Notdienst Letzte Änderung: 08.01.2026 12:25 Uhr Lesezeit: 4 Minuten
KVNO stellt ambulanten Fahrdienst neu auf
Fahrdienst ab sofort mit vielen Vorteilen
- Pilotstart ab Januar 2026 im Raum Düsseldorf/Neuss
- Nordrheinweiter Rollout ab April
- Entlastungen für die Ärzteschaft: Weniger Aufwand, mehr Fokus auf die Patienten, gerechte Kosten, bessere Steuerung, schnellere Abrechnung
- Vorteil für die Patienten: eine nachhaltig gesicherte Versorgung mit mehr Qualität
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) treibt die Modernisierung des ambulanten Notdienstes weiter voran: Ab sofort übernehmen Kooperationsärztinnen und -ärzte medizinisch notwendige Hausbesuche. Sie übernehmen in den Abend- und Nachstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen den ambulanten Fahrdienst – und dies zentral von der KVNO geplant, flexibel besetzt und digital unterstützt. Die bislang für Haus- und Fachärzte in Nordrhein bestehende Pflicht, auch im Rahmen des allgemeinen Notdienstes – je nach Dienstplan – Hausbesuche zu übernehmen, ist zum Jahresstart 2026 ruhend gestellt worden. „Ein klarer Schnitt mit spürbarer Entlastung für die Niedergelassenen in ganz Nordrhein“, sagt KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann.
Start in Modellregion Düsseldorf/Neuss
Ein Pilot ist am 1. Januar 2026 in Düsseldorf und Neuss gestartet. Mit den gesammelten Erfahrungen beginnt dann ab April 2026 der Rollout in ganz Nordrhein. Kernelemente sind eine zentrale Planung der Fahrdienste durch die KVNO, optimierte Neu-Zuschnitte der Fahrdienstbezirke und digitale Prozess-Unterstützung zur Steigerung von Effizienz und Qualität.
Rahmenbedingungen für Niederlassung verbessern
„Die Reform des Fahrdienstes ist für uns der Startpunkt einer zukunftsfähigen und sicheren Gestaltung des ambulanten Notdienstes“, beschreibt Dr. Bergmann die Bedeutung der Fahrdienstreform. „Wir entlasten die Praxen von zusätzlichen Diensten und Zeitaufwänden - gerade an Wochenenden. Damit steigern wir die Attraktivität einer ambulanten Tätigkeit. Denn gerade die Dienstbelastungen im Notdienst schrecken viele junge Kolleginnen und Kollegen von einer Niederlassung ab“.
Künftig werden Haus- und Fachärzte damit grundsätzlich regulär „nur“ noch für Dienste in einer der gut 90 KVNO-Notdienstpraxen berücksichtigt, diese Pflicht bleibt weiterhin bestehen. „Damit schaffen wir eine sofort spürbare Entlastung für die Niedergelassenen – sowohl finanziell als auch bei den Arbeitsstunden“, so Dr. Bergmann. „Durch das Neukonzept entlasten wir unsere Kolleginnen und Kollegen von einer Vielzahl an Dienststunden. Jedes Jahr.“
Reform sorgt auch für eine bessere Versorgung der Patienten
Gleichzeitig sorgt die Reform für mehr Qualität in der Versorgung immobiler Patientinnen und Patienten. Dr. Bergmann: „Mit unserer neuen Software nehmen wir den Ärztinnen und Ärzten sehr viel Verwaltungsarbeit ab und durch die zentrale Steuerung können wir schneller und flexibler reagieren.“ Im besten Fall könne das auch die Wartezeit für den nächsten Patienten verkürzen, so der KVNO-Vorstand.
„Und durch die Kooperation mit einem Dienstleister, der die Fahrzeuge und Fahrer stellt, kann sich der Arzt voll auf die Vorbereitung und Nachbereitung des Hausbesuches konzentrieren. Denn das ist, was für uns alle an erster Stelle steht: eine bestmögliche und gesicherte Versorgung der Menschen in Nordrhein.“ Bisher mussten viele Haus- und Fachärzte für die Hausbesuche noch ihre eigenen PKWs nutzen. Auch das fällt nun weg. Dazu kommt: Besonders zu den Nachstunden ist die Begleitung durch einen Fahrer ein Sicherheitsgewinn.
