IT Recht Letzte Änderung: 22.12.2021 16:05 Uhr Lesezeit: 2 Minuten

Elektronisches Rezept auf unbestimmte Zeit verschoben – was Sie jetzt zu eAU und eRezept wissen müssen

Zum 1. Januar 2022 sollte der elektronische Rezeptversand (eRezept) bundesweit eingeführt werden. Doch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat die Pläne hierfür vorerst gestoppt.

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Es teilt in einem Schreiben an die Gesellschafter der gematik die – auch von der KV Nordrhein wiederholt vorgetragenen – Bedenken, ob „angesichts noch laufender Feldtests und nicht hinreichender Erprobung der gesamten Prozesskette eine fehlerhafte Ausstellung, Übermittlung, Annahme und Abrechnung von elektronischen Rezepten ab dem 1. Januar 2022 möglich sein wird“. Das BMG erkennt auch an, dass die erforderlichen technischen Systeme – eine Grundvoraussetzung für die verpflichtende Einführung des eRezepts – noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen.

Die gematik hat auf das Schreiben aus dem BMG gestern umgehend reagiert und mitgeteilt, dass die bundesweite Testphase verlängert wird. Ein neuer Zeitplan für die Einführung des eRezepts wird nicht genannt. Vielmehr heißt es von der gematik: „Die Testphase soll genutzt werden, um die Anzahl der Teilnehmenden an den Tests zu erhöhen, Updates aufzuspielen, die nötige Software zu installieren, das Personal zu schulen und die Stabilität des Zusammenwirkens der einzelnen erforderlichen Komponenten intensiv zu prüfen.“

Ausdrücklich betont die gematik, dass weiterhin wie gewohnt das Muster-16-Formular für Rezepte bzw. Verordnungen genutzt werden kann. 

eAU: Stichtag 1. Januar

Eigentlich sind die Praxen seit 1. Oktober gesetzlich verpflichtet, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in digitaler Form (eAU) an die Krankenkassen zu versenden. Weil auch hier in den vergangenen Wochen vielerorts die technischen Voraussetzungen noch nicht hinreichend gegeben waren, hatte das BMG eine Übergangsfrist bis Ende des Jahres eingeräumt. Eine weitere Verlängerung des Einführungszeitraums bis Mitte 2022, welche die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im Rahmen einer Richtlinie anstrengte, hat das BMG abgelehnt.

Die KBV rät deshalb allen Praxen, schnellstmöglich auf die neuen digitalen Verfahren zu wechseln und die erforderlichen Software-Updates zu installieren. Sie weist aber auch darauf hin, dass Arztpraxen über den 1. Januar hinaus Krankschreibungen auf Papier ausstellen können, wenn die notwendigen technischen Voraussetzungen für die eAU noch nicht zur Verfügung stehen. Um eine reibungslose Versorgung sicherzustellen, empfiehlt die KBV folgende pragmatische Vorgehensweise:

  1. Sobald in der Praxis die technischen Voraussetzungen für die Nutzung des elektronischen Verfahrens zur Verfügung stehen, sollte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem 1. Januar 2022 elektronisch an die zuständige Krankenkasse übermittelt werden.
  2. Wenn die Übermittlung an die Krankenkasse technisch noch nicht möglich ist, das benötigte Modul des Praxisverwaltungssystems (PVS) aber bereits zur Verfügung steht, ist das so genannte Ersatzverfahren anzuwenden: Der Patient erhält hierbei eine mithilfe des PVS erzeugte AU-Bescheinigung in Papierform (Stylesheet) – für sich, den Arbeitgeber und die Krankenkasse. Ein digitaler Nachversand ist nicht erforderlich.
  3. Für den Fall, dass in einer Arztpraxis weder die elektronische Übermittlung noch das Ausdrucken der AU mittels Stylesheet möglich ist, kann die Arbeitsunfähigkeit vorübergehend formlos papiergebunden bescheinigt werden. Hierfür kann auch das bisherige Muster 1 („gelber Schein“) oder die Blankoformularbedruckung verwendet werden.

Bereitstellung der Updates und Vorbereitung der Praxen

Nach Auskunft der KBV sind die Softwarehersteller verpflichtet, die benötigten Updates für die eAU und das eRezept spätestens ab dem 1. Januar zur Verfügung zu stellen. Für die Installation der Updates sollten sich Ärztinnen und Ärzte deshalb am besten an ihren Anbieter wenden und mit ihm möglichst auch den Zeitpunkt der Umstellung abstimmen.

Wichtig ist zudem, dass Praxen alle Schritte, die sie bereits selbst vorbereiten können, nun in die Wege leiten. Das betrifft vor allem die Bestellung und die Freischaltung eines elektronischen Heilberufsausweises (eHBA) sowie eines KIM-Dienstes. Letzterer sorgt für die sichere Übermittlung der eAU an die Krankenkasse.