IT Telemedizin KVNO aktuell Letzte Änderung: 01.09.2021 00:00 Uhr Lesezeit: 4 Minuten

Medizinische Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI): Die eAU kommt – Muster 1 geht

Eigentlich war der Start der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) bereits zum 1. Januar 2021 geplant. Nun soll sie zum 1. Oktober verpflichtend eingeführt werden – und ersetzt damit das Muster 1. Für Praxen, die zu diesem Stichtag technisch noch nicht so weit sind, gibt es eine Übergangsregelung.

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Zum 1. Oktober wird das Muster 1 – die Papier-AU – abgelöst von ihrer elektronischen Nachfolgerin, der eAU. Für alle Vertragsarztpraxen bedeutet dies, dass sie bereits in wenigen Wochen verpflichtet sind, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung elektronisch über den Kommunikationsdienst KIM an die Krankenkassen zu übermitteln. In den letzten Wochen deutete sich jedoch an, dass dieser ehrgeizige Termin für viele Praxen nicht zu schaffen ist. Vor diesem Hintergrund haben die KBV und der GKV-Spitzenverband kurzfristig eine Übergangsregelung für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) vereinbart. Danach können Praxen bis Jahresende 2021 das alte Verfahren des Musters 1 („gelber Schein“) oder des analogen Ausdrucks der AU per Blankoformularbedruckung anwenden, wenn die zur eAU notwendigen technischen Voraussetzungen in den Praxen noch nicht zur Verfügung stehen.

Vertragsärzte sollten sich aber trotz Übergangsregelung zügig auf die Umstellung vorbereiten und unter anderem unbedingt einen KIM-Dienst bestellen, denn ab 1. Januar 2022 ist die Übermittlung von Krankschreibungen nur noch auf digitalem Weg an die Krankenkassen möglich und zulässig. Praxen, die dann dazu noch nicht in der Lage sind, müssen unter Umständen mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.Was Praxen sonst noch beachten sollten und wie sie sich auf den Start der eAU vorbereiten können, fassen wir im folgenden Überblick zusammen.

Was ändert sich mit der Einführung der eAU?

Mit der Einführung der elektronischen Form der AU sind alle Praxen, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen, verpflichtet, die AU-Daten aus ihrem Praxisverwaltungssystem (PVS) digital an die Krankenkassen zu übermitteln. Hierfür sind insbesondere diverse technische Voraussetzungen erforderlich. Gleichzeitig entfällt das bisher für die AU genutzte Muster 1. Auch die Blankoformularbedruckung ist nicht mehr möglich. Patienten erhalten für ihre eigenen Unterlagen sowie für den Arbeitgeber übergangsweise zwei vereinfachte Formulare ausgedruckt, die vom Arzt unterschrieben werden. Das Exemplar für den Arbeitgeber wird nach wie vor vom Patienten weitergeleitet. Ab dem 1. Juli 2022 soll sich auch das ändern: Die Weiterleitung an die Arbeitgeber erfolgt dann elektronisch über die Krankenkassen.

Was ist in den Praxen zu tun?

Damit die Praxen spätestens ab Januar 2022 weiterhin Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen können, benötigen sie insbesondere die erforderliche Technik:

  • Neben der Anbindung an die TI ist als Grundvoraussetzung ein Upgrade des Konnektors notwendig: Mindestens das PTV3 Upgrade, empfehlenswert ist das PTV-4-Upgrade, damit die Komfortsignatur genutzt werden kann.
  • Die digitale Übermittlung der Daten ist ausschließlich über KIM möglich. Notwendig sind daher zwingend KIM als Anwendung sowie entsprechende Zugangsdaten und eine KIM-E-Mailadresse. Hierfür muss ein Vertrag mit einem KIM-Anbieter geschlossen werden.
  • Da die eAU elektronisch unterschrieben werden muss, wird darüber hinaus zwingend der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) der Generation 2 benötigt. Mithilfe des eHBA wird die sogenannte qualifizierte elektronische Signatur erzeugt.
  • Das PVS muss über ein eAU-Modul verfügen.
  • Zum Ausdruck der Formulare ist ein Drucker notwendig. Aktuell werden keine besonderen Vorgaben zur Druckqualität gemacht. Welcher Drucker genutzt wird, bestimmen die Praxen selbst.
  • Nicht zwingend erforderlich, aber gegebenenfalls hilfreich sind zusätzliche Kartenterminals in den Behandlungsräumen.

