Service KVNO aktuell Letzte Änderung: 17.02.2026 10:00 Uhr Lesezeit: 2 Minuten
Interview: 2026 wird ein Jahr der Innovation
Die KV Nordrhein setzt konsequent auf Digitalisierung und Innovation – von Künstlicher Intelligenz über moderne Praxiskonzepte bis hin zu neuen Lernformaten. Im Interview sprechen Geschäftsführerin Nina Hammes und Geschäftsführer Dr. Stefan Böcking über die Projekte 2026 und ihre Vision für die ambulante Versorgung.
Frau Hammes, Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Was meinen Sie: Welche Rolle wird KI künftig in der Praxis spielen?
Nina Hammes: Künstliche Intelligenz wird zum selbstverständlichen Werkzeug – ähnlich wie heute das Praxisverwaltungssystem. Sie kann Praxen in vielen Bereichen entlasten: von der automatischen Dokumentation über Patientenkommunikation bis hin zur Unterstützung bei Diagnostik und Abrechnung. Die ärztliche Entscheidung wird sie aber nie ersetzen können.
Wie schnell wird das gehen?
Hammes: Digitalisierung und KI sind keine Selbstläufer. Sie kosten am Anfang Zeit – und ja, auch Nerven. Wir wissen natürlich, dass viele Praxen aktuell am Limit arbeiten. Volle Wartezimmer, Personalmangel, immer neue Anforderungen, die Telematikinfrastruktur läuft ebenfalls noch nicht überall rund. Da fällt es schwer, sich die neuen Möglichkeiten durch KI vorzustellen. Gleichzeitig schreitet die technische Entwicklung aber rasant voran – und bietet eindeutig auch Chancen für Praxen. Bei diesem Übergang wollen wir unsere Mitglieder eng begleiten.
Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?
Hammes: Wir bieten unseren Mitgliedern umfassende Beratung zur Praxisdigitalisierung. Mit unserem Showroom Praxis4future in Köln und Düsseldorf können Praxisteams zum Beispiel digitale Lösungen bereits heute praxisnah kennenlernen und im Kontext ihres eigenen Alltags diskutieren. In Köln planen wir ergänzend eine interaktive KI-Sonderausstellung, in der Praxisteams spezielle KI-gestützte Anwendungen aktiv ausprobieren können. Unser Ziel ist es, diese Vielfalt strukturiert und verständlich zu unseren Mitgliedern zu bringen. Wir haben dabei nicht nur Neugründungen im Blick, sondern ganz bewusst auch die Praxen, die seit vielen Jahren die Versorgung in Nordrhein sichern.
Die KVNO hatte bereits im November 2025 zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine KI-Roadshow veranstaltet. Worum ging es da?
Hammes: Wir wollten Orientierung geben. Viele Praxen fragen sich: Welche KI-Anwendungen gibt es? Was ist rechtlich erlaubt? Wie funktioniert die Zertifizierung? In der Veranstaltung haben wir konkrete Einsatzszenarien gezeigt – von Spracherkennung über Mustererkennung in der Diagnostik bis hin zur Unterstützung im Praxismanagement. Das Feedback war durchweg positiv, deshalb planen wir weitere Formate.
Herr Dr. Böcking, die KVNO geht bereits seit einiger Zeit voran bei der Digitalisierung von Prozessen, im Service und in der Kommunikation mit den Mitgliedern. Was ist hier in diesem Jahr geplant?
Dr. Stefan Böcking: Wir bauen unsere digitalen Services konsequent aus. Zu den Neuheiten zählt der KV Campus – unser neues Lernmanagementsystem mit zeit- und ortsunabhängigen Lernangeboten für Mitglieder, Niederlassungsinteressierte und Praxisabgeberinnen und -abgeber. Die Inhalte ergänzen unsere individuellen Beratungen sinnvoll und sind alle kostenlos.
Was genau können Mitglieder auf dem KV Campus lernen?
Dr. Böcking: Wir begleiten auf dem Weg in die eigene Praxis, unterstützen bei der Praxisabgabe und bieten Orientierung zur Abrechnung medizinischer Leistungen. Darüber hinaus greifen wir weitere Themen aus unserem etablierten Beratungsangebot auf. Wir bereiten die Inhalte didaktisch auf – mit Videos, interaktiven Modulen und Praxisbeispielen –, on demand, damit die Nutzer sie abrufen können, wann und wie es für sie am besten passt.
Eine weitere Neuentwicklung ist die KV Nordrhein App. Was hat es damit auf sich?
Dr. Böcking: Die App vereinfacht Praxisabläufe erheblich. Eine erste Funktion ermöglicht es, Patientinnen und Patienten digital und papierlos in Versorgungsverträge einzuschreiben – direkt in der Praxis und mit wenigen Schritten. Die Teilnahmeerklärung wird automatisch per KIM übertragen. Das spart Zeit und Ressourcen. Die App wird sukzessive ausgebaut, weitere Funktionen sind bereits in Vorbereitung. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Digitalisierung den Praxisalltag konkret erleichtert.
Ein wichtiges Thema ist auch das Digitale Antragsmanagement ...
