert die Versorgung langfristig durch Kompetenz, Kollegialität und Begeisterung.
Förderung mit Weitblick
Mit der Praxisnetzförderung unterstützt die KV Nordrhein Praxisnetze nun von der Gründungsphase über die Strukturentwicklung bis hin zur konkreten Umsetzung von Projekten vor Ort. Das medizinische Qualitätsnetz Ärzte in Wuppertal e. V. nutzt diese Chance konsequent. Mit seinen vier Förderprojekten beweist es, dass moderne Medizin mehr ist als individuelle Leistung. Sie entsteht dort, wo Menschen Wissen teilen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln. „Es geht darum, wie wir die Patientenversorgung verbessern und wie wir unseren Beruf attraktiv halten“, sagt Hans-Peter Fostitsch. Die Themen Schlafmedizin, Adipositas, Pflegeheimversorgung und Weiterbildung decken dabei ein breites Spektrum ab – und zeigen, dass Vernetzung in jedem dieser Bereiche wirkt. Wuppertal ist damit Vorreiter einer Medizin, die Nähe, Qualität und Innovation miteinander verbindet.
- Simona Meier