Großes Interesse und breite Unterstützung in der Ärzteschaft
Die Aufgaben im ärztlichen Fahrdienst in Nordrhein übernehmen ab sofort alle Ärztinnen und Ärzte, die sich bewusst für den Dienst entschieden und dazu eine Kooperationsvereinbarung mit der KVNO abgeschlossen haben. Das Interesse ist groß. Dr. Bergmann: „Für eine sichere Umsetzung benötigen wir rund 500 Kooperationsärzte. Inzwischen können wir auf rund 800 interessierte Fachleute zählen.“ Man freue sich über den großen Zuspruch. „Das zeigt, dass die KVNO mit dieser Reform genau den richtigen Weg gegangen ist!“, so Dr. Bergmann.
Auch die Mitglieder der Vertreterversammlung im vergangenen November unterstützen die Reform: Der entsprechende Antrag des Vorstands zur Umsetzung des Konzepts wurde mit großer Mehrheit von der VV beschlossen und erntete viel Lob: Diese Reform zeige die Handlungsfähigkeit der KVNO und sei ein großer Wurf.
Neue Struktur der Fahrdienstbezirke Grundlage für bessere Steuerung
Auch eine bessere Steuerung der Einsätze war im Blick der Fahrdienst-Reform. Dr. Bergmann: „Wir hatten bislang 54 teils völlig unterschiedliche Bezirke mit ebenso unterschiedlichen Anforderungen. Mit dem neuen System, aufgeteilt in 20 Bereiche, können wir viel besser und bei Bedarf sogar innerhalb einer Schicht auf steigende Bedarfe dynamisch reagieren - etwa bei Brücken- oder Feiertagen.“
Die „fahrenden“ Ärztinnen und Ärzte sind während ihrer Dienste fortwährend mit der 116 117-Disposition der KVNO in Köln verbunden. Ihre digital übermittelten Einsätze dokumentieren sie auf Tablets, die die KVNO zur Verfügung stellt. Darüber können sie online auch alle wichtigen bzw. relevanten Angaben zum Erkrankten schon vor dem Eintreffen vor Ort erhalten.
Vorteile auch bei der Finanzierung: Neukonzept schafft Kostentransparenz
Zur Finanzierung des Konzepts hat die KVNO ab 2026 die solidarische Mitgliedsumlage neu aufgestellt. Künftig beträgt diese transparent und einheitlich 242 Euro pro Quartal - sowohl für die Organisation der Sitzdienste als auch der neuen Fahrdienste. Damit gehören die Beitragsunterschiede bei der bisherigen Finanzierung der örtlichen Fahrdienste der Vergangenheit an. Dr. Bergmann: „In einigen Kreisen lagen die Beiträge der Ärzteschaft deutlich über diesem Wert. Das gehört nun endlich auch der Vergangenheit an!“ Und: Die bisher zum Notdienst verpflichteten Ärztinnen und Ärzte müssen künftig keine eigenen Dienste mehr übernehmen und keine Vertretungen suchen.
Fahrdienstmodell aus Köln als Vorbild
Einen ersten Beweis für die Praxistauglichkeit des neuen Fahrdienstkonzept gibt es bereits in der Stadt Köln. Das Stadtgebiet wurde von der KVNO Anfang 2025 von fünf kleinteiligen auf zwei Fahrdienstbereiche neu zugeschnitten. Berücksichtigt wurden auch hier Arztdichte, räumliche Lage und Einwohnerzahlen - im Ergebnis sind die Dienste seitdem effizienter organisiert und gleichmäßig über die Niedergelassenen in Köln verteilt. Für den nun anstehenden weiteren Rollout hat die KVNO die gewonnenen Erkenntnisse zu Fallzahlen, Strecken und Einwohnerzahlen mit wissenschaftlicher Unterstützung ausgewertet und für den gesamten Landesteil simuliert.