Impfung Letzte Änderung: 26.12.2020 12:52 Uhr Lesezeit: 1 Minuten

„Ein besonderer Tag“: Erster Corona-Impfstoff in NRW angekommen – morgen starten KVen mit Impfungen in Senioren- und Pflegeeinrichtungen

Zweiter Weihnachtstag, Arena Düsseldorf, ein paar Fahrzeuge des Logistikers, der in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember die ersten 9750 Impfdosen aus Belgien über die Grenze ins geheime Zentrallager des Landes gebracht hat:

© KVNO | Schmitz
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (li.) und KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann freuen sich über den Start der Impfungen.

Das war die Kulisse des heutigen Gipfeltreffens an der Arena Düsseldorf mit Ministerpräsident Armin Laschet, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und den beiden KV-Chefs Dr. med. Frank Bergmann, KV Nordrhein, und Dr. med. Dirk Spelmeyer, KV Westfalen-Lippe. Die erwartete Ankunft des Impfstoffs ermöglicht wie geplant den Start der Impfungen am morgigen Sonntag, 27. Dezember, in Senioren- und Pflegeeinrichtungen.

Jeder Kreis beziehungsweise jede kreisfreie Stadt wird 180 Dosen aus der ersten Lieferung erhalten. In Nordrhein werden die mobilen Impfteams morgen in etwa 30 Einrichtungen impfen. Wie das abläuft und vor Ort funktioniert, erklärten vor Ort die beiden Impfärzte Dr. med. André Schumacher, KV-Kreisstellenvorsitzender in Düsseldorf, und Dr. med. Tobias von Myrow, die morgen in Düsseldorf und im Rhein-Kreis-Neuss mit medizinischem Hilfspersonal unterwegs sein werden.

Ein besonderer Tag

Ministerpräsident Armin Laschet sprach "von einem besonderen Tag für Nordrhein-Westfalen – vor knapp zehn Monaten hat uns das Virus im Kreis Heinsberg erreicht und ein Jahr voller Ängste und Sorgen beschert." Der Impfstoff sei der einzige Lichtblick, in kürzester Zeit in Deutschland entwickelt und jetzt ausgeliefert – ohne "Impfstoff-Nationalismus", so Laschet, denn die ersten Lieferungen werden nicht nur in Deutschland, sondern auch EU-weit gerecht verteilt. Laschet lobte die KVen: "Überall kann ab morgen geimpft werden, und die KVen werden mit ihren tausenden von freiwilligen Ärztinnen, Ärzten und deren Helferinnen und Helfern Tag für Tag dabei sein." NRW-Gesundheitsminister Laumann sagte, er könne sich "kein besseres Geschenk an Weihnachten als den Impfstoff" vorstellen. Das Impfen sei der entscheidende Beitrag zur Überwindung der Pandemie, zunächst in den 2300 nordrhein-westfälischen Senioren- und Pflegeeinrichtungen in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten. Bis Silvester würden weitere rund 270.000 Dosen eintreffen, im Januar etwa 140.000 pro Woche, "Wir haben eine gute Chance, Anfang März die Heime mit ihren rund 175.000 Menschen und ebenso viel Pflegepersonal immunisiert zu haben." Laumann betonte, dass die Impfung weitaus mehr Chancen als Risiken berge.

 

KV-Kreisstellenvorsitzender Dr. med. André Schumacher (re.) erklärte die Aufbereitung des Impfstoffs mit Dr. Tobias von Myrow aus Neuss (2.v.r.) und dessen MFA Hasret Bektas. Aufmerksamer Zuhörer. KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann (li.).
© KVNO | Schmitz
KV-Kreisstellenvorsitzender Dr. med. André Schumacher (re.) erklärte die Aufbereitung des Impfstoffs mit Dr. Tobias von Myrow aus Neuss (2.v.r.) und dessen MFA Hasret Bektas. Aufmerksamer Zuhörer. KVNO-Chef Dr. med. Frank Bergmann (li.).

Anfang eines Marathons

Auch KVNO-Vorstandsvorsitzender Bergmann sprach von einem "guten Tag für uns alle. Wir beginnen morgen mit kleinen Mengen, aber dank intensiver Vorbereitung aller Beteiligten können wir die Heime Zug um Zug aufsuchen." Bergmann betonte, dass wir erst am Anfang eines Marathons von historischer Dimension stünden. "Auch deshalb dürfen wir trotz des Impfbeginns nicht nachlassen, uns alle weiter zu schützen." Der Preis für den schnellen Impfstoff sei seine Empfindlichkeit. "Das Impfen selber ist relativ einfach. Wir Ärztinnen und Ärzte haben viel Erfahrung damit." Der KV-Kreisstellenvorsitzende in Düsseldorf, Dr. med. André Schumacher, demonstrierte vor der Arena ohne die beim Gang in die Einrichtungen obligatorische Schutzausrüstung mit modellhaften Ampullen und Impfbesteck, was vor Ort geschieht – "stellvertretend für tausende freiwillige Kolleginnen und Kollegen", so der Hausarzt. Die Rekonstituierung des aufgetauten Impfstoffs sei ein einfacher Auflösevorgang, das Impfen selbst verlaufe wie bei anderen Impfungen auch durch eine Injektion in den Oberarm. "Der Impfstoff braucht aber eine sorgsame Handhabung und gute hygienische Bedingungen in separaten Räumlichkeiten."

Noch keine Terminvergabe für Impfzentren

Hinweis: Die Terminvergabe für die Impfzentren, die unter der Hotline 11 6 11 7 erfolgen wird, ist noch nicht gestartet. Die Über-80-Jährigen sollen über ihre Impfberechtigung vor der Terminvergabe angeschrieben werden. Nach der Terminvereinbarung über die 11 6 11 7 erhalten die Impfberechtigten Post mit Terminbestätigung und weiteren Unterlagen, die zum Impftermin mitzubringen sind.

Wer in welcher Reihenfolge geimpft wird, entscheidet der Bund, der am 18. Dezember eine entsprechende Rechtsverordnung erlassen hat, die sich im Wesentlichen nach den Empfehlungen der Ständigen Impf-kommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts richtet. Grundsätzlich berücksichtigt die STIKO dabei, wer ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf hat beziehungsweise einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist.

Kontakt

Sven Ludwig

Christopher Schneider