Letzte Änderung: 14.09.2022 17:10 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

KV Nordrhein: Honoraranstieg für Niedergelassene ist ein Tropfen auf dem heißen Stein

Statement des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), Dr. med. Frank Bergmann, zur heutigen Honorareinigung für die niedergelassene Vertragsärzteschaft – der Orientierungswert für 2023 steigt um zwei Prozent.

© KV Nordrhein

Der Schiedsspruch dazu ist in der dritten Runde der Honorargespräche zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband im Erweiterten Bewertungsausschuss (EBA) mit fünf zu vier Stimmen gegen das Votum der Ärzteschaft gefallen.

„Zwei Prozent mehr – das klingt für mich an dieser Stelle und vor allem zu diesem Zeitpunkt wie ein schlechter Scherz. Der Krankenkassenverband scheint in den vergangenen Monaten keine Nachrichten verfolgt zu haben. Niedergelassene sind selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer, die alleine die Verantwortung für ihre Praxis tragen – und: Sie waren und sind mehr denn je das stabile Rückgrat der ambulanten Versorgung!

Die anhaltend hohe Teuerungsrate, die massiv steigenden Energiepreise und der umkämpfte Arbeitsmarkt für Medizinische Fachangestellte (MFA) stellen die Arztpraxen vor immer größere wirtschaftliche Herausforderungen. Laut aktuellen Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) sind die Kosten für den Praxisbetrieb bereits in den Jahren 2017 bis 2020 um durchschnittlich über 13 Prozent gestiegen. Und das, obwohl die Inflation in diesem Zeitraum lediglich bei knapp vier Prozent lag – der größte Kostentreiber waren vor allem Aufwendungen für das Personal.

Als selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer tragen die Niedergelassenen die Verantwortung für ihre Mitarbeitenden und hierbei allen voran für ihre MFA allein. Dabei handelt es sich um sehr gut ausgebildete Fachkräfte, ohne die eine Praxis nicht funktioniert und die ein angemessenes Gehalt verdient haben. Allerdings haben Praxen als eigenständige und kleine ‚Unternehmenseinheiten‘ für die Bezahlung ihrer Fachkräfte nicht ansatzweise den finanziellen Handlungsspielraum wie Kliniken, in denen die Pflegekräfte von Tarifverhandlungen mit deutlich besseren Abschlüssen profitieren.     

Außerdem wird den Krankenkassen auch daran gelegen sein, dass sich ihre Versicherten in den kommenden Herbst- und Wintermonaten wohlfühlen und in angemessen beheizten Praxisräumen behandelt werden können. Strom für medizinische Geräte und die Kosten für das gängige sowie dringend benötigte und im Preis kräftig gestiegene Verbrauchsmaterial einer Praxis, in der Menschen behandelt werden, runden hier das Bild ab, das der Krankenkassenverband ignoriert oder wohl eher bewusst ignorieren möchte.

Vor diesen Hintergründen ist ein Plus von zwei Prozent beim Orientierungswert wohl eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ 

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