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Praxen während der Pandemie entlasten: Sonderregelungen erleichtern Arbeit

12.08.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Die AU per Telefon ist wieder abgeschafft. Die Regelungen zur Verordnung von Leistungen wie häusliche Krankenpflege oder der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung liefen Ende Juni aus. Grund für die Entscheidung war laut Gemeinsamem Bundesausschuss, dass die Neuinfektionen abflachten. Andere Sonderregelungen, die die Arbeit der Praxen während der Pandemie erleichtern, gelten indes weiter – ein Überblick.

gilt unbefristet 

  • Entlassmanagement: Verordnungen für bis zu 14 Tage
    Im Entlassmanagement sind die Sonderregelungen an den Bundestagsbeschluss über das Vorliegen der epidemischen Lage geknüpft. Solange dies gilt, dürfen Krankenhäuser zum Beispiel zum Übergang in die ambulante Versorgung für bis zu 14 Tage Leistungen veranlassen beziehungsweise Bescheinigungen ausstellen.
  • Extrabudgetäre Vergütung für alle Covid-19-Leistungen
    Alle Covid-19-Leistungen werden unbefristet extra-budgetär vergütet.

gilt bis 30. September 

  • Verordnung von Heilmitteln
    Die Heilmitteltherapie muss erst innerhalb von 28 Tagen beginnen, regulär sind es 14 Tage. Ab dem 1. Oktober gilt mit Inkrafttreten der neuen Heilmittel-Richtlinien künftig regelhaft die Frist von 28 Tagen zum Beginn einer Heilmittelbehandlung
  • Krankentransporte zur ambulanten Behandlung.
    Krankentransporte zur ambulanten Behandlung bedürfen keiner Genehmigung der Krankenkasse. Voraussetzungen: nicht aufschiebbare und zwingend nötige Behandlungen von an Covid-19-Erkrankten oder von Versicherten, die aufgrund einer behördlichen Anordnung unter Quarantäne stehen.
  • Videosprechstunde unbegrenzt möglich
    Ärzte und Psychotherapeuten können unbegrenzt Videosprechstunden anbieten – bei allen Indikationen. Fallzahl und Leistungsmenge sind nicht begrenzt.
  • Sozialpsychiatrie: funktionelle Entwicklungstherapie per Video
    Zur Erleichterung der sozialpsychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise kann die funktionelle Entwicklungstherapie auch per Video erfolgen.
  • Videosprechstunde: Sonderregelung für Psychotherapeuten
    Psychotherapeuten dürfen neben Einzeltherapiesitzungen auch psychotherapeutische Sprechstunden und probatorischen Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) per Video durchführen.
  • Notfallplan sichert Dialyse-Versorgung
    Einrichtungen können flexibel auf bestimmte Notsituationen reagieren und beispielsweise unkompliziert Patienten anderer Praxen übernehmen. Außerdem wurden die Zuschlagsziffern für Infektionsdialysen an die Coronavirus-Situation angepasst.
  • Psychotherapie: Umwandlung von Gruppen- in Einzeltherapie
    Genehmigte Leistungen einer Gruppenpsychotherapie können übergangsweise in Einzelpsychotherapie umgewandelt werden.
  • U-Untersuchungszeiträume ab U6 ausgesetzt
    Ärzte können Kinder-Früherkennungsuntersuchungen (U6 bis U9) durchführen und abrechnen, wenn die vorgegebenen Untersuchungszeiträume und Toleranzzeiten überschritten sind.
  • Kontrolluntersuchungen und Schulungen von DMP-Patienten
    Die vorgeschriebenen quartalsbezogenen Kontrolluntersuchungen in den Disease-Management-Programmen (DMP) dürfen ausfallen, wenn es die koordinierenden Ärzte für medizinisch vertretbar halten.
  • Nachweisfrist der Fortbildungsverpflichtung verlängert
    Ärzte und Psychotherapeuten haben ein weiteres Quartal mehr Zeit, die nötigen CME-Punkte nachzuweisen. Die erforderliche Punktzahl bleibt von 250 auf 200 gesenkt.
  • Geräte- oder Stichprobenprüfungen ausgesetzt
    Die KV Nordrhein setzt von den Qualitätssicherungs-Maßnahmen die Fallsammlungsprüfungen zur Mammografie weiterhin aus.

gilt bis 31. Dezember 2020

  • Angehende NäPA dürfen auf Hausbesuch Angehende nichtärztliche Praxisassistenten (NäPA) dürfen auch Haus- und Pflegeheimbesuche übernehmen, auch wenn die Medizinischen Fachangestellte ihre Zusatzqualifikation noch nicht erworben hat. Die NäPA-Fortbildung muss allerdings noch laufen und der Abschluss bis 31. Dezember 2020 erfolgen.
  • Mammografie-Screening-Programm: Übergangsregelungen für Fortbildungskurse Beim Mammografie-Screening-Programm wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie Übergangsregelungen für die Durchführung von Fortbildungskursen vereinbart.

gilt bis 31. März 2021

  • Erleichterungen bei der Substitutionstherapie
    Substituierende Ärzte haben die Möglichkeit, bei der Behandlung von Opioidabhängigen von den Vorgaben der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung abzuweichen.
  • Verwendung von BtM-Rezeptformularen anderer Ärzte möglich
    Um die Versorgung mit Betäubungsmitteln sicherzustellen, dürfen Betäubungsmittelrezepte (BtM-Rezepte) vorübergehend auch außerhalb von Vertretungsfällen - etwa in einer Praxisgemeinschaft - übertragen und von anderen Ärzten verwendet werden.
  • Corona-Warn-App: neue EBM-Leistungen
    Zum Start der Corona-Warn-App wurden neue Leistungen in den EBM aufgenommen, um den Abstrich und die Laboruntersuchung zu vergüten.
  • Austausch bei der Arzneimittelabgabe
    Apotheker haben laut SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung mehr Möglichkeiten zum Austausch von Arzneimitteln.

Jana Meyer | Frank Naundorf