KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.07.2025 00:00 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

Mehr Gruppentherapie wagen: gemeinsam stark

Die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung bietet die Vermittlung von Gruppenpsychotherapie an. Das erleichtert Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Organisation und verhilft Patientinnen und Patienten schneller zu Therapieplätzen.

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© Photographee | AdobeStock

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Traumata, Suchterkrankungen oder chronische Erschöpfungszustände betreffen heute viele Menschen. Oft dauert es lange, bis sie einen geeigneten Therapieplatz finden. Neben der klassischen Einzeltherapie kann die Gruppenpsychotherapie eine effektive Alternative sein. Sie bietet Betroffenen nicht nur eine therapeutische Begleitung in schwierigen Lebensphasen, sondern teilweise auch einen schnelleren Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung. Die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein unterstützt bei der Vermittlung von Terminen.

Offene Termine für Gruppentherapie an die TSS melden

In einem Modellprojekt wurde die Vermittlung von Gruppentherapie-Terminen getestet. Ziel war die Organisation von Gruppen und das daraus resultierende Versorgungsangebot: „Therapeutinnen und Therapeuten können der TSS Gruppenpsychotherapie-Termine melden und auch benennen, welche Patientinnen und Patienten zu ihrem Gruppentherapie-Angebot passen. Wir klären die betreffenden Patienten schon im Vorfeld über Gruppentherapie auf und stimmen ab, ob der Termin passt“, sagt Nini Preiss von der KV Nordrhein. Vermittelt wird dann eine Einzelsitzung mit der Therapeutin oder dem Therapeuten, in der abgeklärt wird, ob die Patientin oder der Patient wirklich für die Gruppe geeignet ist. „Das Modellprojekt war sehr erfolgreich und steht nun allen interessierten Praxen zur Verfügung“, sagt Nini Preiss.

Die TSS übernimmt Organisatorisches 

Die Terminservicestelle unterstützt neben den Patientinnen und Patienten auch ganz konkret die Behandlerinnen und Behandler. „Insbesondere die Abklärung, ob die Versicherten zum Zeitpunkt der Gruppentherapie zeitlich verfügbar sind, kann die Praxen sehr entlasten“, sagt Nini Preiss. Wenn es andere Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Gruppe gibt, wie den Ausschluss bestimmter Krankheitsbilder, Alterskohorten oder Ähnliches, können auch sie vorab durch die TSS abgefragt werden. Termine erhalten dann die Versicherten, die diesen Kriterien entsprechen. „Unser Team ist geschult, da wir festgestellt haben, dass besonders gute Kommunikationsfähigkeiten nötig sind, weil Versicherte Hemmungen und Ängste haben, sich in eine Gruppentherapie zu begeben. Das Ziel ist, diese im Gespräch abzubauen und den Versicherten die Vorteile einer Gruppentherapie zu vermitteln“, sagt Nini Preiss von der KV Nordrhein. „Durch die stetig steigende Nachfrage ist es essenziell für die TSS, dass uns von den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten genug Termine gemeldet werden. Deshalb ist es uns besonders wichtig, auch in diesem Bereich unsere Mitglieder bestmöglich zu unterstützen.“

Gruppentherapie entlastet Versorgung

In der Gruppentherapie kommen mehrere Patientinnen und Patienten regelmäßig unter professioneller Leitung zusammen, um über persönliche Themen zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam neue Wege im Umgang mit psychischen Belastungen zu entwickeln. Das Gefühl, nicht allein zu sein, sich verstanden zu fühlen und voneinander zu lernen, kann sehr heilsam wirken, neue Erfahrungen ermöglichen und die Selbstwahrnehmung positiv verändern. „Die Gruppentherapie ist eine effektive, wissenschaftlich anerkannte Methode, die psychische Heilungsprozesse unterstützt und eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Versorgungslage spielen kann, da hier mehr Versicherte bei gleichem zeitlichen Einsatz versorgt werden können“, sagt Nini Preiss von der KV Nordrhein.

Für die Versicherten gibt es neben der Wirksamkeit einen weiteren Vorteil: Oft sind die Wartezeiten auf einen Platz in der Gruppe kürzer als auf eine Einzeltherapie. 

Oft sind Hausärzte erste Anlaufstellen 

In Momenten, in denen psychische Beschwerden auftreten oder sich zuspitzen, wenden sich viele Betroffene zunächst an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt. Diese spielen eine wichtige Rolle als erste Anlaufstelle – sie erkennen seelische Belastungen häufig frühzeitig, führen erste Gespräche und beraten. „Auf der Suche nach einem viel gefragten Therapieplatz können sie auch die Gruppentherapie als eine sinnvolle Alternative zur Einzeltherapie vorstellen und in Erwägung ziehen“, sagt Nini Preiss.

In Kombination mit dem Angebot der Terminservicestelle sowie der frühzeitigen Einbindung von Hausärztinnen und Hausärzten eröffnet die Gruppentherapie vielen Betroffenen eine Perspektive auf zeitnahe, gut organisierte Hilfe – und damit einen wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zur Stabilisierung und Heilung.

  • Simona Meier