Letzte Änderung: 20.11.2020 20:16 Uhr

KVNO-Vertreterversammlung: Niedergelassene stellen sich auf starke Beteiligung bei Corona-Impfungen ein

Am Freitag, 20. November, fand die letzte Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein im Jahr 2020 statt. Erneut stand die VV inhaltlich und formal maßgeblich im Zeichen der Corona-Pandemie und wurde abermals in Form einer Videokonferenz durchgeführt.

© KVNO
Im März 2020 war es noch Premiere: die Vertreterversammlung per Videokonferenz.

In seinem Bericht zur Lage ging Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, zu Beginn auf das aktuelle Infektionsgeschehen ein und betonte dabei die nach wie vor bedeutende Rolle der Niedergelassenen als „ambulanter Schutzwall“ für die stationären Ressourcen. „Wir wissen um die besondere Belastung der Praxen, gerade jetzt in den Herbst- und Wintermonaten. Gemeinsames Ziel muss weiterhin sein, das Virus einzudämmen und im Praxisalltag den Kontakt von COVID-19-Patienten mit Regelpatienten bestmöglich zu vermeiden, etwa durch separate Infektionssprechstunden, die seit 1. November finanziell gefördert werden“, so Bergmann. Auch der Betrieb zentraler Testeinrichtungen – zumeist in Kooperation mit örtlichen Gesundheitsämtern – habe sich bewährt, einige werden derzeit reaktiviert und weitere geschaffen. „Aktuell sind 17 mit der KVNO kooperierende Testzentren in Nordrhein am Netz, weitere drei sind in konkreter Planung. Damit können wir die regionalen ambulanten Testkapazitäten ergänzen und die Praxen, etwa durch Wochenend-Öffnungszeiten der Zentren, zielgerichtet entlasten.“

Weitere Ausgaben von Schutzmaterial ab 25. November

Um die Praxen im Rheinland weiterhin aktiv zu unterstützen, kündigte der KV-Chef zudem weitere Ausgaben von Schutzmaterial ab dem 25. November an fünf zentralen Orten an. Bislang habe die KVNO an 35 Ausgabeterminen unter anderem bereits rund 20 Millionen Masken und vier Millionen Schutzhandschuhe an ihre Mitglieder im Rheinland verteilt.

Weiteres großes Thema im Vorstandsbericht waren die Vorbereitungen der Corona-Schutzimpfungen im Rheinland, deren Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. Es sind bis zu 30 zentrale Impfstandorte in Nordrhein geplant, ebenso eine enge Einbindung der KVen in die Organisation der Impfungen - unter anderem bei Terminvergabe und beim Impfen selber. Vorrangig sollen zunächst vulnerable Bevölkerungsgruppen, medizinisches bzw. Pflegepersonal und Angehörige systemrelevanter Berufe geimpft werden. „Wir stehen in engem Austausch mit dem Ministerium und werden uns organisatorisch und medizinisch in erheblichem Umfang einbringen, vor allem bei der Entwicklung einer Impfstrategie“, sagte Bergmann. Erste Ergebnisse einer kürzlich gestarteten Umfrage der KVNO zeigen, dass sehr viele Praxen im Rheinland bereit sind, ärztlich und mit Fachpersonal mitzuwirken. „Dazu müssen natürlich die Rahmenbedingungen stimmen“, so Bergmann. Der KV-Vorsitzende sprach sich auch entschieden dagegen aus, dass die Niedergelassenen über die zunächst notwendige Priorisierung von Impfberechtigten entscheiden.

Verdopplung der Schutzschirm-Zahlungen

Bergmann berichtete auch über den Stand der Ausgleichszahlungen des Corona-Schutzschirms: „Unsere Zahlungen für den Schutzschirm beliefen sich im zweiten Quartal 2020 auf insgesamt 33,5 Millionen Euro – dies ist doppelt so viel wie im ersten Quartal. Auch die Anzahl der Ärzte, die Ausgleichszahlungen erhalten, hat sich im Zeitraum auf rund 6.000 Ärzte verdoppelt. Der durchschnittliche Betrag der Ausgleichzahlungen je Praxis lag bei 7.630 Euro, im ersten Quartal waren es etwa 6.000 Euro.

