Praxisinformation Letzte Änderung: 25.05.2022 14:53 Uhr

Erste Fälle von Affenpocken in NRW – vorsorglich Impfdosen bestellt

Die Stadt Köln informierte gestern, dass sich die Infektion von drei Erwachsenen mit Affenpocken bestätigt hat.

© James Thew / AdobeStock

Deutschlandweit gibt es bisher zwölf bestätigte Fälle. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat den Bundesländern empfohlen, für Infizierte eine Isolation von mindestens 21 Tage anzuordnen. Die Absonderung soll erst beendet werden, wenn die Symptome ausgeheilt sind. Kontaktpersonen wird zudem „dringend empfohlen“ sich ebenfalls für 21 Tage zu isolieren. Laut RKI beträgt die Inkubationszeit fünf bis 21 Tage.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht gute Chancen, den Erreger mit einer „harten und frühen Reaktion“ zu stoppen. Man stehe nicht vor dem Beginn einer neuen Pandemie. Ausbrüche dieser Viruserkrankung habe es schon sehr häufig gegeben. Die Infektion sei durch effektive Kontaktnachverfolgung gut in den Griff zu bekommen. Es sei nun geboten, Ausbrüche früh einzudämmen.

Lauterbach mahnte jedoch, die Entwicklung ernst zu nehmen. Es sei noch unklar, warum die Ausbrüche international in diesem Falle anders verliefen als in der Vergangenheit. Ursächlich könnten eine Veränderung des Erregers oder die Anfälligkeit von Menschen sein. Besonders an den aktuellen Fällen von Affenpocken ist laut RKI zudem, dass die Betroffenen zuvor nicht – wie sonst bei früheren Erkrankungsfällen – in afrikanische Länder gereist waren, in denen das Virus endemisch ist, und dass viele Übertragungen offenbar im Rahmen von sexuellen Aktivitäten erfolgt sein könnten.

Bund bestellt 40.000 Impfdosen

Die Bundesregierung hat als Vorsichtsmaßnahme 40.000 Dosen eines Impfstoffs bestellt, der in den USA gegen Affenpocken zugelassen ist. Denkbar seien Lauterbach zufolge sogenannte Ringimpfungen – die Impfung von Kontaktpersonen um den Infizierten herum. Dadurch könne ein Ausbruch bei Ansteckung verhindert oder verzögert werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei Impfen jedoch noch keine Option. Entsprechend steht für Arztpraxen auch noch kein Impfstoff gegen Affenpocken zur Verfügung. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht derzeit keine Notwendigkeit von Massenimpfungen. Hygiene- und Schutzmaßnahmen würden helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Laut RKI sind Personen, die in den Siebzigern und in der DDR noch in den achtziger Jahren gegen echte Pocken (Variola) geimpft wurden, aufgrund der Ähnlichkeit der Viren auch vor Affenpocken geschützt.

Krankheit in der Regel selbstlimitierend

Affenpocken werden ausgelöst durch das Affenpockenvirus Orthopoxvirus simiae (auch Monkeypox virus, MPXV) aus der Gattung Orthopoxvirus. Das Virus ist laut RKI verwandt mit den klassischen humanen Pockenviren (Variola, Smallpox) und den ebenfalls als Zoonose bekannten Kuhpockenviren. Im Gegensatz zu den seit 1980 ausgerotteten Menschenpocken (Variola) verlaufen Affenpocken laut RKI in der Regel deutlich milder; die meisten Menschen erholen sich innerhalb von mehreren Wochen. Insgesamt ist die Prognose daher als günstig zu bewerten, allerdings können bei einigen Betroffenen auch schwere Verläufe auftreten. Erste Symptome der Krankheit sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich Hautveränderungen, die simultan die Stadien vom Fleck bis zur Pustel (Macula, Papula, Vesikula und Pustula) durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen.

Der Ausschlag konzentriert sich in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen. Die Haut- und Schleimhautveränderungen können auch auf dem Mund, den Genitalien und den Augen gefunden werden. Insbesondere bei einigen aktuell gemeldeten Fällen wurde auch ein Beginn der Effloreszenzen im Urogenital- und Anal-Bereich berichtet. Die Symptome halten in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und verschwinden ohne Behandlung von selbst. Die Therapie ist in erster Linie symptomatisch und unterstützend, wichtig ist das Verhindern bakterieller Superinfektionen. Ein zur Behandlung von Orthopockenvirus-Infektionen entwickeltes Arzneimittel wurde im Januar in der EU auch zur Behandlung der Affenpocken zugelassen (Tecovirimat Siga). Das Arzneimittel ist noch nicht über den pharmazeutischen Großhandel zu beziehen. Zu den Komplikationen in endemischen Ländern gehören u.a. Hirnentzündung und bakterielle Hautinfektionen. Über Verläufe bei immungeschwächten Patienten liegen nur wenige Informationen vor.

Keine leichte Übertragbarkeit

Laut RKI ist nach derzeitigem Kenntnisstand für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich. Eine Infektion kann aber durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den typischen Hautveränderungen (z. B. Bläscheninhalt, Schorf der Affenpocken-Infizierten) erfolgen. Besonders hohe Viruskonzentrationen befinden sich in den typischen Pockenläsionen (Hautveränderungen). Eine Übertragung ist bereits bei Auftreten noch unspezifischer Symptome wie z. B. Fieber möglich. Auch über Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gegenstände wie Essgeschirr, die durch den Kontakt mit einer infizierten Person mit dem Virus kontaminiert wurden, können andere sich anstecken. Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben.

Virusnachweis mittels PCR

Das Affenpockenvirus gehört laut RKI in Deutschland zur Risikogruppe 3, d. h. der Umgang mit dem vermehrungsfähigen Virus ist nur in Laboren ab der Biologischen Schutzstufe 3 möglich. Der Virusnachweis erfolgt aus nässenden Hautveränderungen, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt, Krusten oder auch Abstrichen von Hautveränderungen und weiterem Probenmaterial während der akuten Krankheitsphase mittels PCR-Test.

Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigem Wissen als gering ein. Die Situation werde weiter sehr genau beobachtet und die Einschätzung der Experten dem aktuellen Kenntnisstand angepasst.

Umfassende Informationen zu Affenpocken, u. a. zu Vorkommen, Infektionswegen und Diagnostik, hat das RKI in seinen FAQ (www.rki.de/affenpocken-faq) zusammengefasst: