KVNO aktuell Letzte Änderung: 16.12.2025 11:15 Uhr Lesezeit: 3 Minuten

DMP: Chronische Erkrankungen strukturiert behandeln

Der DMP-Qualitätsbericht 2024 liefert detaillierte Einblicke in die Versorgung chronisch erkrankter Menschen. Im Fokus: Behandlungserfolge bei Frauen und Männern sowie das neue Programm Osteoporose.

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© Zinkevych | GettyImages

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) wertet jedes Jahr die Daten der Disease-Management-Programme (DMP) für die Nordrheinische Gemeinsame Einrichtung DMP aus und fasst die Ergebnisse in einem Qualitätsbericht zusammen. „Die Berichte für Nordrhein zeigen die Ergebnisqualität“, sagt Dr. Bernd Hagen, Leiter des Fachbereichs Evaluation und Qualitätssicherung des Zi. Er empfiehlt vor allem teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten, einen Blick in den Bericht zu werfen – und damit auch einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus: „Zum einen erkennt man daran, welchen positiven Effekt das eigene medizinische Wirken für die Gesamtversorgung hat, sieht zum anderen aber auch das Verbesserungspotenzial.“ 

Frauen gleich gut versorgt wie Männer

Erstmals wurden für den DMP-Bericht 2024 die Behandlungsergebnisse bei Frauen und Männern verglichen. „Es gibt keine nennenswerten Unterschiede“, zieht Dr. Sabine Groos vom Zi ein erstes Fazit. So gewöhnten sich zum Beispiel gleich viele Frauen wie Männer im Rahmen der beiden DMP zu koronarer Herzkrankheit und COPD das Rauchen ab. Im Programm Diabetes mellitus Typ 1 erreichten etwas mehr Männer ihren individuellen HbA1c-Zielwert als Frauen, bei Diabetes mellitus Typ 2 war es umgekehrt. „Die größten Unterschiede hätte ich persönlich bei der Verschreibung von Statinen bei koronarer Herzkrankheit erwartet, da Frauen mit Herzerkrankungen früher wesentlich seltener Medikamente verschrieben wurden. Aber der Unterschied ist inzwischen vergleichsweise gering. Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, betont Groos. Insgesamt befänden sich fast alle Qualitätskriterien auf einem sehr guten Niveau, und das bei Frauen und Männern.

Teilnahmezahlen

Patientinnen und Patienten insgesamt: 1.018.745

Patientinnen und Patienten mit aktueller Folgedokumentation 2024: 981.221

Ärztinnen und Ärzte, die mindestens eine DMP-Dokumentation eingereicht haben: 6.506

Praxen, die mindestens eine DMPDokumentation eingereicht haben: 4.048

Krankenhäuser, die an mindestens einem DMP teilnehmen: 102

Erfolge im neuen DMP Osteoporose

Mehr Frauen als Männer gibt es im neuen DMP Osteoporose. Die Erkrankung betrifft vor allem Frauen, sie machen mehr als 
92 Prozent der knapp 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Weitere Besonderheit: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind im Durchschnitt 75 Jahre alt und damit älter als in den meisten anderen DMP“, erläutert Hagen. In der Regel sind bei ihnen nur wenige weitere Begleiterkrankungen dokumentiert: „In anderen DMP sind die Teilnehmer oft durch mehrere weitere Diagnosen belastet.“

Anfang 2024 ging das DMP Osteoporose an den Start. Bereits im ersten Jahr boten 397 Ärztinnen und Ärzte – überwiegend aus dem Fachbereich Orthopädie – ihren betroffenen Patientinnen und Patienten die Teilnahme am Programm an. Die erste Zwischenbilanz ist positiv: Fast 84 Prozent der Patientinnen und Patienten erhielten in ihrer Praxis eine Beratung zur Sturzprophylaxe, bei fast 86 Prozent konnten weitere Frakturen vermieden werden. Ebenso lassen sich hohe Quoten für eine Osteoporose-spezifische Medikation nachweisen. „Für das Qualitätsziel zur Schulung ist eine sinnvolle Auswertung erst möglich, wenn das DMP etwas länger gelaufen ist“, sagt Hagen. „Etwa sieben Prozent aller Menschen in Deutschland haben Osteoporose, deswegen rechnen wir damit, dass das Interesse an diesem DMP in den kommenden Jahren weiter steigen wird.“ 

Steigendes Interesse am DMP

Die Disease-Management-Programme setzen nicht nur auf engagierte Ärztinnen und Ärzte, sondern auch auf die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten. Die Teilnahme ist für alle Erkrankten freiwillig, bedeutet aber eigene Mitarbeit. „Die Praxen untersuchen die Betroffenen regelmäßig, unterstützen sie jedoch auch darin, selbst Expertinnen und Experten für ihre eigenen Erkrankungen zu werden. Dazu gehören unter anderem Schulungen und Therapien, aber auch die regelmäßige Medikamenteneinnahme“, erklärt Groos. Das Interesse daran ist groß, die Zahl der teilnehmenden Patientinnen und Patienten stieg allein zwischen 2023 und 2024 von etwas mehr als 980.000 auf fast 1.020.000. 

Hagen ist zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren weitere DMP für weit verbreitete Erkrankungen hinzukommen werden: „Programme unter anderem zu Herzinsuffizienz, rheumatoider Arthritis und Adipositas sind vom G-BA beschlossen und vertraglich umzusetzen.“

  • Ina Armbruster

Abruf DMP-Informationen

Praxisindividuelle DMP-Feedback-Berichte für das 1. Halbjahr 2025

Anhand der DMP-Feedback-Berichte kann überprüft werden, inwieweit die vereinbarten Qualitätsziele für die strukturierte Behandlung bei Patientinnen und Patienten in der eigenen Praxis erreicht wurden – dies auch mit Vergleichswerten zum jeweiligen regionalen Durchschnitt.

Die Feedback-Berichte werden vom Fachbereich Evaluation und Qualitätssicherung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Auftrag der der Nordrheinischen Gemeinsamen Einrichtung DMP (GE) halbjährlich auf Basis der eingereichten Dokumentationen erstellt. Für das 1. Halbjahr 2025 wurden die praxisindividuellen Feedback-Berichte nun im KVNO-Portal eingestellt und können dort unter Services > DMP-Dokumente abgerufen werden.