Niederlassung KVNO aktuell Letzte Änderung: 01.09.2021 00:00 Uhr

Auswirkungen der Bedarfsplanungs-Richtlinie: Mehr Ärzte und Psychotherapeuten in Nordrhein nach Reform 2019

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) wurde Mitte 2019 auch die Bedarfsplanungs-Richtlinie (BPL-RL) umfassend angepasst. Durch die Senkung der Verhältniszahlen und die Einführung neuer Quoten sind zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten entstanden, die zwischenzeitlich weitgehend besetzt wurden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte am 16. Mai 2019 die unter anderem auf dem TSVG basierende Änderung der Bedarfsplanungs-Richtlinie beschlossen. Mit Beschluss des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen im Dezember 2019 wurden die neuen Vorgaben umgesetzt. Insgesamt 346 zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten in verschiedenen Arztgruppen wurden Anfang 2020 zur Bewerbung freigegeben, davon 62 Sitze aufgrund von Quotenregelungen (genaue Zahlen je Bedarfsplanungsarztgruppe siehe Tabellen rechts). Vor der Berücksichtigung neuer Bewerbungen konnten die Zulassungs- und Leistungsbeschränkungen vieler Jobsharer in den entsprechenden Arztgruppen aufgehoben werden.

 

 

Resümee nach zwei Jahren

Das Bild zeigt Nordrhein. Die einzelnen Planungsbereiche sind entsprechend ihres Versorgungsgrades farblich markiert.
© KV Nordrhein
Seit der Freigabe der zusätzlichen Sitze Ende 2019 nach der Reform der Bedarfsplanung gab es einen Zuwachs an besetzten Hausarztsitzen in den schraffierten Mittelbereichen. Bis Ende 2022 sind zusätzliche Niederlassungen voraussichtlich in den blau gefärbten Planungsbereichen sowie im Ruhrgebiet möglich, danach voraussichtlich in allen Mittelbereichen, die nicht grau gefärbt sind.

Alle Sitze für Psychotherapeuten sind inzwischen besetzt. Hier gab es deutlich mehr Bewerbungen als freie Sitze. Auch bei den Fachärzten wurden die freien Sitze inzwischen größtenteils besetzt. Für Arztgruppen, die von Öffnungen stark betroffen waren, haben sich noch nicht für alle Sitze Niederlassungsinteressenten gefunden etwa bei den Nervenärzten und in Einzelfällen bei den Kinder- und Jugendärzten. Insgesamt sind aber nur 11 der vor zwei Jahren hinzugekommenen Sitze heute noch nicht besetzt (Stand August 2021).

Innerhalb der neuen Quoten verbleiben teilweise noch viele freie Sitze. Insbesondere innerhalb der Quote für Psychosomatiker sind derzeit etwa 30 Sitze offen. Für die Arztgruppe der Nervenärzte zeichnet sich ab, dass nach der Vergabe der noch freien Sitze gegebenenfalls mehr Quotensitze für Psychiater verbleiben werden als für Neurologen. Dies wird heute schon im Planungsbereich Kreis Düren erkennbar.

Die neue Mindestquote bei den Fachinternisten bietet – außer im Raum Köln/Bonn – auch noch einzelne Niederlassungsmöglichkeiten für Rheumatologen. Die aktuelle Erfüllung der Maximalquoten bei den Fachinternisten zeigt die Tabelle auf Seite 34.

Die Zulassungsausschüsse sind verpflichtet, beim Antrag auf Zulassung oder Nachbesetzung auf die Einhaltung der Höchstquoten zu achten.

