KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.04.2025 00:00 Uhr
Ozempic: Trend mit Folgen
Abnehmspritzen senken den Appetit und helfen vielen Menschen, überschüssige Kilos loszuwerden – mit großem Erfolg. Doch die hohe Nachfrage stellt Praxen vor Herausforderungen. Während neue Einsatzmöglichkeiten erforscht werden, sorgen Engpässe und Regulierungen für Diskussionen.
Es vergeht keine Woche ohne neue Schlagzeilen: Stars nehmen dank Abnehmspritzen sprichwörtlich über Nacht ab, während veränderte Gesichter als „Ozempic-Faces“ die Runde machen. Dabei wurde der Wirkstoff Semaglutid ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt. Bekannt wurde die Substanz unter dem Namen „Ozempic“, in der EU ist sie als „Wegovy“ zur Behandlung von Übergewicht zugelassen. Künftig könnte der Wirkstoff auch bei anderen Erkrankungen helfen. Doch schon jetzt führt der hohe Bedarf zu Versorgungsengpässen.
Die Arzneimittel Trulicity (Dulaglutid) und Ozempic (Semaglutid) sind in Deutschland für die Mono- oder Kombinationstherapie bei Typ-2-Diabetes zugelassen. Bereits seit 2023 registrieren sowohl Behörden als auch Arztpraxen einen stark steigenden Verbrauch – größtenteils durch den Off-Label-Einsatz in der Behandlung von Adipositas, sagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es folgte eine klare Empfehlung: „Um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes bedarfsgerecht sicherstellen zu können, soll der Einsatz der Produkte außerhalb der zugelassenen Indikationen nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden. Eine Verordnung außerhalb der zugelassenen Indikationen ist zulasten der GKV grundsätzlich nicht zulässig“, teilte ein BfArM-Sprecher mit.
Lieferengpässe: Regulierung zeigt Wirkung
Ärztinnen und Ärzte sollen diese Arzneimittel im ambulanten Bereich nur dann verordnen, wenn eine zugelassene Indikation vorliegt. Die Präparate können nicht allein auf Vorlage eines Arztausweises abgegeben werden. Fehlt die Indikation „Diabetes“ auf der Verordnung, muss die Apotheke Rücksprache mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt halten, um die korrekte Anwendung zu bestätigen. Mit diesen Maßnahmen will das BfArM sicherstellen, dass Engpässe vermieden werden und Diabetes-Patienten bevorzugt Zugang zu ihrer benötigten Medikation erhalten.
Inzwischen hat sich der Warenfluss wieder stabilisiert. „Die Gefahr eines Versorgungsmangels besteht nicht mehr. Die Firma Novo Nordisk hat die Produktion von Semaglutid hochgefahren. Außerdem wurde nach Rückmeldungen der Praxen bei Lieferproblemen auf Mounjaro der Firma Lilly umgestellt“, bestätigen auch die Experten der KV Nordrhein.
Abnehmen auf Rezept? Rechtliche Fragen
Mit Blick auf die Engpässe teilt Novo Nordisk mit: „Grundsätzlich bitten wir Ärztinnen und Ärzte darum, Ozempic und Wegovy ausschließlich indikationsgemäß zu verordnen: Ozempic bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Wegovy zur Behandlung von Adipositas.“ Da beide Wirkstoffe auf Semaglutid basieren, aber in unterschiedlichen Dosierungen vorliegen (1,0 mg bei Ozempic und 2,4 mg bei Wegovy), will das Unternehmen so die Versorgungssicherheit gewährleisten.
Die steigende Nachfrage stellt derweil zunehmend auch Praxen vor Herausforderungen. Denn viele Menschen leiden unter ihrem Übergewicht und erhoffen sich eine unkomplizierte Lösung. Allerdings: Ärzte dürfen zulasten der GKV nur indikationsgerecht verordnen. Das bedeutet: Ozempic kann laut Fachinformation nur bei Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes verordnet werden – ergänzend zu Diät und Bewegung. Es kann entweder als Monotherapie eingesetzt werden, wenn Metformin aufgrund von Unverträglichkeiten oder Kontraindikation nicht infrage kommt, oder in Kombination mit anderen Diabetesmedikamenten.
Die KV Nordrhein erklärt dazu: „Eine Verordnung von Ozempic zur Gewichtsabnahme stellt einen Off-Label-Use dar und ist keine GKV-Leistung. Für mögliche Schäden aufgrund von Nebenwirkungen haftet der Hersteller in diesen Fällen nicht. Das wirkstoffgleiche Arzneimittel Wegovy ist für Adipositas zugelassen, aber keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse – die Kosten trägt der Patient selbst.“
- SIMONA MEIER
eRezept empfohlen: Schutz vor Rezeptbetrug
Mit steigender Nachfrage nehmen auch die Rezeptfälschungen zu. Die KV Nordrhein rät darum zum konsequenten Einsatz von eRezepten (mehr zum Thema auf Seite 35). Neben der Gewichtsreduktion könnten Semaglutid-Präparate künftig auch bei weiteren Krankheitsbildern helfen. Klinische Studien untersuchen derzeit potenzielle positive Einflüsse von Semaglutid auf andere Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer, Fettleber und Nierenschäden. Bleibt abzuwarten, ob die neuen Anwendungsfelder mit der jetzt schon sehr hohen Nachfrage in Einklang zu bringen sein werden.