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Wirtschaftliche Folgen der Pandemie: Ein Schutzschirm für die Praxen

12.05.2020 Honorar, KVNO aktuell, Praxisinfos

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie werden gravierende Folgen für die Wirtschaft haben. Auch die Praxen stehen unter Druck, zum Beispiel, weil der Umsatz mit Privatversicherten zurückzugehen droht. Wie sieht es mit den Umsätzen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung aus? Und welche finanziellen Hilfen gibt es?

In vielen Praxen sind die Fallzahlen im März und April 2020 im Vergleich zum Vorjahr dramatisch gesunken. Doch dieser Rückgang wird sich nicht ungebremst in der Vergütung widerspiegeln. Zunächst einmal sind im Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz auch Regelungen enthalten, die einen finanziellen Ausgleich für Praxen vorsehen. Das hatte die KV Nordrhein vehement gefordert, um die Liquidität der Ärzte und Psychotherapeuten zu erhalten.

MGV wird weiter ausgezahlt

Die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) wird trotz reduzierter Leistungsmenge im regulären Umfang ausgezahlt. Damit stehen schon einmal rund zwei Drittel der Umsätze mit der gesetzlichen Krankenversicherung weiterhin zur Verfügung.

Ärzte und Psychotherapeuten sollen auch Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für extrabudgetäre Leistungen wie Früherkennungsuntersuchungen und ambulante Operationen haben. Das Geld gibt es allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: So muss der Gesamtumsatz der Praxis um mindestens zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal sinken und die Fallzahl als Folge der Pandemie zurückgehen.

Die genaue Ausgestaltung muss noch mit den Krankenkassenverbänden verhandelt und im Honorarverteilungsmaßstab fixiert werden. Die Ausgleichszahlungen werden mit Ent­schädigungen verrechnet werden, die Praxen beispielsweise nach dem Infektionsschutzgesetz bei einer angeordneten Quarantäne erhalten.

Kein finanzieller Ausgleich erfolgt für die Leistungen, die bisher nicht über die Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet werden, zum Beispiel Honorare, die über Hausarztverträge generiert wurden, oder privatärztliche Honorare.

Was tun bei Engpässen?

Durch den starken Rückgang von Umsätzen mit Privatversicherten könnten in Praxen finanzielle Engpässe auftreten. Um in einem solchen Fall gegenzusteuern, sind verschiedene Schritte möglich:

Soforthilfe NRW: Bei der Bezirksregierung können Praxen einen Antrag auf „Soforthilfe“ stellen. Sie sollen wie andere Unternehmen auch bei der Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz und Überbrückung akuter Finanzierungsengpässe sowie beim Erhalt von Arbeitsplätzen durch einen Zuschuss unterstützt werden. Diese Hilfe kann beantragt werden, wenn die Umsätze gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als halbiert sind oder die Möglichkeiten, den Umsatz zu erzielen, durch eine behördliche Auflage im Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Pandemie massiv eingeschränkt wurden. Konkret handelt es sich um eine Einmalzahlung von 9000 Euro für drei Monate bei bis zu fünf Beschäftigten, 15.000 Euro im Falle von maximal zehn Mitarbeitern und 25.000 Euro bei bis zu 50 Beschäftigten.

Kurzarbeitergeld: Auch die in Vertragsarztpraxen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ha-ben dem Grunde nach Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mitteilt, hat die Bundesagentur für Arbeit (BfA) ihre interne Weisung entsprechend geändert.

Bis vor Kurzem hatte die BfA pauschal Anträge auf Kurzarbeitergeld für Arztpraxen abgelehnt. In einem Schreiben an Bundearbeitsminister Hubertus Heil setzte sich der Vorstand der KBV für eine Klarstellung ein und forderte Einzelfallprüfungen bei der Entscheidung, ob ein Anspruch besteht oder nicht. „Diese Einzelfallprüfung wird nun auch erfolgen“, so KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen.

Der vom Bundestag beschlossene vertragsärztliche Schutzschirm sichert nur Umsatzausfälle aus der Tätigkeit innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ab. Einnahmen beispielsweise aus privatärztli-cher oder arbeitsmedizinischer Tätigkeit fallen nicht darunter, machen aber in vielen Praxen einen hohen Anteil an den Gesamteinnahmen aus. Trotz des Schutzschirms könne es daher Einnahmeverluste geben, die die Voraussetzungen von Kurzarbeitergeld erfüllten, erläuterte KBV-Vize Dr. med. Stephan Hofmeister.

Stundungsanträge: Ärzte und Psychothera­peuten können bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen, die Steuern herabzusetzen oder sogar zinslos zu stunden. Auch die Stundung von Beiträgen ans ärztliche Versorgungswerk, die Krankenversicherung, die (freiwillige) Arbeitslosenversicherung und weitere Stellen ist gangbar. Eine weitere Unterstützung wird durch Finanzierungen möglich. Praxen können sich an eine Bank wenden und spezielle Finanzierungsinstrumente zur Bekämpfung der Corona-Krise nutzen.

Fördermittel: Einige Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise werden vom Staat gefördert, zum Beispiel die BAFA-Förderung für „Unternehmen in Schwierigkeiten“. Nehmen Praxisinhaber eine Unternehmensberatung in Anspruch, können sie bis zu 90 Prozent der anfallenden Kosten fördern lassen.

Generell gilt: Ärzte und Psychotherapeuten sollten ihre Belastungen dokumentieren. Dazu gehören beispielsweise entfallende Patiententermine, krisenbedingte Kosten oder fehlende Arbeitsstunden der Beschäftigten. Diese Infos können bei Anträgen hilfreich sein. Die jeweiligen Förderungen schließen sich übrigens gegenseitig nicht aus. Praxen können also mehrere Anträge parallel stellen.

Frank Naundorf


Entschädigung für Quarantäne

Ärzte und Psychotherapeuten haben Anspruch auf Entschädigung, wenn der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt wird (Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz). Anspruch haben sowohl Praxisinhaber als auch angestellte Mitarbeiter.

Voraussetzung für Entschädigungsansprüche ist das Verbot der Erwerbstätigkeit oder die Anordnung von Quarantäne aus infektionsschutzrechtlichen Gründen. Zuständig ist in Nordrhein der Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Auskünfte zu Verdienstausfällen bei Quarantänen erhalten Sie beim LVR montags bis samstags von 7 bis 20 Uhr unter

Telefon 0800 9336397