Letzte Änderung: 28.11.2025 00:00 Uhr

Mehr Entlastung, mehr Nachwuchs, mehr Digitalisierung

Die Vertreterversammlung der KV Nordrhein stellt die Weichen für 2026: Mit Reformen im Bereitschaftsdienst, gezielter Nachwuchsförderung und Digitalisierung stärkt die KVNO die ambulante Versorgung in Nordrhein.

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© Anne Orthen | KV Nordrhein

Gestalten, modernisieren, investieren: Dieser Dreiklang prägt nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, das zu Ende gehende KV-Jahr und setzt gleichzeitig den Schwerpunkt für 2026. In der letzten Sitzung des Jahres dankte Bergmann den Delegierten der Vertreterversammlung (VV) für ihren Einsatz: „Dieses Jahr hat uns gefordert und gezeigt, wie viel wir gemeinsam bewegen können.“ Während bundesweit noch über Reformen diskutiert werde, setze die KVNO längst konkrete Verbesserungen um – für Praxen und Patienten.

Ärztlicher Fahrdienst: Entlastung und Qualität im Fokus

Ein Meilenstein dabei ist die Neuausrichtung des ärztlichen Fahrdienstes ab Januar 2026. Das neue Konzept entlastet Niedergelassene, indem rund 500 Kooperationsärztinnen und -ärzte künftig die Hausbesuche im Notdienst übernehmen. Die Fahrbezirke werden neu zugeschnitten, digitale Prozesse sorgen für mehr Effizienz und Qualität. Das Modell startet im Raum Düsseldorf/Neuss, ab April 2026 wird es dann auf das ganze Rheinland ausgeweitet. Für viele bisher zum Dienst verpflichtete Ärzte bedeutet das: keine belastenden Notdienste mehr, keine Vertretungssuche – ein echter Fortschritt, der auch die Niederlassung attraktiver macht. Die VV lobte die Reform unisono als „großen Wurf“ und Beweis für die Handlungsfähigkeit der KVNO.

Notfallversorgung: Nordrhein als Vorbild

Auch der neue Referentenentwurf des BMG zur Notfallreform nimmt laut KVNO-Chef Bergmann positive Beispiele aus Nordrhein auf. Die geplante digitale Akutleitstelle 116 117 und deren Vernetzung mit der 112 greifen auf Erfahrungen hiesiger Modellprojekte zurück. Vorstand und VV forderten jedoch Nachbesserungen: Die Versorgungspfade müssten künftig für alle verbindlich sein. Ebenso dürfe die Finanzierung des Fahrdienstes nicht einseitig zulasten der Vertragsärzteschaft gehen. Entsprechend klar positionierte sich die VV in einem Antrag des Vorstands sowie der beiden VV-Vorsitzenden, Dr. med. Jens Wasserberg und Dr. med. Manfred Weisweiler.

Auch die bereits in Nordrhein etablierten Portalpraxen entsprechen den Vorgaben der im Gesetzentwurf geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ) und müssen auf dieser Basis weiterentwickelt werden. Zudem setzt sich die KVNO für mehr Spielraum bei der Arzneimittelversorgung im Notdienst ein – etwa durch Pilotprojekte mit Apotheken, damit Patientinnen und Patienten direkt nach dem Hausbesuch mit Medikamenten versorgt werden können.

Nachwuchs gewinnen: Startpraxis und Kampagne

Die Förderung des ärztlichen Nachwuchses bleibt ebenfalls ein zentrales Anliegen der KVNO. Mit Stipendien, Förderungen und einer neuen Kampagne mit dem Slogan „Deine Praxis. Dein Freiraum.“ wirbt sie gezielt für die Vorteile der Niederlassung: mehr Freiheit, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, keine Schichtpläne. Auch das Projekt „Startpraxis“ im Kreis Kleve nimmt Fahrt auf: Junge Ärztinnen und Ärzte können in einer modern ausgestatteten Praxis erste Erfahrungen sammeln und werden beim Einstieg in die Selbständigkeit begleitet. So entstehen neue Strukturen genau dort, wo der Bedarf wächst – ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum.

Digitalisierung: Werkzeugkasten für die Praxis von morgen

Digitale Lösungen erleichtern den Praxisalltag spürbar – deshalb investiert die KV Nordrhein gezielt in innovative Projekte. Im neuen Digitalportfolio bündelt die KVNO Initiativen wie „Praxis4future“ und die „Zukunftspraxis“ in Köln. Das digitale Antragsmanagement ist bereits zu über 90 Prozent umgesetzt – Anträge lassen sich bequem online stellen, die Bearbeitungszeit liegt im Schnitt bei nur sechs Tagen. Das digitale Bewerbungsmanagement für Vertragsarztsitze, die Verwaltung von Qualitätszirkeln und der Überblick über individuelle Fortbildungspunkte sorgen für mehr Übersicht und Effizienz im Praxisbetrieb.

Solide Finanzen, stabile Beiträge

Trotz steigender Kosten und Investitionen bleibt der Verwaltungskostensatz der KVNO stabil: Mitglieder zahlen weiterhin 2,8 Prozent ihres Honorarumsatzes bei IT-gestützter Abrechnung. Die VV genehmigte den Haushalt für 2026 und entlastete den Vorstand. Dr. med. Carsten König, stellvertretender KVNO-Vorsitzender, betonte: „Wir achten darauf, die Kosten für unsere Mitglieder so gering wie möglich zu halten, und entwickeln die Verwaltung effizient weiter.“      

  • Timo Krupp