Impfung Letzte Änderung: 18.11.2021 12:30 Uhr Lesezeit: 3 Minuten

Pressebriefing vom 18. November 2021

Themen waren unter anderem: Stand der Impfkampagne, Boosterimpfungen, Mehr Respekt für MFA

© Dominik / AdobeStock

Generelle Zahlen zu Impfungen/Booster-Impfungen

NRW liegt derzeit sowohl bei den Erstimpfungen (74,4%) und Zweitimpfungen (71,1%) auf Rang 5 im bundesweiten Vergleich. Bei den Booster-Impfungen (5,6%) liegt NRW auf Rang 6. Bei den Impfquoten nach Altersgruppen zeigt sich derzeit die größte Dynamik bei den Booster-Impfungen der Über-60-Jährigen, die bei insgesamt 13,4% liegt.

Die KW 45 war mit knapp über 171.000 durchgeführten Impfungen die beste Impfwoche in Nordrhein seit Schließung der Impfzentren. Die Arztpraxen führen in den letzten drei Wochen mehr 80% aller Coronaimpfungen in Nordrhein durch. Der Rest entfällt auf KoCI (Koordinierende Covid-Impfeinheiten der Kommunen), Privatärzte und Betriebsärzte, die in KW 45 ebenfalls einen Anstieg zu verzeichnen hatten (37.516 Impfungen).

Die Zahl der durchgeführten Booster-Impfungen in Nordrhein steigt seit drei Wochen deutlich an und lag in KW 45 bei rund 114.000 Impfungen. Die aktuellen Zahlen der laufenden Woche sowie die Bestellmengen der Praxen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Laut dem siebten Impf-Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen haben 90% der vollstationären Pflegeeinrichtungen bereits ein Angebot für Booster-Impfungen erhalten. Laut den der KV Nordrhein zur Verfügung stehenden Daten ist diese Einschätzung realistisch. Bis Ende vergangener Woche wurden mehr als 365.000 Personen über 60 Jahre in Nordrhein geboostert - bei rund 88.000 vollstationären Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern in Nordrhein ist anzunehmen, dass die Pflegeheime, die Boosterimpfungen in Anspruch nehmen wollten, dies auch bereits in die Tat umsetzen konnten.

Einordnung der aktuellen Lage – Booster-Impfungen und Inzidenzen

Nach Ansicht des KVNO-Vorstandsvorsitzenden Dr. med. Frank Bergmann ist, bis auf diejenigen, die sich bisher noch zu keiner Impfung durchringen konnten, eine gewisse Grundimmunisierung in der Bevölkerung erreicht worden. Unabhängig von den Booster-Impfungen liege das eigentliche Problem der derzeit hohen Inzidenzen in der noch hohen Zahl der Ungeimpften.
In Sachen Booster-Impfungen stehen den nordrheinischen Praxen nach Ansicht von KVNO-Chef Bergmann impfintensive Wochen bevor. Um die Erwartungen der Politik und auch in der Bevölkerung ein Stück weit zu dämpfen, ordnete er im Pressegespräch noch einmal die aktuelle Lage in den Praxen ein: Nach monatelangen Lockdowns und Kontaktbeschränkungen schlügen grippale Infekte ganz besonders in dieser Grippesaison noch einmal deutlich heftiger durch. Viele Praxisteams befänden sich, was das gesamte Impfgeschehen rund um die Pandemie angeht, seit April im Ausnahmezustand. Zusätzlich hätten auch die Impfungen in den Impfzentren größtenteils die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte übernommen, so Bergmann.

Seiner Ansicht nach müsse auch berücksichtigt werden, was das politische Hin und Her der vergangenen Monate für die Praxen bedeutet habe – gerade zuletzt habe es fast wöchentlich Änderungen und Voraussetzungen gegeben, die eine verlässliche Impforganisation in der Praxis so gut wie unmöglich gemacht hätten, wie z.B. einen zu langen Vorlauf (zwei Wochen) für die Bestellung von Impfstoffen, der mittlerweile auf eine Woche verkürzt worden sei. Politische Forderungen nach sofortigen Booster-Impfungen für alle, die nicht mit der STIKO-Empfehlung übereinstimmten, hätten es den Praxen auch nicht gerade leichter gemacht. In der Einschätzung für die Wochen bis Weihnachten bleibt Bergmann realistisch: Rund eine Million Booster-Impfungen seien voraussichtlich zu schaffen. Die Praxen könnten aber nicht bis Ende des Jahres halb Nordrhein bzw. halb NRW durchimpfen.

