KVNO aktuell Letzte Änderung: 03.07.2026 00:00 Uhr
Ein Plus für die ambulante Versorgung
Wie lässt sich der Praxisalltag spürbar entlasten und gleichzeitig die Versorgungsqualität sichern? Die KV Nordrhein erprobt, wie Physician Assistants als Teil interprofessioneller Teams dabei unterstützen können.
Praxisnah, fundiert und mit Blick auf die Versorgung von morgen: Das Modellprojekt der KV Nordrhein zeigt, wie Physician Assistants (PAs) konkret im Praxisalltag unterstützen können – als Teil einer modernen Teampraxis. Seit 2025 erprobt und evaluiert die KVNO ihren Einsatz gemeinsam mit 16 Haus- und Facharztpraxen. Ziel ist es, belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Physician Assistants im Praxisalltag wirken, welchen Mehrwert sie für die ambulante Versorgung bieten und welchen Herausforderungen Teams bei ihrer Etablierung begegnen. Im Fokus stehen konkrete Fragen des Versorgungsalltags: Wie gelingt die Delegation im interprofessionellen Team? Wie verändert sich die Behandlungszeit? Und wie lassen sich die Prozesse effizienter gestalten – ohne zusätzliche Bürokratie?
Einsatzgebiete von Physician Assistants in der ambulanten Praxis
Medizinische Unterstützung & Behandlung:
- Unterstützung bei Diagnose, Untersuchung und Behandlungsplanung
- Durchführung delegierbarer Routine- und Standardprozesse
- Unterstützung bei Eingriffen
Betreuung & Versorgung:
- Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten
- Verlaufskontrollen, Nachsorge und Prävention
- Patientengespräche und Schulungen
Aufsuchende Versorgung:
- Hausbesuche und Versorgung in Pflegeheimen
- Betreuung immobiler Patientinnen und Patienten
- Unterstützung in der Palliativversorgung
Organisation & Praxismanagement:
- Prozesskoordination und Dokumentation
- Kommunikation mit Patientinnen und Patienten sowie externen Partnern
- Unterstützung bei der Patientensteuerung
Vom Konzept in die Praxis: So wird Potenzial zu Versorgung
Damit Physician Assistants (PAs) in der ambulanten Versorgung wirken können, braucht es tragfähige Strukturen. Entscheidend sind dabei vier zentrale Hebel:
- Vergütung, die Zusammenarbeit ermöglicht
Der Einsatz von PAs muss sich für Praxen wirtschaftlich tragen. Delegation darf kein finanzielles Risiko sein, sondern muss gezielt gefördert werden. Dazu braucht es Abrechnungsmodelle, die zusätzliche Leistungen im Team abbilden und nicht begrenzen. - Klare Regeln für die Delegation nichtärztlicher Leistungen
Ärztinnen und Ärzte müssen eindeutig wissen, welche Aufgaben sie übertragen können. Rechtssicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Delegation im Praxisalltag tatsächlich genutzt wird. - Einheitliche Qualifikation und Weiterbildung
Einheitliche Ausbildungs- und Prüfungsstandards, ambulante Inhalte in den Curricula sowie die Öffnung ärztlicher Fortbildungsangebote für PAs sichern die Qualität der ambulanten Versorgung. - Verbindliches Berufsbild
Ein klar definiertes und staatlich anerkanntes Berufsbild schafft Orientierung – für Praxen, für Patientinnen und Patienten und das gesamte Gesundheitssystem. Es bildet die Grundlage dafür, dass PAs verlässlich und flächendeckend eingesetzt werden können.
So kann die Einbindung von PAs eine realistische Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein und entscheidende Impulse für die Zukunft der ambulanten Versorgung geben.
Handlungsbedarf sichtbar machen und Klarheit für den Einsatz schaffen
Angesichts der aktuellen Debatte um die Zukunft des Gesundheitswesens in Deutschland will die KV Nordrhein mit dem Modellprojekt die verschiedenen Akteurinnen und Akteure miteinander ins Gespräch bringen – von Ärzteschaft und PAs über Krankenkassen und Interessenverbände bis hin zur Politik.
Dass PAs in der ambulanten Versorgung bisher die Ausnahme sind, liegt nicht an fehlender Akzeptanz, sondern an strukturellen Hürden: Für viele Praxen ist der Einsatz von PAs aufgrund fehlender Abrechnungsmöglichkeiten bislang wirtschaftlich nicht ausreichend abbildbar. Gleichzeitig schaffen unklare Vorgaben zur Delegation rechtliche Unsicherheit. Aus- und Fortbildungswege sowie Qualifikationsprofile und Prüfungen sind nicht bundeseinheitlich geregelt.
Das Ergebnis: Das Berufsbild ist im ambulanten Versorgungssystem nicht klar verankert. Solange diese Punkte offen sind, bleibt das Potenzial interprofessioneller Teams weitgehend ungenutzt.