KVNO aktuell Letzte Änderung: 01.09.2021 00:00 Uhr

Impfen 2.0: Deutschland packt den Booster aus

Die COVID-19-Impfkampagne startet in eine neue Phase. Ende September schließen die Impfzentren, das Impfgeschehen verlagert sich in die Praxen. Gleichzeitig haben die ersten Bürger Anspruch auf Auffrischungsimpfungen.

© KV Nordrhein

Die Gesundheitsministerkonferenz hatte sich am
2. August und ergänzend am 9. August dafür ausgesprochen, bestimmten Personengruppen ab September das Angebot einer COVID-Auffrischungsimpfung zu machen. Wer konkret Anspruch auf medizinisch notwendige Booster-Impfungen hat, regelt die Corona-Impfverordnung, deren Novelle noch im August in Kraft treten sollte, zum Redaktionsschluss von KVNO aktuell aber noch nicht vorlag.

 

Die Gesundheitsminister definierten folgende anspruchsberechtigte Personengruppen:

  • Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen
  • Immungeschwächte/Immunsupprimierte
  • Pflegebedürftige in eigener Häuslichkeit und Über-80-Jährige
  • alle, die eine erste Impfserie (Erst- und Zweitimpfung bzw. bei Genesenen einmalige Impfung) mit Vektorimpfstoff (Astrazeneca, Johnson & Johnson) bekommen haben

Voraussetzung für eine Anschlussimpfung ist, dass der Abschluss der Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt. Da das Risiko eines schweren Verlaufs auch in den vulnerablen Gruppen für Geimpfte bei Weitem nicht so hoch ist wie für Ungeimpfte zu Beginn der Impfkampagne, gibt es keinen zeitlichen Druck, bis wann die Drittimpfungen für diese Gruppe abgeschlossen sein sollen.

Wer impft?

Das NRW-Gesundheitsministerium hat in einem Erlass geregelt, dass die COVID-Auffrischungsimpfungen vorrangig durch niedergelassene Ärzte erfolgen sollen – idealerweise im Rahmen der ärztlichen Heimversorgung und ähnlich wie bei der Grippeschutz-Impfung durch die Einrichtungen und betreuenden Vertragsärzte gemeinsam vor Ort flexibel koordiniert. Auch das Personal darf mitgeimpft werden, sofern die Mitarbeiter in den Einrichtungen eine Booster-Impfung wünschen. Als Impfstoffe sind nur die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna vorgesehen. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, zu anderen planbaren Impfungen einen Mindestabstand von 14 Tagen vor und nach jeder COVID-19-Impfung einzuhalten, mit Ausnahme von Notfallimpfungen.

Bestellung und Vergütung

Arztpraxen brauchen für die Bestellung von COVID-19-Impfstoffen künftig nur noch ein Rezept auszustellen. Eine Trennung nach Erst- und Zweitimpfungen ist nicht mehr nötig. Auch für Auffrischungsimpfungen gibt es kein separates Rezept.

Am Bestellverfahren selbst hat sich nichts geändert: Praxen bestellen den benötigten Impfstoff wie gewohnt zwei Wochen im Voraus bei ihrer kooperierenden Apotheke – auch den Impfstoff zur Verimpfung in den Pflegeheimen. Auf dem Rezept ist lediglich die Anzahl der Dosen pro Impfstoff anzugeben, die konkret benötigt werden.

Vergütet werden die Booster-Impfungen analog zu den bisherigen COVID-Impfungen in der Arztpraxis bzw. bei Hausbesuchen. Vertragsärzte erhalten danach:

  • 20 Euro je Impfung
  • 35 Euro für den ersten Haus- bzw. Einrichtungsbesuch und 15 Euro je weiteren Mitbesuch
  • 10 Euro für die ausschließliche Impfberatung ohne Impfung

Wichtig für Haftungsfragen: Die Drittimpfung erfolgt nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums „nicht außerhalb der Zulassung“. Die arzneimittelrechtliche Gefährdungshaftung sowie eventuelle Versorgungsansprüche der Geimpften an den Staat im Fall von Impfschäden bleiben unberührt.

Aufklärung und Dokumentation

Das RKI hat neue Impf-Dokumente zur Aufklärung, Anamnese und Einwilligung erstellt, die auch die Auffrischung des Schutzes vor COVID-19 berücksichtigen. Gesetzlich erforderlich bleibt die tägliche Meldung der Impfungen im Rahmen des RKI-Impfquoten-Monitorings. Für die Abrechnung der Booster-Impfungen hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung spezifische Pseudoziffern festgelegt. Aktuelle Informationen zu den Rahmenbedingungen der Corona-Schutzimpfung halten wir kontinuierlich auf coronavirus.nrw für Sie bereit.

  • Thomas Lillig

 

Umfrage: Unterstützung bei Auffrischungs-impfungen in Einrichtungen für vulnerable Gruppen

Die Auffrischungsimpfungen in Pflegeeinrichtungen werden in der Regel durch kooperierende Vertragsärzte im Rahmen der üblichen Versorgung der Bewohner stattfinden. Neben Pflegeheimen mit festen kooperierenden Ärzten gibt es auch Einrichtungen, die bislang noch keinen Kooperationsvertrag nach § 119b SGB V abgeschlossen haben oder die einen anderweitigen besonderen Bedarf anmelden. Hierfür würden wir gern Vertragsärzte identifizieren, die aufsuchende Impfungen in solchen Einrichtungen durchführen können und möchten. Wir bitten Sie deshalb, sich an unserer Kurzumfrage zu beteiligen. Die Beantwortung der Fragen nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Sie helfen uns mit Ihren Angaben, die zur Verfügung stehenden Ressourcen zum Aufbau des Impfangebots in Einrichtungen für vulnerable Gruppen besser einschätzen und frühzeitig planen zu können. Ihre Angaben werden nicht veröffentlicht. Durch die Anmeldung entstehen für Sie keine Verpflichtungen.

Zur Umfrage auf eveeno.com

Pseudoziffern für COVID-19-Auffrischungsimpfungen

Pseudoziffer Leistung gemäß Coronavirus-Impfverordnung Vergütung
88331K Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Biontech/Pfizer (Comirnaty) – Auffrischimpfung (lndikation Pflegeheim) 20 Euro
88331R Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Biontech/Pfizer (Comirnaty) – Auffrischimpfung 20 Euro
88331X Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Biontech/Pfizer (Comirnaty) – Auffrischimpfung (berufliche lndikation) 20 Euro
88332K Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Moderna (COVID-l9-Vaccine-Moderna) – Auffrischimpfung (lndikation Pflegeheim) 20 Euro
88332R Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Moderna (COVID-l9-Vaccine-Moderna) – Auffrischimpfung 20 Euro
88332X Schutzimpfung Coronavirus SARS-CoV-2 – Moderna (COVID-l9-Vaccine-Moderna) – Auffrischimpfung (berufliche lndikation) 20 Euro

Hinweis: Die angegebenen Pseudoziffern gelten mit Vorbehalt. Die rechtlich verbindlichen Ziffern sind in der geänderten Coronavirus-Impfverordnung festgelegt, die zum Redaktionsschluss zwar angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht war.