Wie funktioniert die Erstellung der eAU?

  • Praxen rufen im Praxisverwaltungssystem das eAU-Formular auf und geben alle notwendigen Daten wie bisher ein.
  • Ärztinnen und Ärzte signieren dann das Formular mit ihrem eHBA. Dafür muss der eHBA in einem Kartenlesegerät stecken und die persönliche PIN muss eingegeben werden. Damit dieser Schritt nicht bei jeder Erstellung der eAU durchgeführt werden muss, kann die Stapelsignatur oder alternativ die Komfortsignatur genutzt werden.
  • Anschließend wird „Drucken und Versenden“ ausgewählt. Vom System kommt nochmals die Aufforderung, den Versand zu bestätigen.
  • Das PVS übermittelt dann die signierte eAU verschlüsselt per KIM an die Krankenkasse des Patienten. Die korrekte Krankenkasse muss nicht manuell ausgewählt werden, sondern wird automatisch vom System zugeordnet.
  • Zum Schluss werden die beiden Exemplare für Patient und Arbeitgeber auf dem vereinfachten Formular ausgedruckt (nicht Muster 1), unterschrieben und dem Patienten ausgehändigt.

Was sind Stapel- und Komfortsignatur?

Beide Varianten ermöglichen einen Ablauf, bei dem nicht bei jeder einzelnen eAU separat die PIN im Kartenlesegerät eingegeben werden muss.

Bei der Stapelsignatur werden die eAU beispielsweise über den ganzen Tag gesammelt und können dann abends mit einer einmaligen PIN-Eingabe an die Krankenkassen übermitteln werden. Maximal können so 250 Dokumente gesammelt und auf einem Schlag signiert werden.

Bei der Komfortsignatur erfolgt die PIN-Eingabe einmalig im Vorfeld, beispielsweise am Morgen. Anschließend können ebenfalls bis zu 250 Dokumente ohne PIN-Eingabe signiert und im Gegensatz zur Stapelsignatur sofort versendet werden. Diese Art der Signatur eignet sich vor allem für Dokumente, die unmittelbar versendet werden müssen, und wird spätestens mit der Einführung des elektronischen Rezeptes interessant. Die Komfortsignatur ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht flächendeckend verfügbar.

Was passiert bei technischen Problemen?

Wenn nach erfolgter Umstellung auf die eAU aufgrund technischer Probleme die digitale Übermittlung nicht funktioniert, kann diese zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, sobald die Probleme behoben sind. Sollte der digitale Versand bis zum Ende des nächsten Werktages auch nicht möglich sein, muss die Praxis eine Papierversion (vereinfachtes Formular) an die Krankenkassen versenden. Die Erstellung des Muster 1 ist dann nicht mehr möglich.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Finanziert wird die Einrichtung und Nutzung von KIM. Für die Einrichtung von KIM wird eine einmalige Pauschale von 100 Euro gewährt. Zusätzlich gibt es eine Betriebskostenpauschale von 23,40 Euro pro Quartal. Für die Umsetzung der eAU erhalten Praxen keine Pauschalen und Erstattungen.

Wo informieren?

Antworten auf einige häufig gestellte Fragen rund um die Einführung der eAU.
Weitere Informationen sowie Praxisbeispiele und Erklärvideos stellt die KV Nordrhein im Internet bereit unter onlinerollout.de.

  • Claudia Pintaric