Notdienst Letzte Änderung: 29.07.2025 15:45 Uhr

Digitale Fallübergabe im Notdienst: KVNO-Pilotprojekt mit konkreten Verbesserungen – Roll-out für ganz Nordrhein dringend notwendig

Nach über sechs Monaten im Live-Betrieb in Bonn ist klar: Die elektronische Vernetzung der beiden Rufnummern 116 117 sowie 112, bringt für Patienten, den Rettungsdienst, die Disponenten in der Leitstelle sowie die Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Versorgung viele Vorteile.

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© Wladimir1804 | Adobe Stock

Das Pilotprojekt zeigt aber auch, dass die teilweise deutlichen Vorteile nur dann das gesamte Gesundheitssystem entlasten können, wenn politische Weichen gestellt werden. Die KVNO bietet sich weiter als Partner an.

Seit November 2024 läuft der Schulterschluss im Notdienst in der Bundesstadt Bonn. Zum Start sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO): „Es ist mehr Zusammenarbeit gefragt, wenn wir den wachsenden Anforderungen in der Akut- und Notfallversorgung auch künftig gerecht werden wollen. Gemeinsam mit der Stadt Bonn haben wir einen wichtigen Schritt getan. Die Steuerung über einen zentralen Kontaktpunkt ermöglicht eine systemschonende und am medizinischen Bedarf orientierte Zuweisung der Anrufenden.“

Die Prognose des KVNO-Chefs zum Projektstart: „Das verbessert nicht nur die Patientensicherheit, sondern hilft auch dabei, Informationsabbrüche, Wartezeiten und weitere Reibungsverluste zu vermeiden.“ Heute ist klar: Diese Erwartungen haben sich erfüllt. Bereits über 1.200-mal konnten die Anrufenden nach erfolgter strukturierter medizinischer Einschätzung jeweils vom KVNO-Patientenservice an den Notruf 112 oder umgekehrt übergeben werden. Bergmann: „Gerade die direkte Übergabe samt aller wichtigen Informationen an den Notruf spart wertvolle Zeit und kann Leben retten!“

Bessere Verfügbarkeit und weniger Kosten für das belastete System

Ebenso bietet der umgekehrte Weg eine deutliche Entlastung für den Rettungsdienst. „Jeder Fall, der von der rettungsdienstlichen Maßnahme in die vertragsärztliche Versorgung überführt werden kann, steigert auch die Verfügbarkeit des Rettungsdienstes für die tatsächlichen Notfallpatienten. Gleichzeitig fallen enorme Kosten weg, da die vertragsärztliche Behandlung nur einen Bruchteil der Rettungsdienst- und stationären Versorgungskosten benötigt.“

Herausforderung Roll-out für ganz Nordrhein

Warum also nicht ein Roll-out für ganz Nordrhein oder gleich ganz NRW? Bergmann erklärt: „In Nordrhein-Westfalen fehlt bisher eine digitale Infrastruktur, die die Systeme des ambulanten Bereitschaftsdienstes (116 117) und die des Rettungsdienstes (112) effizient miteinander verbindet.“ Wichtig für den Erfolg eines solchen Roll-outs sei es, dass die Frage der Umsetzung und der Zeitpunkt der Einführung nicht dem individuellen Ermessen einzelner Leitstellen überlassen bleiben“, so Bergmann. „Es braucht eine klare politische und finanzielle Rahmensetzung sowie betriebliche Unterstützung, damit alle 52 Leitstellen in NRW diese wichtige Infrastruktur zeitnah und koordiniert einführen können.“

Wunsch nach politischer Verbindlichkeit

Ohne eine solche Verbindlichkeit bestünde die Gefahr, dass regionale Pilotprojekte, wie aktuell in Köln und Mettmann geplant, nicht priorisiert werden - trotz vorhandener technischer Machbarkeit und Kooperationsbereitschaft, so der KVNO-Vorstand. „Diese Piloten können nur erfolgreich sein, wenn sie politisch durch verbindliche strukturelle und wirtschaftliche Planungssicherheit flankiert werden.“

Arbeitsgruppe in Abstimmung mit handelnden Personen

„Wir wollen und werden uns weiter für eine zukunftsfeste Versorgung in Nordrhein und NRW einsetzen und begrüßen daher auch die in der Zwischenzeit entstandene Arbeitsgruppe mit dem MAGS, allen Fachverbänden der Rettungsleitstellen in NRW und den beiden Kassenärztlichen Vereinigungen“, so Bergmann. „Wir wünschen uns als Ergebnis einen klaren Fahrplan, um die elektronische Vernetzung der Rufnummern 116 117 und 112 so schnell wie möglich in NRW umsetzen zu können.“

Kontakt

Christopher Schneider

KV Nordrhein
stellv. Pressesprecher

Telefon +49 211 5970 8280
E-Mail presse@kvno.de

Timo Krupp

KV Nordrhein
Leitung Presse & Relations

Telefon +49 211 5970 8336
E-Mail presse@kvno.de