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Lieferengpass beim Pneumokokken-Impfstoff

17.03.2020 Praxisinfos, Verordnungsinfos

Das Bundesgesundheitsministerium hat im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie die Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. Seitdem ist die Nachfrage stark gestiegen; Praxen und Apotheken melden Lieferschwierigkeiten für den 23valenten Polysaccharidimpfstoff Pneumovax. Nach Auskunft des Herstellers wurden bereits rund 910.000 Dosen Pneumovax23 in den Markt geliefert. Das entspricht rund 75 Prozent des Bedarfs des gesamten Vorjahres und rund der Hälfte der für dieses Jahr geplanten Dosen. Eine kurzfristige Produktionssteigerung ist bei Impfstoffen nicht möglich. Auch für den 13 valenten Impfstoff Prevenar werden schon Lieferschwierigkeiten gemeldet.

Seit dem 13. März 2020 wird auf der Seite des Robert-Koch-Instituts offiziell ein Lieferengpass für Pneumovax23 bekannt gegeben. Die STIKO gibt dazu folgende Empfehlung:

Um besonders vulnerable Personengruppen möglichst effektiv und entsprechend ihrem Risiko zu schützen, soll wie folgt vorgegangen werden:
Prevenar®13 soll ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von 2 Jahren verwendet werden. Sollte Prevenar®13 nicht verfügbar sein, kann auf Synflorix® (10-valenter Pneumokokkenkonjugatimpfstoff) ausgewichen werden.
Pneumovax® 23 soll prioritär für folgende Personengruppen verwendet werden:

  • Patienten mit Immundefizienz
  • Senioren ab dem Alter von 70 Jahren (Hinweis: bisher 60 Jahre)
  • Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen

Auch bei Wiederverfügbarkeit der Impfstoffe sollten Pneumokokken-Impfungen ausschließlich dem Personenkreis vorbehalten bleiben, der in den gültigen Impfempfehlungen der STIKO benannt ist.

 

Nach der Schutzimpfungs-Richtlinie wird für Personen über 60 Jahre und für Personen mit chronischen Erkrankungen (zum Beispiel der Atmungsorgane) eine Impfung mit dem 23valenten Polysaccharid-Impfstoff empfohlen. Nur für Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten und anatomischen und „Fremdkörper-assoziierten Risiken“ wird eine sequentielle Indikationsimpfung mit dem 13valenten Konjugat-Impfstoff (Prevenar) und dem 23 valenten Polysaccharidimpfstoff vorgegeben. Diese sequentielle Impfung soll nach den neuen Empfehlungen zum Lieferengpass nicht mehr durchgeführt werden.

Für die beschrieben Personenkreise werden die Pneumokokkenimpfstoffe Pneumovax® und Prevenar® als Sprechstundenbedarf bezogen. Für Synflorix® haben die Kassen in Nordrhein mitgeteilt, dass der Impfstoff ausschließlich bei Kindern bis zum vollendeten 5. Lebensjahr zu Lasten der GKV als SSB verordnet werden kann. Eine Impfung von Erwachsenen mit Synflorix® ist nicht zu Lasten der GKV möglich.