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Niedergelassene in Nordrhein: Starke Rückgänge bei Fallzahlen und Umsätzen – Vertreterversammlung der KVNO beschließt neuen HVM für "Schutzschirm"

19.06.2020 Pressemitteilungen

Die Delegierten der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein haben in ihrer heutigen Sondersitzung, die erneut in Form einer Videokonferenz stattfand, für einen geänderten Honorarverteilungsmaßstab (HVM) votiert. Damit hat die VV die Voraussetzungen für den "Schutzschirm" geschaffen, auf den sich die KV Nordrhein mit den nordrheinischen Krankenkassen verständigt hat.

Die Grundlage für die erfolgreichen Verhandlungen bildet das "COVID 19-Krankenhausentlastungsgesetz".

Danach erhalten niedergelassene Vertragsärzte und -psychotherapeuten ab dem ersten Quartal 2020 Ausgleichszahlungen für ihre zum Teil erheblichen Honorarverluste, die sich durch den Rückgang bei den Patientenzahlen und damit zusammenhängenden Leistungsmengen ergeben haben. Voraussetzung für entsprechende Zahlungen: Das Honorar einer Praxis muss in Bezug auf die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken und dieser Rückgang auf eine pandemiebedingt geringere Zahl an Behandlungsfällen zurückzuführen sein. "Wir sind hier zu einem akzeptablen Ergebnis gekommen", sagte Bergmann, "welches die Liquidität der Praxen sichern kann." Die Delegierten stimmten dem entsprechend geänderten Honorarverteilungsmaßstab einstimmig bei wenigen Enthaltungen zu.

Das Foto zeigt Menschen bei einer Videokonferenz.

Die Sonder-Vertreterversammlung am 19. Juni 2020 fand ebenfalls als Videokonferenz statt.

Einbußen von rund 25 Prozent bei Fallzahlen und Leistungen

Wie wichtig die Ausgleichszahlungen sind, zeigen die Zahlen einer repräsentativen Befragung der KV Nordrhein. Die Umfrageergebnisse belegen, dass die Pandemie in fast allen Praxen zu Umsatzverlusten geführt hat: Die Fallzahlen und Leistungsmengen sind fachgruppenübergreifend um rund ein Viertel zurückgegangen. In fast allen Fachgruppen gibt es vereinzelt Praxen mit einem Rückgang von über 50 Prozent. Die größten Fallzahlenrückgänge verzeichnen Augenärzte, HNO-Ärzte und Orthopäden, aber auch Kinder- und Jugendärzte und Chirurgen.

Die stärksten Rückgänge bei den Leistungen sehen wir bei Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen sowie operativen Eingriffen. Fast alle Praxen hatten durch Corona zusätzliche Ausgaben, drei Viertel der Praxen eine höhere Arbeitsbelastung mit Überstunden. Bergmann betonte, dass der große Einsatz der Niedergelassenen ein wesentlicher Faktor bei der bisherigen Bewältigung der Pandemie war: "Wir sind bislang recht glimpflich durch die Krise gekommen, es bestand zu keiner Zeit die Gefahr einer Überforderung unseres Gesundheitssystems." Dies sei auch ein Verdienst der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sowie ihrer Angestellten in den Praxen, die sechs von sieben COVID19-Patienten versorgt hätten.

Der KVNO-Vorstand bedankte sich erneut bei allen für das große Engagement und die unermüdliche Unterstützung in den vergangenen Monaten, die fast ausschließlich vom Thema Corona bestimmt gewesen seien. Die Vertreterversammlung beschloss einstimmig eine Resolution, die die besondere Rolle der Vertragsärzte und -psychotherapeuten hervorhebt und unter anderem feststellt, dass "das Aufrechterhalten der Regelversorgung neben dem Lockdown die entscheidende Maßnahme zur Begrenzung der Pandemie in Deutschland" war.

Das Foto zeigt Dr. med. Carsten König, Dr. med. Frank Bergmann und Bernd Zimmer

KVNO-Vize Dr. med. Carsten König, KVNO-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Frank Bergmann und VV-Vorsitzender Bernd Zimmer bei der VV am 19. Juni 2020

Weitere Portalpraxen geschaffen

Dr. med. Carsten König, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVNO, berichtete unter anderem über die Weiterentwicklung der Strukturen des ambulanten Notdienstes in Nordrhein. Auch wenn der im vergangenen Dezember vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung ruht: Der Umbau des Notdienstangebots schreitet fort – auf Basis der Verabredungen zur besseren Verzahnung der Sektoren im Notfallmanagement und zur Einführung von Portalpraxen auf Landesebene. Inzwischen befinden sich alle 77 Notdienstpraxen an oder in Krankenhäusern, 41 davon sind Portalpraxen. Auch an der Einrichtung zentraler fachärztlicher Notdienstpraxen an Fachkliniken wird weiter gearbeitet.

Auch die aktuelle Störung der Telematik-Infrastruktur war Thema auf der Sonder-VV. König verwies auf die Resolution der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vom vergangenen Freitag, die klarstellt, dass Versäumnisse der gematik nicht auf dem Rücken der Praxen ausgetragen werden dürfen, denen weder organisatorische noch finanzielle Aufwände bei der Behebung der Störung entstehen dürfen. Zeitweise konnten rund 70 Prozent der nordrheinischen Praxen wegen der Konnektor-Probleme keinen Versicherstammdatenabgleich vornehmen, bis dato ist erst knapp die Hälfte der betroffenen Konnektoren wieder an die TI angeschlossen. Die KV Nordrhein setzt sich dafür ein, dass das sogenannte "Ersatzverfahren" zur Anwendung kommt, wenn die eGK bedingt durch die TI-Störung im laufenden Quartal nicht eingelesen werden kann. Kurz vor der Sitzung meldete die KBV, dass die gematik mit den IT-Dienstleistern ein Verfahren zur Behebung der Störung und zu deren Finanzierung abgestimmt habe – die Ärzte und Psychotherapeuten werden keine Rechnung erhalten und müssen sich auch nicht um die Erstattung der Kosten kümmern.

Hausbesuche endlich besser vergüten

Als "Ärgernis" bezeichnete König die nach wie vor ausstehende Einigung zu Hausbesuchsdiensten im Rahmen der Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM). "Die derzeitige Bewertung von Hausbesuchen, die aus dem Jahr 2011 stammt, ist nicht ausreichend und muss dringend angepasst werden – sie deckt in keiner Weise den Aufwand der Kolleginnen und Kollegen ab, die gerade in der Coronakrise großen Einsatz bei Besuchen von Patienten gezeigt haben", sagte König.

 

Mitschnitt der VV vom 19. Juni