Honorar Letzte Änderung: 04.11.2020 13:50 Uhr

Honorarverhandlungen in Nordrhein

"Ergebnis gefährdet Strukturen des ambulanten Operierens – Verweigerung der Kassen schadet den Patientinnen und Patienten"

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Die Kassen lehnen es ab, die bisherige Förderung des ambulanten Operierens über das laufende Jahr hinaus zu verlängern.

Bei den Verhandlungen über die Finanzmittel für die ambulante Versorgung für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten im Rheinland für 2021 haben sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein und die gesetzlichen Krankenkassen im Rheinland lediglich auf die Umsetzung von Bundesvorgaben einigen können.Die Finanzierung patientennaher Versorgungsformen wie das ambulante Operieren konnte nicht vereinbart werden. "Die Verweigerung der Krankenkassen in diesem so zentralen Bereich der ambulanten Operationen ist für die Patientenversorgung desaströs. Ambulante Operationen dienen dem Patienteninteresse und entlasten gleichzeitig Krankenhäuser, das ist gerade in Zeiten der Pandemie unerlässlich. Es ist völlig kontraproduktiv, die Förderung für diese Versorgungsform zu streichen, die gleichzeitig patientnah und kostensparend ist", sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Die Kassen lehnen es ab, die bisherige Förderung des ambulanten Operierens über das laufende Jahr hinaus zu verlängern. "Diese Haltung ist für uns katastrophal – es war nie wichtiger als heute, ambulante Leistungen zu fördern. Es gilt doch während der Pandemie mehr denn je, eine hochwertige Versorgung ohne längere Wartezeiten auf notwendige OP-Termine sicherzustellen. Dieses Ziel verfolgt – nicht nur aus Kostengründen – auch die Politik auf Landes- und Bundesebene. Insofern ist das ein völlig falsches Signal."

Patientennahe Strukturen erhalten

"Wir brauchen effiziente und patientennahe Versorgungsstrukturen, die mit ambulanten Operationszentren in Nordrhein gemeinsam mit den Kassen über Jahre hinweg aufgebaut worden sind – zum Nutzen der Patientinnen und Patienten und des gesamten Gesundheitssystems. Die jetzige Ablehnung der Kassen legt die Axt an Strukturen, die dazu beitragen, Patientinnen und Patienten adäquat zu versorgen und den stationären Bereich zu entlasten. Ohne die bisher zur Verfügung stehenden Mittel werden sich die ambulanten OP-Strukturen nicht erhalten lassen. Damit werden die Förderziele der letzten Jahre zunichte gemacht. Die Kassen nehmen ihre regionale Verantwortung nicht wahr, das geht zu Lasten der Patientinnen und Patienten", so Bergmann.

"Ohne die seit 14 Jahren bestehende und unbedingt notwendige Förderung des ambulanten Operierens werden die ambulanten OP-Praxen nicht überleben können. Damit wird ohne Not von den Kassen eine patientennahe Hochleistungsversorgung mit extrem niedrigen Infektionsquoten liquidiert. Die Patienten, die somit in die Krankenhäuser gezwungen werden, werden dafür kein Verständnis haben", sagt Dr. Manfred Weisweiler, Erster Vorsitzender des Berufsverbands der niedergelassenen Chirurgen in Nordrhein.

Einziges Ergebnis: Bundesvorgaben werden umgesetzt

Der Abschluss umfasst daher nur die Umsetzung der Bundesvorgaben. Da die ambulante Gesundheitsversorgung wesentlich von regionalen Strukturen geprägt ist, bedeutet die Fixierung der Kassen auf Bundesregelungen, dass die Versorgung in Nordrhein im Ergebnis schlechter zu werden droht.

 

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