In diesem Zusammenhang hob Bergmann noch einmal deutlich hervor, dass zum Eindämmen des pandemischen Infektionsgeschehens andere Dinge als Booster-Impfungen von größter Wichtigkeit seien und an dieser Stelle sei nun die Politik am Zug: Die 2G-Regelung im gesamten Freizeitbereich müsse kommen, genauso wie die 3G-Regelung für den Arbeitsplatz. Außerdem müssten sich alle wieder verstärkt an Abstände halten - auch die Maske sollte wieder konsequenter von jedem getragen werden, der in geschlossenen Räumen und Menschenmengen unterwegs sei. All dies werde im Zusammenspiel dafür sorgen, dass die Infektionszahlen wieder deutlich nach unten gingen.

Es dürfe nach wie vor auch nicht bei denjenigen lockergelassen werden, die noch nicht geimpft seien. Es gebe deutschlandweit einfach noch zu viele Menschen, die sich bisher nicht impfen lassen wollten – und dies trotz stellenweise fast leeren Impfzentren, die sich nun viele wieder herbeiwünschen würden. Bei 80 bis 90 Prozent an schon Durchgeimpften wäre man nicht in der momentanen Situation mit den bisher höchsten Inzidenzwerten, hielt Bergmann fest.

Impf-Ausblick auf die anstehende Vorweihnachtszeit

Das NRW-Gesundheitsministerium hat in dieser Woche bereits per Erlass den „Impf-Advent“ ausgerufen. Es wird also noch einmal vermehrt über die Kommunen gesteuerte Impf-Aktionen geben und auch einige nordrheinische Praxen werden laut KVNO-Chef vor allem sicherlich die Freitagnachmittage und die Adventssamstage nutzen, um ihren eigenen sowie auch praxisfremden Patientinnen und Patienten Booster-Impfungen anbieten zu können.

Die KV Nordrhein wird in der kommenden Woche offene Impfangebote in den Praxen an den Adventssamstagen sammeln und veröffentlichen – dabei handelt es sich in erster Linie um Extra-Angebote, für die man auch als praxisfremde(r) Patient(in) keinen Termin machen muss. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein werden KV-seitig auch ausdrücklich dazu ermuntert, sich zu zentralen Schwerpunktpraxen zusammenzuschließen und gemeinsam bei Bedarf auch in anderen Räumlichkeiten als den eigenen Praxen Impfangebote zu machen.

In diesem Zusammenhang verwies Bergmann auch noch einmal aus das bereits im Juni veröffentlichte Online-Register der impfenden Praxen in Nordrhein – darin hätten sich freiwillig vor allem Praxen eingetragen, die auch praxisfremde Patientinnen und Patienten aufnehmen:

Corona-Impfung

Viele Praxen im Bereich Nordrhein bieten Impfungen an – darunter sowohl Hausarztpraxen, als auch Facharztpraxen. In unserer Übersicht können Sie nach Praxen in Ihrer Umgebung suchen und anschließend dort einen Impftermin vereinbaren.

zum Impfregister

Respektlosigkeit gegenüber den Praxisteams

Der Vorstandsvorsitzende der KV Nordrhein kam auch auf ein weiteres Thema zu sprechen, das sich teilweise schon zu Beginn der Impfkampagne abgezeichnet hatte: Es komme leider immer häufiger vor, dass die Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Praxen beschimpft, aufs Übelste beleidigt oder sogar bedroht werden, wenn ihr Gegenüber beispielsweise nicht umgehend einen Termin bekomme. Hier würden definitiv Grenzen überschritten, die nicht überschritten werden dürfen, sagte Bergmann. Der stellvertretende KVNO-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Carsten König, der selbst niedergelassener Hausarzt in Düsseldorf ist, ergänzte, dass er solche Erfahrungen leider bestätigen könne. Er wisse auch von vielen Kolleginnen und Kollegen, deren MFA sich schon über Monate immer wieder hätten beschimpfen lassen müssen.

Bergmann und König betonten gemeinsam, es sei richtig, dass sich die Gesundheitsminister der Länder beim Bund für eine Bonuszahlung für alle MFA einsetzen wollten. Man hoffe nun auf ein zeitnahes Aufgreifen und Umsetzen dieser Forderung.

Kontakt

Sven Ludwig

Christopher Schneider

Thomas Petersdorff