Honorar Praxisinformation Letzte Änderung: 21.09.2022 11:25 Uhr

Honorar 2023: Orientierungswert steigt um 2 Prozent

Der Orientierungswert (OW) und damit die Preise für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen steigen ab 1. Januar 2023 um zwei Prozent.

Er beträgt dann 11,4915 Cent. So lautet der Schiedsspruch im Erweiterten Bewertungsausschuss (EBA). Der Beschluss wurde von den Vertretern der Ärzteseite abgelehnt, die im EBA aber überstimmt wurden. Der OW bildet die Vorgabe für die Honorarverhandlungen auf regionaler Ebene, die sich nun anschließen.

Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und Verhandlungsführer für die Ärzteseite, machte aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Das Ergebnis sei „kein ansatzweise ausreichender Ausgleich für die aktuellen Kostensteigerungen“. Es sei deutlich, dass die Krankenkassen „kein wirkliches Interesse am Erhalt der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Strukturen haben“, die sich nicht zuletzt in der Pandemie als „Rückgrat der Versorgung für die Menschen in unserem Land“ bewiesen hätten, kommentierte er das Resultat. Die KBV hatte sechs Prozent mehr gefordert, die Kassen boten null Prozent. 

Die KBV kritisiert insbesondere, dass lediglich die Veränderungen der Kosten in den zwei zurückliegenden Jahren als Grundlage der Anpassung herangezogen wurden. Die hohen inflationsbedingten Kosten der Praxen in diesem Jahr könnten dadurch erst für den OW im nächsten Jahr berücksichtigt werden. Für die Praxen sei das eine Katastrophe. Sie hätten bereits dieses Jahr mit deutlich höheren Kosten insbesondere im Bereich der Energie, aber auch beim Personal zu kämpfen.

Bergmann: „Tropfen auf den heißen Stein“

Auch für KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann ist die Anhebung des OW um zwei Prozent nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: „Zwei Prozent mehr – das klingt für mich an dieser Stelle und vor allem zu diesem Zeitpunkt wie ein schlechter Scherz.“ 

Der Krankenkassenverband scheine in den vergangenen Monaten keine Nachrichten verfolgt zu haben. Laut aktuellen Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) sind die Kosten für den Praxisbetrieb bereits in den Jahren 2017 bis 2020 um durchschnittlich über 13 Prozent gestiegen. Und das, obwohl die Inflation in diesem Zeitraum lediglich bei knapp vier Prozent lag. Der größte Kostentreiber waren vor allem Aufwendungen für das Personal. Bergmann: „Die gestiegenen Personalkosten, die Energiekosten für medizinische Geräte und zum notwendigen Beheizen der Behandlungsräume, die Kosten für das gängige und im Preis kräftig gestiegene Verbrauchsmaterial – all das setzt den Praxen jetzt zu und nicht erst 2024. Darüber wird bei den Honorarverhandlungen auf Landesebene auf jeden Fall nochmal zu sprechen sein.“