Kodierung KVNO aktuell Letzte Änderung: 06.12.2021 00:00 Uhr

Diagnosen leichter verschlüsseln

Praxen bekommen ab Januar 2022 einen digitalen Helfer, der sie beim Verschlüsseln von Diagnosen unterstützen soll. Er wird in das Praxisverwaltungssystem (PVS) eingebunden und steht Ärzten und Psychotherapeuten direkt beim Kodieren zur Verfügung. Die neue Anwendung im Überblick.

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Um den passgenauen Kode im PVS zu finden, hilft künftig der Kodier-Check.

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz hat die KBV den Auftrag erhalten, verbindliche Vorgaben zum Kodieren zu erstellen und zum 1. Januar 2022 einzuführen. Das birgt weder zusätzliche Bürokratie noch neue Regeln oder Vorgaben. Basis ist und bleibt die ICD-10-GM. Ziel ist es, das Kodieren zu erleichtern.

Warum kodieren wichtig ist

Alle Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind seit dem Jahr 2000 gesetzlich verpflichtet, jede Behandlungsdiagnose so genau wie möglich zu kodieren, zum Beispiel auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Abrechnungsunterlagen. Die Kodierung erfolgt nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, ICD-10-GM.

Die exakte Verschlüsselung der Behandlungsdiagnosen ist wichtig, um die Morbidität in Deutschland möglichst genau bestimmen zu können. Sie ist ein entscheidendes Kriterium dafür, wie viel Geld die gesetzlichen Krankenkassen für die ambulante medizinische Versorgung zur Verfügung stellen müssen. Hierbei spielen gesicherte Diagnosen (als Kode mit G gekennzeichnet) eine entscheidende Rolle.

Aber nicht nur für den Honorartopf der Ärzte und Psychotherapeuten ist die Kodierung wichtig: Auch für die Krankenkassen spielen die kodierten Behandlungsdiagnosen eine Rolle, da sich nach der Morbidität ihrer Versicherten die finanziellen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds bemessen.

Passgenaue Diagnoseschlüssel

Eine im PVS integrierte Kodesuche oder automatisch angezeigte Hinweise zum Kodieren stehen Ärzten und Psychotherapeuten bereits zur Verfügung. Wird das Krankheitsbild aber komplexer, kann sich die Suche nach einem passgenauen Diagnoseschlüssel mitunter schwierig gestalten. In diesen Fällen kommt künftig die neue Kodierunterstützung zum Einsatz, die bestehende und neue Funktionen rund um die Verschlüsselung von Diagnosen kombiniert. Die Regelungen der ICD-10-GM werden transparenter und leichter anwendbar. Neu ist der Kodier-Check zur Plausibilisierung gewählter Kodes, der zunächst bei vier Diagnosebereichen im Hintergrund läuft.

So funktioniert der Kodier-Check

Der neue Kodier-Check startet für vier Diagnosebereiche mit hohen Fallzahlen und einer komplexen Kodierung:

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Diabetes mellitus
  • Folgen eines Bluthochdrucks

Geben Praxen einen Kode aus diesen Diagnosebereichen an, beginnt ein Kodier-Regelwerk im Hintergrund mit der Prüfung. Bei Unstimmigkeiten meldet sich der Kodier-Check und gibt beispielsweise den Hinweis, dass ein spezifischerer ICD-10-GM-Kode vorhanden ist, und bietet diesen direkt zur Auswahl an. Mit nur einem Klick kann der Anwender den Kode übernehmen oder ablehnen. Soll der Hinweis bei diesem Fall im selben Quartal nicht noch einmal angezeigt werden, kann er deaktiviert werden. Die Entscheidungshoheit liegt beim Arzt.

