Impfung Letzte Änderung: 03.03.2022 10:30 Uhr

Pressebriefing vom 3. März 2022

Generelle Zahlen zu Corona-Schutzimpfungen und Novavax-Modellrechnung

© Melinda Nagy / AdobeStock

Nordrhein-Westfalen liegt zurzeit bei den Erstimpfungen (80,2%) auf Rang 4 und bei den Zweitimpfungen (78,4%) auf Rang 5 im bundesweiten Vergleich.

Bei den Boosterimpfungen (59,5%) liegt NRW ebenfalls auf Platz 5. Bei den Impfquoten nach Altersgruppen ist eine deutliche Abnahme der Dynamik des Impfgeschehens in allen Altersgruppen zu beobachten. Mittlerweile haben fast 81% der Über-60-Jährigen und knapp 64% der 18-59-Jährigen mindestens eine Boosterimpfung erhalten. Über 20% der 5-11-Jährigen sind mittlerweile vollständig geimpft.

In gut 3.500 nordrheinischen Praxen sind in KW 8 über 91.000 Impfungen durchgeführt worden. Die Zahl der impfenden Praxen ist damit erneut im Vergleich zur Vorwoche zurückgegangen. Das Angebot seitens der Praxen passt sich hier zunehmend der stark sinkenden Impfnachfrage an. Vorrangig werden weiterhin Boosterimpfungen in den nordrheinischen Praxen durchgeführt (81%). Der Anteil der Erstimpfungen liegt bei 5% und 14% entfallen auf Zweitimpfungen.

Pünktlich zum Start der Novavax-Impfungen stellt sich die Frage, wie stark die Impfquoten durch diesen ersten konventionellen Proteinimpfstoff noch einmal erhöht werden können. Folgende Modellrechnung der KV Nordrhein stellt auf Basis von Befragungsdaten der COSMO-Studie sowie unter Berücksichtigung von Impf- und Bevölkerungsdaten einen möglichen Einfluss des Novavax-Impfstoffs auf eine höhere Impfquote dar.

Grundannahme: 16-20% der ungeimpften Erwachsenen (Studieneinschluss: 18-74 Jahre) haben im Rahmen der COSMO-Studie angegeben, sich nicht mit mRNA-Impfstoffen impfen lassen zu wollen. Gleichzeitig gaben sie an, dass sie sich eher mit Novavax impfen lassen würden.

Ergebnis auf Basis der Grundannahme: Demnach wären in Nordrhein zwischen 170.000 und 211.000 zusätzliche Erstimpfungen von Erwachsenen zu erwarten. Das würde einem Anstieg der Erstimpfungsquote um 1,75% – 2,18% in der Gesamtbevölkerung entsprechen.

Anzumerken ist, dass so viele Impfungen derzeit nicht kurzfristig durchgeführt werden könnten, da ganz NRW zunächst lediglich 309.000 Impfdosen Novavax erhalten hat - davon wird die Hälfte für Zweitimpfungen zurückgehalten. Außerdem ist denkbar, dass ein Teil dieser Personen eventuell darauf wartet, in einer nordrheinischen Praxis geimpft werden zu können.

KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann zu Novavax, der Impfpflicht für den Gesundheits- und Pflegebereich sowie der Forderung nach einem MFA-Bonus   

Der Impfstoff von Novavax müsse so schnell wie möglich den Weg in die Praxis finden, sagte Bergmann. Es mangele nach wie vor nicht an Impfangeboten. Bergmanns Ansicht nach ist es nicht sinnvoll, viele kommunale Impfangebote zu organisieren, wenn diese nicht genutzt werden. Dennoch sei auch klar, dass es sinnvoll sei, diese weiter auf „Standby“ zu halten, wenn vermutlich im Herbst die nächste Corona- und Influenzawelle anstehe. Für den Moment sollte man sich bei den Corona-Schutzimpfungen aber ganz auf den ambulanten Sektor, also auf die Praxen, konzentrieren. Auch wenn Novavax kein „Gamechanger“ sei, so sei der Impfstoff doch zumindest eine weitere gute Option, damit sich mehr Menschen impfen lassen, die bei den mRNA-Impfstoffen noch skeptisch waren.

