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Praxen im Pandemiemodus

08.05.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Praxen in ganz Nordrhein haben im ersten Quartal mit dem Coronavirus zu kämpfen gehabt. Die Themen, die sie dabei beschäftigten, sind sehr unterschiedlich. Von fehlender Schutzausrüstung über einen Patientenansturm oder einen Patientenmangel gibt es vieles, was die Ärzte in Nordrhein umtreibt.

Stimmen aus der Praxis

Das Bild zeigt den Arzt Stephan Schmitz.
» Der Umgang mit Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstungen hat sich bei uns am meisten verändert. Wir haben gemerkt, wie wichtig ein gewisser Vorrat ist. Außerdem haben wir unsere Patientensteuerung angepasst: Vorher hatten wir offene Sprechstunden und nun haben wir eine getrennte Sprechstunde. Wir bieten also eine reine Infektionssprechstunde für infektiöse Patienten an und dazu eine „normale“ Sprechstunde. Auch privat gab es Änderungen: Vor allem sind meine Kinder und meine Frau, die Lehrerin ist, zurzeit immer zuhause. «

Dr. med. Stephan Schmitz, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Heimbach

Das Bild zeigt die Ärztin Bärbel Bohn.
» Wir haben deutlich weniger Normalpatienten. Umsätze aus Check-ups und Disease-Management-Programmen fallen zum großen Teil weg. Deswegen sind wir besorgt, wie es finanziell weitergeht – auch mit unseren Mitarbeiterinnen. Zudem müssen wir uns permanent auf dem Laufenden halten, weil es viele Neuregelungen gibt, viele Telefonate und viel Bürokratie. Es ist eine anstrengende Zeit. Ein großer Wunsch bleibt: mehr Schutzkleidung. Ich hoffe, dass durch die Krise unser hausärztlicher Stand verbessert wird, denn wir sind nicht nur in der Corona-Krise mit an vorderster Front, sondern immer. Seit 25 Jahren bin ich Hausärztin und bin immer für meine Patienten da, habe zudem auch viel Bürokratie und weitere Zusatztätigkeiten. Das Bereithalten der Ressourcen auf allen Ebenen wird nicht immer richtig wertgeschätzt und auch nicht immer richtig honoriert. «

Dr. med. Bärbel Bohn, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Aachen

Das Bild zeigt den Arzt Thomas Gliedt.
» Ich fand die Verteilaktion des Schutzmaterials spannend – und kam mir vor wie an Weihnachten. Man bekommt was, aber man weiß noch nicht, was. Ich finde es super, dass sich die KV kümmert. Aber um ehrlich zu sein, hatte ich mit mehr Material gerechnet. Die Patienten in meiner Praxis sind bisher alle ganz gut drauf. Zudem helfen sich bei uns im Ort auch alle gegenseitig. Letztens hatte ich einen Patienten, der Dachdecker ist, bei mir, der mir 60 FFP2-Masken brachte und sagte, ich brauche die dringender als er. Das ist ein toller Zusammenhalt. «

Thomas Gliedt, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Wipperfürth

Das Bild zeigt den Arzt Philip Törnberg.
» Der erste bekannte Fall in NRW wurde von meinem Praxispartner Heinz-Peter Heuter diagnostiziert. Leider musste er danach als Kontaktperson für zwei Wochen in Quarantäne, sodass ich die Patientenversorgung allein übernehmen musste. Zum Glück haben sich die Praxen in Gangelt in dieser Ausnahmesituation gegenseitig kollegial unterstützt. Anfangs hatten wir pro Tag hunderte Anrufe besorgter Patienten, sodass unsere Telefonleitungen völlig überlastet waren. Unsere Mitarbeiterinnen haben in dieser Zeit Großartiges geleistet. Ein weiteres großes Problem war und ist die Knappheit von Schutzmaterial. Mittlerweile hat sich die Lage nach Lieferungen vom Gesundheitsamt und der KV Nordrhein jedoch etwas entspannt. Zufällig hatten wir kurz vor Beginn der Pandemie die technische Ausrüstung zur Videosprechstunde bestellt und führen nun relativ viele Video- oder Telefonkonsultationen durch, da die Patienten einen Besuch von Arztpraxen momentan eher vermeiden. «

Dr. med. Philip Törnberg, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie und Facharzt für Allgemeinmedizin in Gangelt

Das Bild zeigt die Ärztin Christa Schirdewahn.
» Als alles im Kreis Heinsberg anfing, waren die Kapazitätsgrenzen der Krankenhäuser vor Ort sehr schnell erreicht. Wir hatten circa 1400 infizierte Personen. Mittlerweile sind rund 1100 davon genesen. Nachdem dann auch noch fünf Praxen in Quarantäne gehen mussten – darunter auch wir –, war es erforderlich, dass eine mobile Station zur Versorgung und zum Testen potenziell Infizierter eingerichtet wurde. Leider konnten wir an der ersten Verteilaktion der KVNO nicht teilnehmen, weil wir in Quarantäne und so nicht erreichbar waren. Bei der zweiten Ausgabe haben wir dann Schutzmaterial erhalten. Nicht viel, aber besser als gar nichts.
Nach Ablauf der zweiwöchigen Quarantäne haben wir die Praxis wieder eröffnet. Gleichzeitig konnten die anderen vier Praxen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Die mobile Station konnte somit wieder vom Netz gehen. Wir haben einen eigenen ‚Drive-in-Schalter‘ zum Testen von Patienten in einem Seiteneingang eingerichtet. Der Praxisbetrieb an sich nimmt nur schleppend wieder Fahrt auf. In den ersten Tagen hatten wir nur zwei Patienten am Tag. Das liegt unter anderem auch an unseren Vorkehrungen: nur per Termin und einzeln in die Praxis. Dankbar bin ich für mein Praxisteam. Meine MFA und Versorgungsassistentin haben mich in dieser Zeit super unterstützt – Tests durchgeführt, Patienten versorgt, Rezepte geschrieben usw. Ohne mein fantastisches Team wäre ich nicht so gut durch diese Phase gekommen. «

Christa Schirdewahn, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Gangelt