Letzte Änderung: 14.12.2021 13:51 Uhr

Long Covid Teil 2

Das Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) lud im November zur ärztlichen Fortbildung „Long Covid Teil 2“ ein.

© niphon/AdobeStock

Wissenschaftlich gesehen ist das Thema Neuland. Ziel war es daher, über das Auftreten von Corona-Spätfolgen zu lernen. Die beiden Vorstandsvorsitzenden der KV Nordrhein, Dr. Frank Bergmann und Dr. Carsten König, führten in das Thema ein und moderierten die Online-Veranstaltung.

Viele eigentlich Genesene haben nach ihrer Covid-Erkrankung noch lange mit den Folgen zu tun. Einer Umfrage der KV Nordrhein aus Oktober zufolge behandeln derzeit 75 % von 600 teilnehmenden Praxen Long-Covid-Patienten, 25 % verneinten. Die Begriffe Long- und Post-Covid werden oft synonym gebraucht, beschreiben aber zwei verschiedene Zustände. „Long“ bezeichnet alles, was nach vier Wochen noch symptomatisch ist, „Post“ meint länger als 12 Wochen andauernde Symptome. Diese können beispielsweise sein: Schwäche, Müdigkeit, Erschöpfung, Belastungsintoleranz, Kopfschmerz.

10% leiden lange

Unter den Betroffenen sind überproportional viele Frauen und jüngere Menschen unter 50 Jahren. Der überwiegende Teil der Post-Covid-Patienten hat Vorerkrankungen wie Atemwegsbeschwerden, Rückenschmerzen, Asthma, oder litten am metabolischen Syndrom. Doch auch bei jungen, fitten Hochleistungssportlern können Langzeitfolgen entstehen, wie Prof. Dr. Wilhelm Bloch von der Sporthochschule Köln erläuterte. Häufig hört die Erschöpfung, die viele am meisten quält, drei bis sechs Monate nach der akuten Infektion von selbst auf.

Problematisch bei der Diagnose ist, dass es viele Überschneidungen zu anderen Erkrankungen wie etwa Grippe gibt. Insgesamt ist das Spektrum bei Kindern und Erwachsenen sehr ähnlich. Dr. Daniel Vilser, der die Langzeitfolgen für die Gesundheit der Kinder an der Long-Covid-Ambulanz der Uniklinik Jena erforscht, legte dar: „Derzeit können wir nur symptomorientiert behandeln. Wir raten den Patienten von Belastungen wie Sport ab, behandeln Schlafstörungen und empfehlen Atemtechniken gegen Stress.“

Patientenleitfaden

Genaue Daten haben lange ebenso gefehlt wie diagnostische und therapeutische Leitlinien. Mittlerweile hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie zusammen mit weiteren Fachgesellschaften erste Richtlinien für die Long- und Post-Covid-Behandlung vorgestellt. Viele Kliniken haben extra Ambulanzen eingerichtet. Gemeinsam mit Patienten und Selbsthilfegruppen haben medizinische Fachgesellschaften einen Patientenleitfaden entwickelt. Er beschreibt die häufigen Symptome in verständlicher Sprache und erläutert, wie sich Betroffene und Angehörige verhalten können.