KVNO aktuell Letzte Änderung: 27.04.2026 00:00 Uhr
Gut kalkuliert in die Niederlassung
Der Einstieg in die vertragsärztliche Versorgung ist für Medizinerinnen und Mediziner ein großer Schritt. Wirtschaftliche Aspekte spielen dabei eine bedeutende Rolle. Die neue BWL-Beratung der KV Nordrhein zeigt, worauf es ankommt.
Daiva De Paul ist eine erfahrene Ärztin. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Oberärztin in der Kinderkardiologie des Universitätsklinikums Bonn. „Ich habe ein super Einkommen, einen festen Vertrag und ein super Team. Eigentlich gibt es gar keinen Grund, in die Niederlassung zu wechseln“, sagt sie. Und trotzdem hat sie es gerade getan. Zum ersten April hat sie die Praxis eines Kinderkardiologen in Euskirchen übernommen.
Schon vor zehn Jahren hatte sie das Angebot, in eine Praxis zu wechseln. Da passte es aus familiären Gründen noch nicht. „Jetzt stand ich vor einer Grundsatzentscheidung: Entweder ich bleibe in der Klinik und widme mich stärker der Forschung oder ich mache etwas anderes.“ Da fügte es sich gut, dass Dr. med. Wolfgang Köhler gerade aus Altersgründen eine Praxisnachfolge suchte. Ein Glücksfall, sagt Daiva De Paul: „Ich habe eine Spezialisierung, die nicht weit verbreitet ist.“ Sie fuhr nach Euskirchen, lernte Praxis und Team kennen, sprach mit Kolleginnen und Kollegen – und die Entscheidung stand fest: „Ich gehe in die Niederlassung.“
Existenzielle Fragen - konkrete Antworten
Durch die Registrierung bei der KV Nordrhein wurde sie auf die vielfältigen Beratungsangebote aufmerksam. Das Beratungsteam legte ihr auch die neue BWL-Beratung für Praxiseinsteigerinnen und -einsteiger ans Herz. Das neue Angebot startete im Herbst 2025 mit einer Pilotgruppe angehender Vertragsärztinnen und -ärzte. Das Ziel: Niederlassungsinteressierte dabei zu unterstützen, die Wirtschaftlichkeit ihrer Planungen realistisch einzuschätzen.
Wie hoch ist das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis? Welches Honorar kann ich erwarten? Und was bleibt nach allen Abzügen zum Leben? Es sind Fragen wie diese, die oft am Anfang einer Niederlassungsentscheidung stehen. Um individuell und so konkret wie möglich Antworten geben zu können, hat ein Team der Niederlassungs- und Abrechnungsberatung ein Tool entwickelt, über das sich relativ genau abbilden lässt, wie sich eine mögliche Niederlassung im Einzelfall wirtschaftlich darstellt.
Flexibles Analysetool
Kern ist die sogenannte Einnahmen- und Ausgabenprognose (EAP). Bei Übernahme einer Praxis werden dafür die betriebswirtschaftlichen Daten des Abgebers oder Durchschnittswerte der Fachgruppe herangezogen. „Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass wir die Honorarzahlen nicht einfach eins zu eins vom Abgeber übernehmen, sondern auf Wunsch der Ärztin oder des Arztes simulieren und verändern, weil man vielleicht einen anderen Schwerpunkt setzen möchte“, betont Olga Lykova, Abrechnungsberaterin bei der KV Nordrhein.
In die Analyse fließen außerdem stets auch Angaben zu privaten Kosten, Sozialversicherungsbeiträgen, laufenden Krediten und vorhandenem Investitionskapital ein. Aus allen Daten leitet das BWL-Beratungsteam dann eine Prognose der momentanen und zukünftigen Zahlungsfähigkeit ab – Grundlage für die wirtschaftliche Stabilität einer Praxis. „Ein weiterer Vorteil: Die EAP kann auch als Nachweis der Kreditwürdigkeit gegenüber Banken dienen“, sagt Niederlassungsberater Alexander Konrad.
Die Pilotphase der neuen BWL-Beratung ging bis Ende März. Sieben Ärztinnen und Ärzte aus den Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Kinderheilkunde, Gynäkologie und Neurologie nahmen daran teil. Daiva De Paul war eine von ihnen: „Die Beratung hat meine Entscheidung zwar nicht herbeigeführt, aber sie hat mich zusätzlich darin bestärkt, dass ich das Richtige tue. Ich bin sehr optimistisch aus der Beratung rausgegangen.“ Seit April ist die BWL-Beratung als festes Beratungsangebot der KV Nordrhein von allen Niederlassungsinteressierten buchbar.