Honorar Service KVNO aktuell Letzte Änderung: 04.11.2020 09:36 Uhr Lesezeit: 10 Minuten

Klausurtagung der Vertreterversammlung: Lehren aus der Pandemie

Zu wenig Schutzausrüstung, hohe finanzielle Belastungen, ein kaum durchschaubares Regelungschaos – im Rückblick auf den bisherigen Umgang mit der Corona-Pandemie fällt vieles auf, was man künftig besser machen kann. Was dafür notwendig ist, erörterten die Delegierten der KVNO-Vertreterversammlung in einer Klausurtagung.

© Malinka | KVNO
Rachenabstrich bei einer Patientin in einem Corona-Testzentrum.

Beinahe auf den Tag genau sieben Monate, nachdem im Kreis Heinsberg die ersten Corona-Fälle gemeldet wurden, trafen sich die Delegierten der KVNO-Vertreterversammlung (VV) zu einer Klausurtagung – um Rückschau zu halten, aber auch um sich darüber auszutauschen, wie mit der Corona-Pandemie und ähnlichen Ereignissen in der Zukunft umzugehen sein wird. Überschrieben war das Treffen, das als Hybridveranstaltung im Haus der Ärzteschaft und gleichzeitig als Videokonferenz stattfand, mit dem Titel „Lehren aus der Pandemie“.

„Wir haben in den vergangenen Monaten die Ereignisse fortwährend kritisch reflektiert, haben Reaktionen und Entscheidungen von Politik und Gesundheitssystem analysiert und daraus Maßnahmen abgeleitet“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, zu Beginn der Tagung. In die nachfolgende Diskussion flossen daher sowohl Erkenntnisse und Initiativen des KVNO-Vorstands und der Fachabteilungen der KV Nordrhein als auch Hinweise und Vorschläge ein, die zuvor in den Beratenden Fachausschüssen erarbeitet wurden. Delegierte und Vorstand beließen es aber nicht bei einem Zwischenfazit, sondern formulierten auch deutliche Forderungen für einen zukünftigen Einsatz der Vertragsärzte und -psychotherapeuten.

Niedergelassene stärker einbeziehen

Ergebnis der Klausurtagung war ein gemeinsames Positionspapier von VV und KVNO-Vorstand, das in der anschließenden Sitzung der Vertreterversammlung einstimmig verabschiedet wurde. „Die Vertragsärzteschaft ist die bedeutendste medizinische, flächendeckend vorhandene Ressource, die nicht durch Anweisung und zentrale Steuerung zu erschließen ist, sondern durch eine intensive Einbindung in die Organisationsstrukturen des Katastrophenschutzes“, heißt es in dem Papier. Die Niedergelassenen müssten daher als Bollwerk für die klinische Versorgung künftig frühzeitig in politische Planungen einbezogen werden. Ihre Expertise in Sachen Versorgung sollte auch stärker bei der Erstellung und Aktualisierung von Pandemieplänen und von kommunalen Krisenstäben genutzt werden. „Wir können Gesundheit besser als alle anderen“, betonte VV-Vorsitzender Bernd Zimmer.

Sicherheit für Praxen

Eine zentrale Lehre aus der Pandemie ist aus Sicht der VV-Delegierten, dass Ärzte und Praxispersonal in Zukunft wesentlich besser abgesichert werden müssen. Nach den Erfahrungen im Frühjahr müssten Staat und Selbstverwaltung künftig die Bereitstellung und Finanzierung ausreichender Mengen an Schutzmaterial garantieren. Praxen müssten außerdem für die besonderen pandemiebedingten Aufgaben und Investitionen (zum Beispiel zur Praxisausstattung und für technische Infrastruktur) sowie die Mehrarbeit adäquat und zusätzlich honoriert werden. Gefordert werden in dem Positionspapier auch eine automatische Schutzschirmregelung im Falle einer epidemischen Lage sowie ein fairer Lastenausgleich für Praxen, die zum Beispiel mit der Schwerpunktversorgung von COVID-Erkrankten andere Praxen entlasten.

Weniger Bürokratie

Deutliche Kritik äußerten die Vertreter der nordrheinischen Niedergelassenen an der zunehmenden Bürokratisierung im Zusammenhang mit der Corona-Teststrategie. Sie forderten ein reduziertes Formularwesen. Ein einheitliches Muster z. B. für die Laborüberweisung sei wünschenswert. Einfache, klare Regeln zum Testgeschehen steigerten außerdem die Chance auf Akzeptanz – auch bei den Bürgerinnen und Bürgern. Angesichts kostenloser Tests für Lehrer, Kita-Angestellte und Urlauber sei es an der Zeit, dass auch die Ärzte, Psychotherapeuten und das Praxisteam Anspruch auf regelmäßige kostenlose Tests erhalten. Schließlich ist dies die Berufsgruppe, die unter einem besonders hohen Risiko der Infektion arbeitet. Sonderregelungen, die sich in der Hochphase der Pandemie bewährt hätten, um Infizierte von Nichtinfizierten in der Praxis zu trennen, sollten wieder eingeführt werden: allen voran die Möglichkeit zur Beratung und Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Telefon.

Der Vorstand der KVNO kündigte in der Klausurtagung an, dass die bisherigen Lehren aus der Pandemie in einem „Pandemie-Handbuch“ aufbereitet werden, das allen KV-Mitgliedern zur Verfügung gestellt wird. Das Handbuch erscheint als Online-Ausgabe und wird regelmäßig an aktuelle Entwicklungen angepasst.

Den Wortlaut des gemeinsamen Positionspapiers von Vertreterversammlung und KVNO-Vorstand

  • Thomas Lillig

KVNO aktuell 11 (PDF, 4,5 MB)

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