Psychotherapie Letzte Änderung: 10.02.2021 02:30 Uhr

NPPV-Projekt bis Ende 2021 verlängert

Mit dem Innovationsfondsprojekt „NPPV“ ist in der Region Nordrhein ein etabliertes und über die Landesgrenzen hinaus erfolgreiches Versorgungsnetzwerk entstanden. Eigentlich sollte das Projekt nun in die Evaluationsphase eintreten und bis Ende März beendet sein. Aufgrund der Corona-Pandemie erhält es aber eine neunmonatige Verlängerung bis Ende 2021.

© KV Nordrhein
Netzwerkpartner NPPV

Für die Projektpartner endete 2020 mit einer schönen Bestätigung für die erfolgreiche Arbeit in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren: Sie wurden mit dem Gesundheitspreis des Landes NRW ausgezeichnet. Seit 2017 setzt die KV Nordrhein das Versorgungsmodell „Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung (NPPV)“ zusammen mit der Managementgesellschaft IVPNetworks GmbH, der AOK Rheinland/Hamburg, dem BKK Landesverband Nordwest, mit über 700 Ärzten und Psychotherapeuten sowie vielen weiteren Unterstützern um.

Der bedeutsame Preis ist die Anerkennung für die bisherigen Umsetzungserfolge, die vor allem auf dem zentralen Netzwerk-Gedanken beruhen: Für eine verbesserte Versorgung schwer psychisch und neurologisch erkrankter Menschen werden vertrauensvoll zusammenarbeitende Netzwerkstrukturen etabliert, in denen ein fester Bezugsarzt oder -therapeut für die Betroffenen eine koordinierte und intensivierte Komplexversorgung sicherstellt und auf weitere Angebote im Netzwerk zugreifen kann.

Über 12.000 Patienten versorgt

Bereits über 12.000 der anvisierten 14.000 Patienten (Stand: Dezember 2020) wurden inzwischen in die innovative Versorgungsform eingesteuert. Neben der intensiveren Akutversorgung profitieren sie insbesondere von den niederschwelligen Gruppenangeboten zum Beispiel zur Psychoedukation, Neuroedukation und Angehörigenberatung, die mittlerweile flächendeckend zur Verfügung stehen und praxisübergreifend koordiniert werden. Der aktuelle Qualitätsbericht, der auf der Projektwebsite ↗ nppv-nordrhein.de zum Download bereitsteht, liefert eine ausführliche Übersicht über die bisherigen Erfahrungen und Zwischenergebnisse.

Videoangebote in der Pandemie

Die Corona-Pandemie stellt auch das NPPV-Projekt vor einige Herausforderungen. Viele Patienten blieben den Praxen fern. Schulungen durch das Netzwerkmanagement und Qualitätszirkel konnten nicht wie gewohnt stattfinden. Die ohnehin schon vulnerable NPPV-Zielgruppe leidet besonders heftig unter den Kontakteinschränkungen und bedarf zudem dringend einer Behandlungskontinuität.

Deshalb wurde zu Beginn der Pandemie in enger Zusammenarbeit mit dem Förderer sowie den Kooperations- und Netzwerkpartnern umgehend ein Konzept entwickelt, das die telemedizinische Fortführung der Leistungen für alle Praxen ermöglicht. Insbesondere die wichtigen Bezugskontakte sowie die Krisensprechstunden können auch telefonisch oder per Videosprechstunde stattfinden. Das Case Management der zentralen Koordinationsstelle unterstützt die Praxen dabei, indem zum Beispiel Schulungen für Videosprechstunden angeboten werden. Dies wurde und wird zahlreich in Anspruch genommen. Ebenfalls ist der wichtige Austausch zwischen Fachgruppen in den Qualitätszirkeln sofort auf ein virtuelles Format umgestellt worden, das von den Netzwerkpartnern sehr gut angenommen wird.

Niederschwellige Gruppenangebote konnten unter Einhaltung der strengen Hygieneregeln weiter fortgeführt oder alternativ als Webinar fortgesetzt werden. Das seit Beginn des Projekts integrierte E-Mental-Health-Programm Novego erlangt mit Nutzungsquoten von über 70 Prozent eine zunehmende Bedeutung für Verordner und Patienten.

Offen für weitere Netzwerkpartner

284 Psychotherapeuten und 396 Fachärzte aus insgesamt 423 Praxen haben sich in regionalen Netzen organisiert und sich vertraglich dem Projekt angeschlossen. Viele weitere Partner wie Hausärzte, Kliniken, Selbsthilfekontaktstellen und andere relevante Akteure beteiligen sich an der Vernetzung. Durch die coronabedingte Verlängerung der Projektlaufzeit bis Ende 2021 ist die Teilnahme neuer Netzwerkpartner am NPPV-Projekt weiterhin möglich und ausdrücklich erwünscht.

Geplantes Ziel ist es, die strukturierte Versorgung innerhalb der Netzwerke auch über die Projektphase hinaus zu etablieren. Es wird bereits mit Hochdruck daran gearbeitet, hierfür Grundlagen zu schaffen – auch wenn für den Übergang in die Regelversorgung zunächst die Ergebnisse der Evaluation vorliegen müssen. Ein Baustein für die Weiterführung ist die neue Richtlinie für eine berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung von Menschen mit komplexem, psychiatrischen und psychotherapeutischen Handlungsbedarf. Für deren derzeitige Erarbeitung im Gemeinsamen Bundesausschuss konnte das NPPV-Projekt als Blaupause sicherlich einiges an Erkenntnis beitragen.

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme an der gestuften und koordinierten Versorgung von Menschen mit psychischen und neurologischen Erkrankungen haben, melden Sie sich gern bei der zentralen NPPV-Koordinationsstelle über die Projekthotline 040 607 72 22 77 oder per Mail an nppv@ivpnetworks.de. Weitere Informationen und Kontaktdaten der regionalen Netzwerkmanager finden Sie auf nppv-nordrhein.de

René Engelmann

 

KVNO aktuell 01+02 2021

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