Service Letzte Änderung: 19.02.2026 15:37 Uhr Lesezeit: 3 Minuten
Terminservice- und Versorgungsgesetz hat die Versorgung verbessert
Dr. med. Frank Bergmann: „Entscheidend ist jetzt eine sachliche Debatte und nicht eine pauschale Demontage!“
„Wir nehmen die geschilderten Spannungen zwischen Haus- und Fachärzten sehr ernst“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein zu den Medienberichten rund um Dringlichkeitscodes und Hausarztvermittlungsfall. „Dringlichkeitsregelungen dürfen ausschließlich medizinisch begründet eingesetzt werden“, so der Facharzt.
Jeder einzelne Fall, bei dem es zu Problemen zwischen den beteiligten Personen komme, sei einer zu viel. Allerdings müsse man auch sehen, dass die Möglichkeiten, die das Terminservice- und Versorgungsgesetz gebracht haben, im Sinne der Patienten eigentlich noch viel zu selten in Anspruch genommen würden. Bergmann: „Im vergangenen Quartal machten die Hausarztvermittlungsfälle zum Beispiel nicht mal 2 Prozent aller fachärztlichen Behandlungsfälle bei uns in Nordrhein aus.“
Regelungen sind wichtiges Steuerungsinstrument
Gleichzeitig gilt für Bergmann: „Die Regelungen sind ein wichtiges Steuerungsinstrument und haben die Versorgung unter dem Strich faktisch verbessert. Unsere Zahlen in Nordrhein belegen, dass die Terminvergabe über die Termin-Servicestelle funktioniert.“ Im vergangenen Jahr 2025 lagen nach Angaben der KV Nordrhein zwischen Terminbuchung und Stattfinden des Termins im Durchschnitt nur neun Tage. Und die Nachfrage steige kontinuierlich und sorge für eine verbesserte Terminvergabe, so der Vorstand. Auch ein klassischer Hausarztvermittlungsfall sei über diesen Weg digital möglich, würde aber praktisch nicht genutzt.
Bergmann warnt vor einer pauschalen Demontage
„Ambulante, ärztliche Versorgungsleistungen werden von Menschen erbracht und können nicht rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr für alle Menschen zur selben Zeit verfügbar sein. Es bedarf wichtiger Steuerungselemente, um dringende Fälle innerhalb begrenzter Kapazitäten zu priorisieren“, erklärt Bergmann. Eine ersatzlose Abschaffung würde strukturelle Versorgungsengpässe nicht lösen, sondern die Steuerungsfähigkeit weiter schwächen und damit zu einer zusätzlichen Belastung von Patienten und Ärzten gleichermaßen führen, so der KV-Chef. „Entscheidend ist jetzt eine sachliche Debatte – nicht eine pauschale Demontage!“
Kosten nur im Promillebereich
Bergmann betont: „Wer mit dem Wissen um das Gesamtbudget in der Gesundheitsversorgung in Deutschland die Aufwendungen für die Anreize für einen schnelleren Facharzttermin bei medizinischer Dringlichkeit als großes Einsparpotenzial öffentlich diskutiert, streut Sand in die Augen der Menschen. Die Kosten in diesem Bereich liegen allenfalls im Promillebereich.“
Klar sei aber auch, „dass Debatten rund um Kosten und sinnvolle Lösungen notwendig sind. Patienten wollen und benötigen eine ambulante fachärztliche Versorgung!“, stellt Bergmann klar. Diese sei aber seit Jahren unterfinanziert: „Am Ende vom Budget sind im Quartal noch viele fachärztliche Behandlungen zu leisten und das gilt nicht nur für Nordrhein“, bilanziert Bergmann. „Alleine bei uns bekommen Menschen millionenfach notwendige ambulante Versorgungsleistungen von Fachärzten, ohne dass diese vergütet werden.“
Das entschuldige zwar auch ein mögliches Fehlverhalten einzelner Ärzte nicht, „die geschilderten Fälle sind hier sicherlich aber auch ein Ergebnis der bisherigen chronischen Unterfinanzierung und fehlenden gesetzlichen Anpassung. Der Vorstand der KV Nordrhein mahnt daher auch: „Für eine erfolgreiche Einführung des Primärversorgungssystems wird es entscheidend sein, wie verlässlich die Regelungen sowohl für die Ärzteschaft als auch die Patienten sind.“ Es könne nicht sein, dass durch fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen Gräben zwischen Haus- und Fachärzte entstünden.
„Wir sind alle angetreten, weil wir Menschen aus Überzeugung helfen möchten. Unsere jüngste Reform des Fahrdienstes in Nordrhein in der Bereitschaftszeit niedergelassener Ärzte zeigt, dass es Lösungen gibt, die trotz fehlender Ressourcen zu einer verbesserten Versorgung führen können. Wir bei der KV Nordrhein wollen und werden weiterhin Verantwortung übernehmen und um gute Lösungen ringen“, so Bergmann.