Arzneimittel Verordnung KVNO aktuell Letzte Änderung: 11.02.2022 00:00 Uhr Lesezeit: 1 Minuten

Bei Gabapentin und Pregabalin auf Missbrauch achten

Gabapentin und Pregabalin sind neben trizyklischen Antidepressiva die Mittel der ersten Wahl in der Behandlung neuropathischer Schmerzen.

Andere Antiepileptika sollten in der Schmerztherapie nur in Ausnahmefällen verordnet werden. Obwohl Gabapentin und Pregabalin somit unverzichtbarer Bestandteil einer leitlinienbasierten Therapie sind, sollte bei ihrer Verordnung gleichwohl auf das Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial der Wirkstoffe geachtet werden. Hiervon scheinen vor allem Patienten mit komorbider Substanzabhängigkeit (insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Opioiden) betroffen zu sein. Bei suchtkranken Menschen sollte die Anwendung von Gabapentinoiden vermieden werden (Köberle U. et al., Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin, AVP 03-2020).

Pregabalin (Lyrica, diverse Generika) und Gabapentin (Neurontin, diverse Generika) sind zugelassen zur Behandlung von Epilepsie und peripheren neuropathischen Schmerzen, wie sie bei diabetischer Neuropathie und postherpetischer Neuralgie auftreten können. Ein weiteres Behandlungsfeld sind generalisierte Angststörungen (nur Pregabalin). Die Tageshöchstdosis für Gabapentin und Pregabalin liegt bei 3.600 respektive 600 mg. Die Wirkstoffe haben eine hohe orale Bioverfügbarkeit (60 respektive 90 Prozent) und binden an spannungsabhängige Kalziumkanäle. Beide Wirkstoffe können missbraucht werden, um die euphorisierende Wirkung von Opioiden zu verstärken und die Entzugssymptome abzuschwächen.

Bereits 2011 und erneut 2020 hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft auf das Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin hingewiesen. In der Folge wurden auch entsprechende Warnhinweise in die Fachinformation aufgenommen. In einer aktuellen Übersichtsarbeit im British Medical Journal werden Nutzen und Nebenwirkungen der Mittel bei peripheren neuropathischen Schmerzen dargestellt (Mathieson S. et al., Pregabalin and Gabapentin for Pain, BMJ 04-2020 (doi: 10.1136/bmj.m1315)). 30 bis 40 von 100 Patienten haben eine mindestens fünfzigprozentige Schmerzreduktion, wenn sie Pregabalin (600 mg) oder Gabapentin (1200 mg) über mindestens acht Wochen täglich einnehmen. Dem stehen Nebenwirkungen bei über 60 Prozent der Patienten gegenüber, wobei Benommenheit, Schläfrigkeit und unsicherer Gang mit 14 bis 19 Prozent am häufigsten sind. Bei circa jedem einhundertsten Patienten wird Missbrauch angenommen. Alternativen in der Indikation können trizyklische Antidepressiva oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sein.

In Nordrhein erhalten über 120.000 Patienten mindestens eine Pregabalin-Verordnung pro Jahr (2020); von diesen haben 780 Patienten mehr als 750 DDD (1 DDD = 300 mg) bekommen. Besonders bei unbekannten Patienten (etwa im Notdienst) sollten Pregabalin und Gabapentin zurückhaltend verordnet werden.               

  • HON

Kontakt

Arzneimittel

Sprechstundenbedarf

Hilfsmittel-Beratung

Grundsätze Wirtschaftlichkeit