Positive Nachrichten konnte Bergmann bei der Frage der Kostenerstattung für Schutzmaterial, das von den Praxen selbst beschafft wurde, überbringen. Die KVNO hat sich mit den nordrheinischen Krankenkassen nach intensiven Verhandlungen darauf geeinigt, dass betroffene Praxen ihre Kosten zu 90 Prozent erstattet bekommen. Ab November erfolge die Erstattung allerdings auf Basis definierter Höchstpreise.

Ambulantes Operieren – Kritik an Blockade-Haltung der Kassen

Mit Blick auf die Ergebnisse der Honorarverhandlungen 2021 mit den nordrheinischen Krankenkassen kritisierten KVNO-Vorstand und VV-Delegierte abermals die Verweigerung der Kassen, ambulante Operationen weiterhin zu fördern. „Es ist völlig unverständlich und skandalös, ohne Not die Förderung einer effizienten, umfangreichen Versorgung einzustellen, die die Krankenhäuser entlastet, Patienten entgegenkommt und den Kassen Millionen Euro einspart im Vergleich zur stationären Versorgung“, sagte Bergmann.

In einem mehrheitlich von der VV angenommen Antrag werden die Krankenkassen aufgefordert, die Verhandlungen mit der KVNO wieder aufzunehmen und für die Operateure, Anästhesisten und die niedergelassenen Gastroenterologen sachgerechte Lösungen anzubieten. Kritisiert wurde vom Vorstand und den Delegierten auch das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), das eine finanzielle zur Förderung ambulanter Operationen zuletzt per se als bedenklich eingestuft hat. Dies sei eine Abkehr vom politischen Grundsatzwillen „ambulant vor stationär“, heißt es im Antrag.

Weitere Portalpraxen in Nordrhein etabliert

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVNO, berichtete unter anderem über die Weiterentwicklung der Strukturen des ambulanten Notdienstes in Nordrhein. Auf Basis der geltenden Vereinbarungen in NRW zur besseren Verzahnung der Sektoren ambulant und stationär im Notfallmanagement und zur Einführung von Portalpraxen seien in den vergangenen Monaten trotz der durch Corona widrigen Rahmenbedingungen eine Reihe von Projekten erfolgreich umgesetzt worden. „Wir haben in Essen eine neue augenärztliche und eine neue HNO-ärztliche Portalpraxis ans Netz gebracht und zugleich in Duisburg und Köln den Betrieb wenig frequentierter Standorte zugunsten effizienterer und zentraler gelegener Notdienstpraxen aufgelöst“, so König. Für die kommenden Monate kündigte der KVNO-Vize-Chef unter anderem die Etablierung einer neuen kinderärztlichen Notdienstpraxis in Moers sowie eine Neustrukturierung der Notdienstpraxis Düsseldorf an; diese soll im ersten Quartal 2021 zur Portalpraxis umgebaut werden. Weitere Entwicklungsmaßnahmen des ambulanten Notdienstes – vor allem im Bereich des Kindernotdienstes – kündigte König für das kommende Jahr auch für die Regionen Kleve/Wesel sowie die Stadt Bonn an.

Gesundheitspreis für NPPV-Projekt

Gute Nachrichten vermeldete König auch zu den Disease Management Programmen, die trotz Corona nur minimale Einbußen an Patienten und immer mehr ärztliche Teilnehmer verzeichnen. Am 6. November hatte die KVNO mit ihrer Online-Veranstaltung „Update DMP“ ein breites Fortbildungsangebot gemacht. Ebenfalls positiv: Das vom Innovationsfonds geförderte KVNO-Projekt „Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung (NPPV)“ hat den „Gesundheitspreis 2020“ des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten.

Wie immer am Jahresende waren die Präsentation und die Debatte um die Bilanz des Geschäftsjahres 2019 und den Haushalt für 2021 wesentliche Tagesordnungspunkte der VV. Die Delegierten genehmigten ohne Gegenstimmen beide Zahlenwerke und entlasteten den Vorstand. Der Verwaltungskostensatz der KVNO bleibt 2021 unverändert. Die Mitglieder zahlen bei IT-unterstützter Abrechnung weiterhin 2,8 Prozent ihres Arztumsatzes.

Mitschnitt der VV vom 20. November

Kontakt

Dr. Heiko Schmitz

Christopher Schneider