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Berufliche Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln, Varizellen

08.06.2020 Praxisinfos

Der gemeinsame Bundesausschuss hat die Schutzimpfungs-Richtlinie an die STIKO-Empfehlungen zur beruflich bedingten Masern-Impfung angepasst. Die Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie ist am 15. Mai 2020 in Kraft getreten.

Während die Ständige Impfkommission (STIKO) die Empfehlungen zur Masern-, Mumps-, Röteln-Impfung zusammengefasst hat, werden die Impfungen in der Schutzimpfungs-Richtlinie separat aufgeführt. Jedoch sind die Vorgaben für Masern, Mumps, Röteln angepasst und es wird der entsprechende Kombinationsimpfstoff empfohlen. Monoimpfstoffe sind in Deutschland nicht verfügbar. Ein Import ist in Nordrhein zu Lasten der Krankenkassen nicht möglich. Bei bestehender Indikation soll zweimal mit einem MMR-Impfstoff geimpft werden oder wenn nötig mit einem MMRV-Impfstoff.

Die Empfehlungen zur beruflich bedingten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln gemäß Schutzimpfungs-Richtlinie lauten nun: Nach 1970 geborene Personen (einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige) in folgenden Tätigkeitsbereichen:

  • Medizinische Einrichtungen** inklusive Einrichtungen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe (Röteln nur: in der Pädiatrie, der Geburtshilfe und der unmittelbaren Schwangerenbetreuung)
  • Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem Material
  • Gemeinschaftseinrichtungen*
  • Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung von Asylbewerbern, Ausreisepflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern
  • Fach-, Berufs- und Hochschulen (nur Masern und Mumps, nicht Röteln, nicht Varizellen).

Bei Varizellen wird die beruflich bedingte Impfung für seronegative Personen (einschließlich Auszubildende, Praktikanten, Studierende und ehrenamtlich Tätige) in den oben genannten Tätigkeitsbereichen angegeben. Im Gegensatz zu MMRV ist die Varizellen-Impfung nicht auf nach 1970 geborene Personen beschränkt.

Beruflich bedingte MMR und V-Impfungen, Impffrequenz und Impfstoff

vorrangige oder isolierte beruflich bedingte Indikation Frau Mann
Masern 2 x MMR 2 x MMR
Mumps 2 x MMR 2 x MMR
Röteln 2 x MMR 1 x MMR
Varizellen 2 x MMRV 2 x MMRV

Bei den Hinweisen zur Umsetzung wird die bisher einmalige Impfung ersetzt durch: Insgesamt zweimalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff (bei gleichzeitiger Indikation zur Varizellen-Impfung gegebenenfalls MMRV-Kombinationsimpfstoff verwenden). Die Anzahl der notwendigen Impfstoffdosen richtet sich nach den bisher dokumentierten Impfungen. Der MMR-Impfstoff kann auch bei bestehender Immunität gegen die jeweils anderen Erkrankungen eingesetzt werden.

Bei Röteln wird unterschieden zwischen Frauen (zweimalige Impfung, die Anzahl der notwendigen Impfstoffdosen richtet sich nach der Komponente mit den wenigsten dokumentierten Impfungen.) und Männern (einmalige Impfung). Wenn bei Männern eine isolierte Indikation für Röteln vorliegt, würde somit eine einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff reichen.

Nach den Hinweisen der STIKO soll der Abstand zwischen den Impfungen mindestens vier Wochen betragen. Es existieren laut STIKO keine Sicherheitsbedenken gegen weitere MMR-Impfung(en) bei bestehender Immunität gegen eine der Komponenten. Eine Titerbestimmung wird von der STIKO nicht empfohlen. Sie ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für die beruflich bedingten Impfungen nicht abgebildet und keine Kassenleistung.

Für die Kennzeichnung der zweimaligen beruflichen MMR-Impfung wurden die Dokumentationsziffern 89301 V und 89301 W und für die berufliche MMRV-Impfung die Ziffern 89401 V und 89401 W in die Richtlinie übernommen. Diese müssen nun kurzfristig in die regionalen Impfverträge aufgenommen werden. Bis zu einer vertraglichen Einigung sind die erste und zweite MMRV bzw. die zweite MMR-Impfung privat abzurechnen und der Impfstoff ebenfalls privat zu verordnen. Bis zu einer vertraglichen Regelung ist die erste MMR-Impfung mit der 89301Y abzurechnen. Danach werden die Impfstoffe über den Sprechstundenbedarf bezogen.

* Gemeinschaftseinrichtungen sind Einrichtungen, in denen überwiegend Säuglinge, Kinder und Jugendliche betreut werden, insbesondere Kinderkrippen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorte, Schulen oder sonstige Ausbildungseinrichtungen, Heime, Ferienlager und ähnliche Einrichtungen.

** Medizinische Einrichtungen sind:

  • 1. Krankenhäuser,
  • 2. Einrichtungen für ambulantes Operieren,
  • 3. Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, in denen eine den Krankenhäusern vergleichbare medizinische Versorgung erfolgt,
  • 4. Dialyseeinrichtungen,
  • 5. Tageskliniken,
  • 6. Entbindungseinrichtungen,
  • 7. Behandlungs- oder Versorgungseinrichtungen, die mit einer der in den Nummern 1 bis 6 genannten Einrichtungen vergleichbar sind,
  • 8. Arztpraxen, Zahnarztpraxen,
  • 9. Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe,
  • 10. Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in denen medizinische Untersuchungen, Präventionsmaßnahmen oder ambulante Behandlungen durchgeführt werden, und
  • 11. ambulante Pflegedienste, die ambulante Intensivpflege in Einrichtungen, Wohngruppen oder sonstigen gemeinschaftlichen Wohnformen erbringen.

*** Einrichtungen der Pflege sind ambulante Pflegeeinrichtungen (Pflegedienste) gemäß § 71 Absatz 1 SGB XI, d. h. selbständig wirtschaftende Einrichtungen, die unter ständiger Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft Pflegebedürftige in ihrer Wohnung mit Leistungen der häuslichen Pflegehilfe versorgen,

  • ambulante Betreuungseinrichtungen gemäß § 71 Absatz 1a SGB XI, d. h. die für Pflegebedürftige dauerhaft pflegerische Betreuungsmaßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung erbringen (Betreuungsdienste)
  • sowie stationäre Pflegeeinrichtungen (Pflegeheime) gemäß § 71 Absatz 2 SGB XI, d. h. selbständig wirtschaftende Einrichtungen, in denen Pflegebedürftige unter ständiger Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft gepflegt werden, ganztägig (vollstationär) oder tagsüber oder nachts (teilstationär) untergebracht und verpflegt werden können.