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Mitgliederbefragung: Sinkende Fallzahlen und Leistungsmengen

30.06.2020 Honorar, KVNO aktuell

Die niedergelassene Ärzteschaft in Nordrhein hat in den vergangenen Monaten Großartiges geleistet, um die ambulante Versorgung auch in Krisenzeiten sicherzustellen. Welch ein Kraftakt sich dahinter verbirgt, lassen die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise erahnen.

Vor dem Hintergrund laufender Verhandlungen sind aktuelle und belastbare Daten zum Praxisgeschehen aktuell wichtiger denn je. Die Mitgliederbefragung liefert, basierend auf den Angaben von über 1400 Praxisinhabern, erste Hinweise zum Ausmaß der Einschnitte in den nordrheinischen Praxen im zweiten Quartal.

Fallzahlen sinken um 28 %

Im Schnitt gingen die Fallzahlen in den Praxen im April 2020, verglichen zum Vorjahreszeitraum, um 28 % zurück. Auch die Leistungsmengen sanken um knapp ein Viertel. Dabei zeigte sich, dass die einzelnen Fachgruppen unterschiedlich stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind.

Die Abbildung zeigt Boxplots für verschiedene Fachgruppen.
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Die Abbildung zeigt Boxplots für verschiedene Fachgruppen. Hinweise zu den Boxplots: Beginn der Linie: Minimum, Beginn der Box: 25 % Quantil, Linie innerhalb der Box: Median, Ende der Box: 75 % Quantil, Ende der Linie: Maximum, Punkte: Ausreißer

Besonders deutlich fielen die Rückgänge für Augenärzte, HNO-Ärzte, Orthopäden, Kinderärzte und Chi­rurgen aus, die durchschnittlich zwischen 30–50 % ihrer Fallzahlen und Leistungsmengen eingebüßt haben. Hausärzte lagen zum Vergleich bei knapp 25 %. Insgesamt waren operierende Fachgruppen stärker betroffen als konservative. Die praxisspezifischen Rückgänge zeigen jedoch, dass es auch innerhalb weniger stark betroffener Fachgruppen einige Praxen gibt, die gegenüber dem Vorjahr mehr als die Hälfte ihrer Fallzahlen und Leistungsmengen verloren haben. Insbesondere Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen, IGeL sowie Operationen gingen deutlich zurück.

Soforthilfe und Kurzarbeitergeld

Der pandemiebedingt stark veränderte Versorgungsalltag wird zusätzlich durch einen zeitlichen, organisatorischen und materiellen Mehraufwand erschwert. Ein Großteil der Praxen musste Sonderausgaben (92 %) tätigen und zusätzliche Arbeitsstunden (75 %) aufwenden. 28 % der Praxen gaben an, im Zuge der Corona-Krise Hilfsmaßnahmen beantragt zu haben, um die wirtschaftliche Situation ihrer Praxis zu stabilisieren. Fast ein Viertel der Praxen hat in diesem Zusammenhang entweder die Soforthilfe NRW oder Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen.

„Wir möchten uns für die außerordentlich hohe Teilnahmebereitschaft an der Befragung bedanken“, sagt
Dr. med. Frank Bergmann, Vorsitzender der KV Nordrhein. Die gewonnenen Daten tragen dazu bei, die Interessen der Praxen wirksam zu vertreten.

Christoph Potempa