KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.02.2026 10:00 Uhr Lesezeit: 5 Minuten
Ein Tag im Jahr 2040
Wie der Praxisalltag in 14 Jahren genau aussehen wird? Das kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen. Fakt ist: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz machen in Zukunft vieles möglich. Begleiten Sie uns bei einem Gedankenexperiment – ins Jahr 2040 und in die Praxis von Dr. Miriam Mayer.
Stellen wir uns jetzt vor: Es ist der 25. Juni 2040. Martin Berger, 52, ist Diabetiker und hat heute einen Kontrolltermin bei seiner Hausärztin. Seit Jahren trägt er einen biosensorischen Patch auf der Haut, der permanent seinen Blutzucker, Entzündungswerte und Stoffwechselparameter misst. Die Daten fließen verschlüsselt in seine elektronische Patientenakte – jederzeit für ihn einsehbar. Das Wearable hat längst die manuelle Blutzuckermessung abgelöst.
8:10 Uhr
Martin Berger betritt die Hausarztpraxis von Dr. Miriam Mayer. Die biometrische Gesichtserkennung am Eingang identifiziert ihn automatisch. Ein diskreter Sensor erfasst seine Ankunft, das Praxisverwaltungssystem aktualisiert sich in Echtzeit. Eine freundliche Stimme aus dem integrierten Assistenzsystem bittet ihn in den Wartebereich und informiert über die voraussichtliche Wartezeit von acht Minuten.
Der Wartebereich hat sich grundlegend gewandelt. Statt beengter Sitzreihen und abgegriffener Zeitschriften findet Martin eine lichtdurchflutete Zone mit ergonomischen Sitzmöbeln vor. Die Luftqualität wird kontinuierlich optimiert, beruhigende Naturbilder flimmern an den Wänden. Seine Smart Watch hat sich mit dem digitalen Assistenzsystem der Praxis verbunden. Auf dem Display sieht Martin seine aktuelle Position in der Warteschlange. Das virtuelle Wartezimmer ermöglicht es ihm, sich frei zu bewegen: Er hätte auch draußen spazieren gehen oder Besorgungen machen können, ohne seinen Platz zu verlieren.
8:16 Uhr
Die Blutabnahme
Bevor Martin ins Sprechzimmer gerufen wird, führt ihn das digitale Assistenzsystem in einen kleinen Diagnostikraum. Martin legt seinen Arm auf die gepolsterte Ablage eines schlanken Roboters. Das Gerät aktiviert seine Ultraschallsensoren und scannt die Armvene präzise. Binnen Sekunden hat das System die optimale Einstichstelle identifiziert. Die Nadel setzt an – sanft, präzise, schmerzarm. Das Blut fließt in die Analysekammer des Geräts.
Während Martin noch seinen Arm entspannt, arbeitet das integrierte Blutanalysegerät bereits auf Hochtouren. Innerhalb von drei Minuten liegen die Ergebnisse vor: Blutzucker, HbA1c-Wert, Entzündungsmarker, Nierenwerte. Die Daten werden automatisch in seine elektronische Patientenakte eingespeist und stehen Dr. Mayer für das anstehende Gespräch zur Verfügung.
8:21 Uhr
Im Sprechzimmer
Dr. Mayer empfängt Martin persönlich. Während sie ihn begrüßt, projiziert sich auf einer elektronischen Tafel ein dreidimensionales Abbild seiner Gesundheitsdaten der letzten Wochen. Der Vital-Daten-Monitor führt alle Parameter in einem übersichtlichen Dashboard zusammen: die frisch analysierten Blutwerte, Blutzuckerwerte der letzten Tage, Bewegungsmuster, Schlafqualität, Ernährungsdaten. Die Visualisierung hilft dabei, Trends und Ausreißer sofort zu erkennen.
Im Hintergrund arbeitet ein KI-gestütztes System mit Natural Language Processing. Es erfasst jedes Wort des Gesprächs, dokumentiert automatisch und verschriftlicht die Anamnese in Echtzeit. Dr. Mayer muss keine Notizen mehr machen, keine Formulare ausfüllen. Sie kann sich vollständig auf Martin konzentrieren – auf seine Mimik, seine Sorgen, seine Fragen.
Martins Werte haben sich stabilisiert. Der digitale Gesundheitsbegleiter – eine KI-Anwendung auf seinem Smartphone – hat in Abstimmung mit Dr. Mayers System seine Insulindosis in Echtzeit angepasst. Basierend auf Bewegungsdaten, Ernährungsprotokollen und Stresslevel.
8:35 Uhr
Nach der Sprechstunde
Beim Verlassen der Praxis erhält Martin eine Zusammenfassung des Termins auf sein Display. Diagnose, Therapieplan, nächste Schritte – alles verständlich aufbereitet. In vier Wochen steht der nächste Check-up an, automatisch terminiert.
Die Technik hat die Medizin nicht entmenschlicht – im Gegenteil. Sie hat Dr. Mayer Zeit geschenkt. Zeit für Gespräche, für Empathie, für das Wesentliche. Die Digitalisierung hat nicht den Arzt ersetzt, sondern ihn gestärkt. Natural Language Processing dokumentiert Gespräche automatisch, Robotik übernimmt Routineaufgaben wie Blutabnahmen, KI unterstützt bei Diagnosen.
Und Martin ist nicht mehr passiver Empfänger von Behandlung – er ist aktiver Gestalter seiner Gesundheit. Sein digitaler Begleiter zeigt ihm täglich, wie sich seine Entscheidungen auswirken: Welchen Einfluss hatte das gestrige Abendessen auf seinen Blutzucker? Wie verbesserte der Spaziergang seine Durchblutungswerte? Die Transparenz motiviert ihn, dranzubleiben.
- Thomas Lillig
Im Jahr 2040 werden Digitalisierung und KI Praxisalltag sein
Ob diese Vision im Jahr 2040 bereits vollständig Realität in den Praxen sein wird, wissen wir heute nicht. Sicher ist jedoch: Untersuchungen, Behandlungen und die Arzt-Patienten-Kontakte werden sich verändern – und das ist eine Chance.
Bereits heute können bestimmte Herausforderungen des Praxisalltags mithilfe der Digitalisierung besser bewältigt werden: das Wartezeitenmanagement, die Terminvergabe, die Übermittlung von Laborergebnissen, die Bereitstellung von Informationen für Mit- und Weiterbehandlerinnen und -behandler, neue Therapiemöglichkeiten. Die elektronische Patientenakte, digitale Gesundheitsanwendungen, Videosprechstunden und KI-gestützte Diagnosesysteme sind keine Zukunftsmusik mehr – sie sind bereits verfügbar und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
Wie Digitalisierung die ambulante Versorgung verändert und verbessert und welche Möglichkeiten sich bereits heute in der Versorgung bieten – das können Praxen und ihre Teams in der Praxis4future der KV Nordrhein live erleben.
Weitere Infos unter knvo.de/praxis4future