Testabrechnung

Was ist im Zusammenhang mit der Kodierhilfe mit einer Testabrechnung gemeint? Dabei geht es um einen Prüflauf auf Software-Ebene, der im Vorfeld bei der Erstellung einer Abrechnungsdatei durchgeführt wird. Die Software ist so voreingestellt, dass der Kodier-Check direkt bei der Kodierung läuft. Wer das nicht möchte, kann die Einstellung so anpassen, dass die Überprüfung erst bei der (Test-)Abrechnung erfolgt. Das Nachschlagen in Büchern und Suchen im Internet, was gerade bei komplexen Kodierungen mitunter nötig ist, entfällt. Die zusätzliche Option, eine Testabrechnung an die KVNO zu senden, besteht weiterhin. In diesen Protokollen werden Ihnen Fehler und Auffälligkeiten fallbezogen angezeigt, sodass diese vor der Übersendung der Echtabrechnung bearbeitet werden können.

Beispiel einer Kodierunterstützung

Sie haben bei einem Patienten folgende ICD-10 angesetzt:

I21.2 Z Akuter transmuraler Myokardinfarkt (Zustand nach);
für die Abbildung eines Zustandes nach akutem Myokardinfarkt sieht die ICD-10 einen spezifischen gesicherten Kode vor. An diesem Punkt unterstützt die Software. Sofern zutreffend, ersetzen Sie bitte den Kode durch einen der folgenden Kodes mit dem Zusatzkennzeichen „G“:

I25.20 (alter Myokardinfarkt, 29 Tage bis unter 4 Monate zurückliegend) G

I25.21 (alter Myokardinfarkt, 4 Monate bis unter 1 Jahr zurückliegend) G

I25.22 (alter Myokardinfarkt, 1 Jahr und länger zurückliegend) G

I25.29 (alter Myokardinfarkt, nicht näher bezeichnet) G

Mit einem Klick kann dies hinterlegt werden.

Dauerdiagnosen weiter möglich

Die Funktion, Behandlungsdiagnosen eines Quartals so zu kennzeichnen, dass sie auch in den Folgequartalen automatisch in die Abrechnungsunterlagen übernommen werden können, bleibt erhalten. Neu ist, dass diese Funktion künftig ebenfalls für anamnestische Diagnosen bereitsteht und in jeder Praxissoftware aktiviert ist. Einige Ärzte und Psychotherapeuten werden somit ab Januar 2022 zum ersten Mal damit arbeiten können – die Nutzung bleibt aber freiwillig.

Bevor Praxen Dauerdiagnosen oder anamnestische Diagnosen in die Abrechnung übernehmen, sollte eine Prüfung erfolgen, ob diese in dem Quartal für die Behandlung relevant waren. Die Auswahl und Übernahme ist weiterhin mittels weniger Klicks im PVS möglich. Der Diabetes mellitus eines Patienten ist beispielsweise regelhaft Anlass zur Behandlung und wäre eine klassische Dauerdiagnose. Eine Penizillin-Allergie hat ein Patient ebenfalls dauerhaft, sie führt aber nur sporadisch zu einem Behandlungsaufwand. Für die ärztliche Entscheidung ist sie etwa bei der Verordnung eines Antibiotikums wichtig und daher als anamnestische Diagnose zu kennzeichnen.

Vorteile der Kodierunterstützung

  • Ausschließlich digital
  • Keine dicken Bücher
  • Keine neuen Regeln
  • Direkte Einbindung ins PVS - steht immer zur Verfügung, wenn Ärzte und Psychotherapeuten sie brauchen, zum Beispiel bei der Abrechnung;

Bausteine der Kodierunterstützung

  • Kodesuche und Spezifizierung
  • Freitextsuche nach Kodes der ICD-10-GM
  • Suche kann fachgruppenspezifisch durch die Einbindung der Facharzt- und Hausarztthesauren des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung angepasst werden. Diese werden von den PVS unterschiedlich komfortabel umgesetzt.
  • Benutzungshinweise
  • Hinweise aus der ICD-10-GM, zum Beispiel Abrechenbarkeit eines Diagnosekodes und Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz
  • freiwillige Nutzung zu einem beliebigen Zeitpunkt

Bei Fragen zur Umsetzung hilft das Systemhaus, das möglicherweise weiterführende Informationen oder digitale Erklärungen bereitstellt.

 

  • Michael Schilf