Dr. Böcking: Ja, das Digitale Antragsmanagement ist ein zentraler Baustein unserer Digitalisierungsstrategie. Wir digitalisieren Antragsprozesse, um sie für unsere Mitglieder schneller, einfacher und transparenter zu gestalten. Statt Papierformulare auszufüllen und per Post zu versenden, können Praxen Anträge online einreichen und den Bearbeitungsstatus jederzeit nachverfolgen. Das spart Zeit, reduziert Bürokratie und macht Prozesse nachvollziehbarer.
Wie ist hier der Sachstand – und welchen Nutzen haben Mitglieder von der digitalen Antragstellung?
Dr. Böcking: Aktuell sind insgesamt 120 Online-Antragsformulare – über 90 Prozent aller Anträge – auf unserer Homepage eingestellt: für die Beantragung genehmigungspflichtiger Leistungen sowie Anträge bezogen auf die Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung. Fast die Hälfte der Anträge geht bei uns inzwischen digital ein – 2025 waren es knapp 6.000. Die Bearbeitungszeit ist sehr viel geringer, als wenn ein Antrag per Papier eingereicht wird: Durchschnittlich dauert die Bearbeitung bei Onlineanträgen neun Tage gegenüber 21 Tagen bei Papieranträgen – die Zeit für die Postzustellung nicht eingerechnet. Wir werden das Digitale Antragsmanagement 2026 weiter ausbauen und ermöglichen, dass z. B. die MFA die Antragstellung vorbereiten können. Nach einer einmaligen Registrierung werden MFA die Anträge ausfüllen und die notwendigen Nachweise hochladen können.
Nachwuchsgewinnung ist eine der größten Herausforderungen für die ambulante Versorgung. Wie geht die KVNO das Thema an – und welche Rolle spielt dabei Digitalisierung?
Hammes: Wir haben gerade eine große Regionalkampagne gestartet. Sie richtet sich gezielt an junge Ärztinnen und Ärzte, um sie für die Niederlassung in Nordrhein zu gewinnen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Regionen mit erhöhtem Versorgungsbedarf. Wir machen deutlich: Ambulante Versorgung bedeutet Selbstbestimmung, Lebensqualität und echte Gestaltungsmöglichkeiten. Und wir zeigen, dass wir Niederlassung modern denken. Die junge Generation ist mit digitalen Technologien und KI aufgewachsen. Wenn eine Praxis modern und zukunftssicher ausgestattet ist, erhöht das die Attraktivität der Niederlassung erheblich.
Konkret zu besichtigen sein wird dies demnächst in Kleve. Dort soll die erste Startpraxis der KVNO ihre Arbeit aufnehmen.
Hammes: Die Startpraxis ist ein geschützter Einstieg in die ambulante Versorgung. Junge Ärztinnen und Ärzte können dort erste Erfahrungen sammeln, ohne sofort alle unternehmerischen Risiken tragen zu müssen. Gleichzeitig setzen wir von Anfang an auf moderne digitale Lösungen: Online-Terminbuchung, Self-Check-in und Videosprechstunden gehören zur Grundausstattung. Das schafft ein innovatives Arbeitsumfeld und entlastet das Praxisteam administrativ.
Zum Abschluss eine Frage an Sie beide: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der ambulanten Versorgung?
Hammes: Ich wünsche mir eine Versorgung, die für alle zugänglich ist – unabhängig davon, wo Menschen leben. Digitale Technologien und KI sollen Praxisteams spürbar entlasten, damit mehr Zeit für Patientinnen und Patienten bleibt. Und ich wünsche mir, dass junge Ärztinnen und Ärzte die ambulante Versorgung als attraktive, zukunftsfähige Perspektive sehen – mit Gestaltungsspielraum und Lebensqualität.
Dr. Böcking: Ich teile diese Vision. Mit Blick auf den Einsatz von Digitalisierung und Technik wünsche ich mir eine ambulante Versorgung, die technologisch zwar auf höchstem Niveau sein wird, aber immer mit dem Menschen im Mittelpunkt. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck – für bessere Versorgung, zufriedenere Patientinnen und Patienten und erfüllte Praxisteams. Die KVNO wird auch künftig verlässlicher Partner sein – engagiert, gestaltend und mit klarem Ziel: Gesundheit für die Menschen in Nordrhein.
- Thomas Lillig
KI zum Anfassen: Sonderausstellung in Köln
Die KV Nordrhein macht Künstliche Intelligenz in der ambulanten Versorgung erlebbar. Im Service- und Beratungszentrum am Butzweilerhof in Köln entsteht eine interaktive Sonderausstellung, in der Niederlassungsinteressierte, Praxisteams und weitere Gäste KI-gestützte Anwendungen mit echten Demo-Daten ausprobieren können.
Was Sie in der Ausstellung erwartet:
- Interaktive Führungen: Unser Team der Praxis4future begleitet Sie durch reale KI-Anwendungen
- Breites Spektrum an Einsatzfeldern: von Praxismanagement und Patientenkommunikation über Dokumentation und Administration bis hin zu Diagnostik, Prävention, Therapie sowie Psychotherapie und mentaler Gesundheit
- Konkreter Nutzen für den Praxisalltag: Zeitersparnis, Qualitätssteigerung, Patientensicherheit, bessere Kommunikation, reproduzierbare Befunde und Unterstützung bei Abrechnung und Codierung – nachvollziehbar und erlebbar
Die Buchung von Führungen durch die KI-Sonderausstellung startet demnächst. Achten Sie auf unsere Ankündigungen in unseren Medien.