Der KVNO-Chef kam auch noch einmal auf die ab Mitte des Monats in Kraft tretende einrichtungsbezogene Impfpflicht zu sprechen. In den vergangenen Wochen sei in der Öffentlichkeit viel diskutiert worden, welche Auswirkungen diese Impflicht auf die Leistungsfähigkeit z. B. von Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben werde, sollte die Corona-Impfquote dort nicht hoch genug sein. Dazu habe es vor Kurzem eine Blitzumfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland – kurz Zi – gegeben. Diese sei zwar nicht repräsentativ, aber sicherlich ein guter Anhaltspunkt, sagte Bergmann. Danach würden die nordrheinischen Praxen bei der Impfquote sehr weit vorne in Deutschland liegen: Über 95 Prozent der Niedergelassenen seien geimpft, was Platz 1 im deutschlandweiten Vergleich entspreche – das treffe auch auf knapp 95 Prozent der Medizinischen Fachangestellten (MFA) zu. In vielen Bundesländern lägen die Impfquoten in den Arztpraxen bei um die 90 Prozent – Schlusslicht sei Thüringen mit rund 75 Prozent. Wegen der guten Zahlen für Nordrhein gehe er nicht davon aus, dass mit spürbaren Beeinträchtigungen für die Praxisteams sowie für die Patientinnen und Patienten zu rechnen sei, so Bergmann.

Scharfe Kritik übte der KVNO-Chef am weiterhin ausbleibenden Bonus für MFA. Der Pflegebonus für Mitarbeitende in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen sei beschlossene Sache. Die Rede sei hier von einem Bonus für herausragende Leistungen. Ihm erschließe sich nicht, wie man in der Politik die Leistungen der Praxisteams in der Impfkampagne – und hier besonders auch der MFA – nicht als herausragend ansehen könne, sagte Bergmann.  

Bergmann zur Ukraine-Krise

Der Krieg in der Ukraine beschäftige selbstverständlich auch viele Niedergelassene in Nordrhein. Im Moment sei der Aufenthaltsstatus von geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern unklar – wenn hier aber ein besonderer Status gewährt werde, was die KV Nordrhein sehr begrüßen würde, müssten die entsprechenden Regelungen im Asylbewerberleistungsgesetz angepasst werden. Dann könnten Geflüchtete aus der Ukraine wie Asylbewerber medizinisch versorgt werden. Bergmann betonte, die KV Nordrhein setze sich gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) dafür ein, dass – wie schon bei der Flüchtlingssituation in den Jahren 2015 und 2016 – bundesweit einheitlich eine Versorgung über die elektronische Gesundheitskarte ermöglicht werde.

Man werde nun außerdem in Gesprächen mit dem Land NRW klären, ob es besonderer medizinischer Versorgung auch z.B. in Bezug auf Corona-Schutzimpfungen bedürfe. An dieser Stelle könnten aber derzeit noch keine konkreten Aktionen vorbereitet werden, da der Bedarf noch unklar sei, so Bergmann.

Zusätzlich habe man sich dazu entschlossen, niedergelassene Mitglieder für Spenden an Organisationen zu verweisen, die Erfahrung im Umgang mit Kriegsregionen und der Unterstützung der medizinischen Versorgung vor Ort hätten. Dazu gehöre z. B. die „action medeor“ mit Sitz in Tönisvorst (Kreis Viersen), die auch als „Notapotheke der Welt“ bekannt sei:

Jetzt spenden (medeor.de)

Weitere Spendenmöglichkeiten hat zum Beispiel das Redaktionsnetzwerk Deutschland zusammengestellt:

Spenden für die Ukraine: Spendenkonten-Übersicht – Wie Sie jetzt helfen können (rnd.de)

Kontakt

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Christopher Schneider

Thomas Petersdorff