MFA Letzte Änderung: 12.05.2022 08:45 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

Förderung von MFA muss angepackt werden – jetzt!

Sie sind das Rückgrat einer jeden Praxis: Medizinische Fachangestellte, kurz MFA. Als Fachkräfte sind sie sehr begehrt, erfahren allerdings seitens der Politik – aus Sicht des zuständigen Fachverbandes und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) – nicht annähernd die Wertschätzung, die sie verdienen.

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Genau wie den Pflegekräften in Krankenhäusern und Altenheimen stünde gerade auch MFA, die während der gesamten Corona-Pandemie bis an die Grenzen des Machbaren gearbeitet und die Praxen durchweg am Laufen gehalten haben, ein staatlich finanzierter Bonus zu.          

In der Hauptsache gehe es aber vor allem auch um eine deutliche und spürbare Verbesserung von Aus- und Fortbildungen für MFA –  Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, ist gerade mit Blick auf den laufenden Wahlkampf in NRW besorgt, was die Zukunft der ambulanten Versorgung angeht: „Es wird viel über Krankenhäuser gestritten, aber kaum über die eminent wichtige Basis der wohnortnahen medizinischen Grundversorgung nachgedacht. Die Praxisteams fühlen sich übergangen bei der Wertschätzung für ihren Beitrag im Pandemiemanagement. Die seitens des Bundesgesetzgebers drohende Ablehnung des Coronabonus für MFA ist hier nur ein Beispiel. Wenn die permanente Unterschätzung ihrer Leistung dazu führt, dass immer weniger junge Menschen diesen Beruf ergreifen, haben wir ein sehr ernsthaftes Problem!“

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorsitzender der KVNO, weiß aus seiner eigenen Hausarztpraxis: „Weiterbildungsperspektiven zum eigenständigen Arbeiten im Care- und Casemanagement sind sehr wichtig, um die Fachkräfte im Beruf zu halten. Und nach der Weiterbildung übernehmen MFA Hausbesuche und viele andere delegierbare medizinische Tätigkeiten, so dass ich mich um mehr Patientinnen und Patienten kümmern kann.“ Die Fortbildungscurricula für MFA seien da, es gebe aber kaum Förderung durch Stipendien.

„Klatschen allein reicht nicht mehr, um uns zu motivieren“, ergänzt Hannelore König, Präsidentin des Verbands medizinischer Fachberufe. Das Land NRW könne einiges tun, insbesondere in der Ausbildung: Die Berufsschulen benötigten zur Vermittlung der medizinischen Inhalte genügend Lehrkräfte und eine entsprechende Ausstattung, vor allem beim Thema Digitalisierung der Medizin. „Sonst besteht die Gefahr, dass kaufmännische Inhalte die Ausbildung dieses Gesundheitsberufs dominieren“, so Hannelore König.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei in einer Arztpraxis bei Teilzeitkräften meist gut zu organisieren, dennoch fehle es an Angeboten zur Kinderbetreuung für Vollzeitbeschäftigte. Auch die Notbetreuung des Nachwuchses in der Pandemie habe nicht gut funktioniert, weil MFA zunächst nicht als kritische Infrastruktur angesehen wurden.

KVNO-Chef Bergmann fordert die gesundheitspolitisch Verantwortlichen aller Parteien im Bund und Land NRW daher eindringlich dazu auf, sich für die MFA ebenso zu engagieren wie für andere nichtärztliche Gesundheitsberufe. „Sonst steuern wir auf einen Fachkräftemangel mit verheerenden Folgen zu. Man muss ganz klar festhalten: Die Versorgung von Patientinnen und Patienten ist ohne MFA nicht zu leisten.“
 

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