Letzte Änderung: 03.03.2026 14:30 Uhr

Versorgung braucht Steuerung, aber keine Einheitslösung

Der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein, Dr. med. Frank Bergmann, mahnte am 3. März 2026 auf der Pressekonferenz im Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in Düsseldorf differenzierte Lösungen an, präsentiert Ideen der KV und kündigt Unterstützung seines Hauses an.

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© MAGS
  • „Rund zwei Drittel der Menschen hat bereits eine Hausärztin oder einen Hausarzt. Hier funktioniert die Steuerung bereits!“
  • „116 117 ist eine bewährte Struktur und soll weiter ausgebaut werden. Die Basis der Steuerung muss eine fundierte medizinische Ersteinschätzung sein.“
  • Wegen unterschiedlicher Bedarfe und limitierter Ressourcen: „Eine pauschale hausärztliche Steuerung wird der Versorgungsrealität nicht gerecht.“
  • „Wir nehmen als KV Nordrhein unseren Versorgungsauftrag gerne an, entwickeln bereits proaktiv Ideen und Lösungen und unterstützen den Prozess zu einer klugen Steuerung der Versorgung inhaltlich und operativ.

 

„Versorgung braucht Steuerung. Aber sie braucht keine Einheitslösung“, sagte Bergmann am Dienstag auf dem Pressegespräch im MAGS, bei dem NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Eckpunkte für eine zukunftsfeste ambulante medizinische Versorgung vorstellte. Eine verpflichtende hausärztliche Steuerung für alle werde der Versorgungsrealität nicht gerecht, so der KV-Nordrhein-Chef.

„Die Menschen haben unterschiedliche Behandlungsbedarfe. Sie möchten die richtige medizinische Versorgung zur richtigen Zeit – über den richtigen Versorgungsweg“, so der Vorstandsvorsitzende. Darum sei eine pauschale hausärztliche Steuerung auch angesichts knapper Ressourcen nicht sinnvoll. „Wir benötigen verschiedene intelligente Wege zur richtigen Versorgung. Die Basis dazu ist bereits gelegt“, sagte Bergmann.

Patientensteuerung über verschiedene Wege

Rund zwei Drittel der Menschen habe bereits einen festen Hausarzt oder eine Hausärztin. Diese Menschen sind bereits angebunden und werden bereits gesteuert. „Hier müssen aber dringend die Rahmenbedingungen gestärkt werden. Durch Bürokratieabbau, durch multiprofessionelle Teams und durch faire Vergütung von Koordinationsleistungen.“ Das sei der erste Weg zur richtigen Versorgung.

116 117 als funktionierendes Beispiel für Menschen ohne Hausarzt

Der zweite Weg für Bergmann: „Für alle Menschen ohne Hausarzt greift die bewährte Struktur der 116 117. Sie ist bereits heute ein bewährtes Lotsen- und Serviceinstrument in der Akut- und Bereitschaftsversorgung, telefonisch, per Web und per App. Darauf lässt sich aufbauen und diesen Versorgungsauftrag nehmen wir proaktiv an.“ Über diesen Weg könnten die Menschen per elektronischer Überweisung den Weg in die passende Versorgung gelotst werden. „Zum Beispiel über ein Ticketsystem“, schlägt Bergmann vor. „Denn akut erkennbarer fachärztlicher Behandlungsbedarf erfordert direkte Zugangswege zum Facharzt. Ohne Umwege!“ mahnt der KV-Chef an.

Steuerung im Tandem für chronisch Erkrankte

Eine Steuerung im Tandem – Hausarzt und Facharzt gemeinsam – sieht Bergmann für chronisch kranke Menschen: „So kann bei zum Beispiel Diabetes, Hauterkrankungen, psychologischen oder gynäkologischen Erkrankungen die für die Menschen wichtige kontinuierliche fachärztliche Führung gewährleistet werden.“

Medizinische Ersteinschätzung als Ausgangspunkt für die weitere Behandlung

Alle Behandlungsfälle hätten aber einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die weitere Behandlung: „Das ist eine medizinische Ersteinschätzung. Nur wenn der tatsächliche Behandlungsbedarf bestmöglich bekannt ist, kann im Anschluss auch die medizinisch passende Behandlung erfolgen. Haus- und Facharzt können und machen das bereits täglich – vor allem bei bekannten Patienten. Die 116 117 zeigt, wie es bei unbekannten Menschen funktionieren kann.“

Und für den Fall, dass die medizinische Ersteinschätzung ergibt, dass eine medizinische Behandlung im engeren Sinne nicht erforderlich ist? „In diesem Fall“, schlägt Bergmann vor „sollten wir entsprechende alternative Angebote formulieren.“ Das müsse nicht immer gleich auch die Hilfe oder Unterstützung durch einen approbierten Arzt sein. „Aber auch für solche Fälle sollten wir Lösungen entwickeln.“

Bergmanns Fazit: „Versorgung braucht Steuerung. Wir benötigen hier allerdings differenzierte Angebote.“ Das gelte auch perspektivisch für Menschen mit psychischen Störungen. Das vorgeschlagene Primärversorgungssystem im Kontext der ’Versorgung der Zukunft’ zeigt den richtigen Weg. Aber eine pauschale Lösung wird Probleme verändern – nicht lösen. Als KV Nordrhein sagen wir: Ja, wir unterstützen diesen Prozess inhaltlich und operativ. Und wir bringen als Vertreter der Ärzteschaft mit viel Erfahrungen und etablierten Lösungen auch wichtige Anmerkungen mit ein.“ 

Kontakt

Timo Krupp

KV Nordrhein
Leitung Presse & Relations

Telefon +49 211 5970 8336
E-Mail presse@kvno.de

Christopher Schneider

KV Nordrhein
stellv. Pressesprecher

Telefon +49 211 5970 8280
E-Mail presse@kvno.de