DMP Praxisinformation Letzte Änderung: 23.04.2026 08:55 Uhr
DMP Osteoporose: Teilnahme künftig für Männer ab 50 Jahren möglich
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat auch die Kriterien für die Indikationsstellung angepasst. Die Neuerungen treten voraussichtlich zum 1. Oktober 2026 in Kraft und müssen dann noch von den regionalen Vertragspartnern umgesetzt werden.
Das Disease-Management-Programm (DMP) Osteoporose wird umfassend aktualisiert. Künftig können Männer bereits ab 50 Jahren – und damit genauso früh wie Frauen – am strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat diese und weitere Neuerungen in der vergangenen Woche beschlossen. Die Anpassungen berücksichtigen die aktuelle S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern ab 50 Jahren.
Angepasste Kriterien für die Teilnahme
Für die Teilnahme am DMP bleibt die Indikation für eine spezifische medikamentöse Osteoporose-Therapie Voraussetzung. Der G-BA hat die Kriterien für die Indikationsstellung an die Leitlinie angepasst: Eine medikamentöse Behandlung ist demnach angezeigt, wenn das Risiko für eine proximale Femur- oder Wirbelkörperfraktur innerhalb von drei Jahren mindestens fünf Prozent beträgt oder bei mindestens drei Prozent Risiko gleichzeitig irreversible Risikofaktoren oder ein sehr hohes Risiko für eine unmittelbar bevorstehende Fraktur vorliegen. Das Frakturrisiko wird weiterhin anhand von Alter, Geschlecht und DXA-Befund bestimmt. Bei bereits bestehender osteoporotischer Fraktur besteht unverändert eine Indikation für die Therapie.
Erweiterte Möglichkeiten der Koordination
Die Koordination im DMP Osteoporose übernehmen weiterhin in der Regel Hausärztinnen und Hausärzte oder – bei fehlender Multimorbidität – Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie oder für Orthopädie. Neu ist, dass in bestimmten Ausnahmefällen auch Fachärztinnen und Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie sowie für Innere Medizin und Rheumatologie ohne zusätzliche Qualifikation koordinieren können. Ein solcher Ausnahmefall ist zum Beispiel gegeben, wenn die Person bereits vor Einschreibung in das DMP dauerhaft von der Fachärztin oder dem Facharzt betreut wurde. Weitere Fachärztinnen und Fachärzte, etwa für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Innere Medizin, können die Koordination übernehmen, wenn sie eine osteologische Zusatzqualifikation nachweisen – etwa das Zertifikat „Osteologin DVO/Osteologe DVO“.
Ergänzungen bei der Therapie
Im Bereich der Therapie ergänzt der G-BA die Empfehlungen um die Wirkstoffe Abaloparatid und Romosozumab. Körperliches Training und Maßnahmen zur Sturzprophylaxe bleiben zentrale Bestandteile der nicht-medikamentösen Therapie und sollen vorrangig durch Funktionstraining oder Reha-Sport erfolgen.
Zeitplan und Ausblick
Das Bundesgesundheitsministerium prüft den Beschluss nun innerhalb von zwei Monaten. Bei einer Nichtbeanstandung treten die Neuerungen voraussichtlich zum 1. Oktober 2026 in Kraft. Die regionalen Vertragspartner haben dann ein Jahr Zeit, ihre bestehenden Verträge zum DMP Osteoporose anzupassen. Die KV Nordrhein setzt sich dafür ein, dass berechtigte Ärztinnen und Ärzte möglichst frühzeitig in das Programm aufgenommen werden können und informiert Sie rechtzeitig über alle weiteren Schritte. /KBV, KVNO