Impfung Letzte Änderung: 23.04.2021 14:03 Uhr

KV Nordrhein: „Die Impf-Priorisierung in den Praxen muss fallen!“

Statements von Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, sowie seinem Stellvertreter, Dr. med. Carsten König, zur geplanten Terminvergabe für chronisch kranke Menschen in den Impfzentren ab Mai.

© Malinka|KVNO

Dr. Bergmann: „Ich hätte es sehr begrüßt, wenn Menschen mit Vorerkrankungen in der Priorisierungsgruppe 2 weiterhin vorrangig in den nordrheinischen Praxen geimpft werden würden. Dort ist das Impfen in den vergangenen Wochen sehr gut angelaufen - schon rund 90 Prozent unserer Hausärztinnen und Hausärzte sind dabei und impfen. Das ist wirklich eine großartige Beteiligung. Dazu kommt, dass für die Woche ab dem 3. Mai drei Millionen Impfdosen für die Arztpraxen in Deutschland angekündigt sind. Davon werden rund 300.000 Impfdosen unsere Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein erreichen und damit sollen ja in erster Linie Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden. Aus diesem Grund ist die zusätzliche Terminvergabe für die Impfzentren aus unserer Sicht nicht nötig und wird auch die Impf-Dynamik nicht maßgeblich voranbringen.    

Dazu kommt, dass chronisch kranke Menschen vermutlich versuchen werden, über beide Wege einen Termin zu erhalten - und in Folge den jeweils späteren Termin dann absagen. Das ist schlecht für beide Seiten, denn dadurch werden Ressourcen sowohl in den Arztpraxen als auch in den Impfzentren verschwendet, die eigentlich dringend für das Impfen selbst benötigt werden. Außerdem kommt zum ohnehin schon hohen Arbeitsaufwand durch das Impfen in der Praxis noch ein zusätzlicher hinzu: Atteste müssen ausgefüllt werden, um die vorerkrankten Patientinnen und Patienten damit wiederum ins Impfzentrum zu schicken statt sie direkt in der Praxis zu impfen.

Wir würden schon mehr Impftempo bekommen, wenn die Arztpraxen bei Menschen unter 60 Jahren mit dem Impfstoff von AstraZeneca ohne aufwändiges Priorisierungsverfahren einfach geimpft werden könnten.

Die Lösung ist einfach und liegt auf der Hand: Es muss mehr Impfstoff dorthin, wo er hingehört – in die Arztpraxen. Meine eindringliche Forderung: Die Impf-Priorisierung für die Praxen muss jetzt ganz zeitnah aufgehoben werden! Dann gewinnen wir weiter an Fahrt in der Impf-Dynamik und die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein müssen sich nicht mehr damit auseinandersetzen, wen sie zur Impfung einladen dürfen und wen nicht. Das erspart uns viel Arbeit und Organisationsaufwand.“  

Dr. König: „Als selbst impfender Hausarzt kann ich diesen zusätzlichen Terminvergabe-Weg über die Impfzentren nicht nachvollziehen. Ich kann auch sehr gut verstehen, wenn neben meinen Kolleginnen und Kollegen nun auch Menschen mit Vorerkrankungen nicht mehr wirklich wissen, was eigentlich Sache ist. Wir schicken unsere Patientinnen und Patienten ohne wirkliche Not von A nach B, obwohl sie an Anlaufstelle A, also in der Praxis selbst, am besten aufgehoben wären. Dieses Vorgehen erschließt sich mir überhaupt nicht und wird für viel Unverständnis in der Bevölkerung sorgen.“   

 

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