 

 

 

 

 

Zusätzliche freie Niederlassungsmöglichkeiten zum Stichtag 01.07.2019

Arztgruppen Freie Sitze
Hausärzte 92
Augenärzte 15
Chirurgen und Orthopäden 0,5
Frauenärzte 13
Hautärzte 3,5
HNO-Ärzte 0,5
Kinder- und Jugendärzte 36
Nervenärzte 52
Psychotherapeuten 65
Urologen 2
Fachinternisten 3,5
Neurochirurgen 0,5
Physikalische und Rehabilitationsmediziner 0,5
Summe Nordrhein (freie Sitze) 284

 

Mindestquoten Freie Sitze
Neurologen 5
Psychiater 1,5
Ärztl. Psychotherapeuten 19,5
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten 0,5
Psychosomatiker 29
Rheumatologen 6,5
Summe Nordrhein (Quotensitze) 62

Aktuelle Niederlassungsmöglichkeiten

Gemäß dem Beschluss des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen vom Juli 2021 sind aktuell insgesamt 194 Sitze in Nordrhein zur Bewerbung frei (ohne Quotensitze), davon 137 für Hausärzte. Der Beginn der Bewerbungsfrist war bei Redaktionsschluss für Ende August 2021 vorgesehen, sofern die Freigabe durch das Ministerium vorher erfolgt ist. Die konkreten Zahlen je Arztgruppe und Planungsbereich sowie das tatsächliche Zeitfenster für Bewerbungen finden Interessierte in den amtlichen Bekanntmachungen auf der Homepage.

Absenkung der Sperrgrenze

Zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Regelungen gab es im Bereich der KV Nordrhein bereits 255 freie Hausarztsitze. Die Richtlinienänderung hat zusätzliche 115 Hausarztsitze generiert. Die KVNO und die nordrheinischen Landesverbände der Krankenkassen haben die bestehende Option genutzt und beim Landesausschuss beantragt, diejenigen hausärztlichen Mittelbereiche, die aktuell vergleichsweise gut mit Hausärzten versorgt sind (Versorgungsgrade zwischen 100 und 110 Prozent), vorübergehend für weitere Niederlassungen zu sperren.

Die Bedarfsplanungs-Richtlinie eröffnet diese Möglichkeit für eine Übergangszeit von drei Jahren (§ 67 BPL-RL). Hierdurch soll zunächst die hausärztliche Versorgung in den Planungsbereichen mit den niedrigsten Versorgungsgraden verbessert werden, in denen dies am dringendsten erforderlich erscheint. Folglich wurden am 18. Dezember 2019 zunächst lediglich insgesamt 137 freie Hausarztsitze durch den Landesausschuss beschlossen. Diese Niederlassungsmöglichkeiten befanden sich überwiegend in den Mittelbereichen des Regionalverbandes Ruhr sowie in den ländlicheren Bereichen Nordrheins. Mit maßgeblicher Unterstützung aus Mitteln des Strukturfonds konnten viele dieser Sitze besetzt werden. Über den Strukturfonds gefördert wurden seit Anfang 2020 allein 29 zusätzliche Hausarztsitze in 16 Mittelbereichen. Weitere Details zur Entwicklung der hausärztlichen Versorgung in den vergangenen zwei Jahren sind dargestellt in der Karte auf Seite 33. Nach heutiger Einschätzung ist davon auszugehen, dass der Landesausschuss Ende 2022 wieder alle Hausarztsitze unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Sperrgrenze von 110 Prozent freigeben wird. Es wird damit gerechnet, dass nur circa elf von 94 Mittelbereichen dann noch gesperrt sein werden, etwa die Städte Aachen und Bad Honnef.

Fachinternisten - Maximalquote erreicht

Raumordnungsregion Kardiologen (33 %) Gastroenterologen (19 %) Pneumologen (18 %) Nephrologen (25 %)
Aachen nein ja nein nein
Bonn ja ja nein nein
Duisburg/Essen nein nein nein nein
Düsseldorf ja ja ja ja
Köln ja ja nein nein

Solange eine Maximalquote in einer Raumordnungsregion nicht erreicht ist (Angabe = nein), ist eine Niederlassung mit dem entsprechenden Schwerpunkt für Fachinternisten möglich.

  • Monika Stender