Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Neue RKI-Empfehlungen für Praxen mit Personalmangel infolge von COVID-19

25.03.2020 Praxisinfos

Neue Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI) räumen dem medizinischem Personal jetzt erweiterte Möglichkeiten beim Personalmanagement in Zusammenhang mit COVID-19 ein. Diese sollen helfen, den Infektionsschutz durch einen adäquaten Umgang mit Kontaktpersonen weiterhin zu gewährleisten als auch die medizinische Versorgung bei einem möglichen Personalmangel zu sichern.

Diese Hinweise gelten im Fall eines relevanten Personalmangels, also wenn die adäquate Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann. Deren Anwendung sollte möglichst gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und unter Berücksichtigung der angestrebten Schutzziele vorgenommen werden.

Handlungsoptionen des RKI für den weiteren Einsatz des Personals

Die Hinweise des RKI kommen bei Personalmangel insbesondere unter folgenden Umständen in Frage:

Exposition: Kategorie Ia
Medizinisches Personal mit hohem Expositionsrisiko, zum Beispiel ungeschützte relevante Exposition zu Sekreten, Exposition gegenüber Aerosolen von COVID-19-Fällen (z.B. im Rahmen von Bronchoskopie)

Exposition: Kategorie Ib
Medizinisches Personal mit begrenztem Expositionsrisiko, zum Beispiel medizinisches Personal mit Kontakt unter 2 Metern zu COVID-19-Fällen ohne Schutzausrüstung, ≥15 Minuten face-to-face Kontakt (ohne Exposition wie unter Ia beschrieben); grundsätzlich gilt: je länger und enger der Kontakt, desto höher das Risiko.

Medizinisches Personal mit Erkältungssymptomen

SARS-CoV-2-positives medizinisches Personal
Exponiertes medizinisches Personal kann demnach bei Personalmangel unter Beachtung der hygienischen Voraussetzungen weiterarbeiten:

  • bei der Konstellation Ia nach 7-tägiger häuslicher Absonderung und Symptomfreiheit (mit Mund-Nasen-Schutz)
  • bei der Konstellation Ib bei Symptomfreiheit (mit Mund-Nasen-Schutz)

Besonders zwei Prinzipien sind bei Einsatz medizinischen Personals unter den dargestellten Fallkonstellationen besonders zu beachten:

  • Medizinisches Personal mit Krankheitssymptomen muss umgehend getestet werden
  • Positiv getestetes medizinisches Personal darf nur in absoluten Ausnahmefällen weiterarbeiten und darf dann ausschließlich COVID-19-Patienten versorgen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Versorgung von Nicht-COVID-19-Patienten ist Symptomfreiheit seit mindestens 48 Stunden und 2 negative SARS-CoV-2-Tests im Abstand von 24 Stunden.
Kein relevanter Personalmangel Relevanter Personalmangel
Kategorie Ia
(hohes Expositionsrisiko)
  • häusliche Absonderung (mögliche Reduktion auf 7 Tage nach Exposition)
  • bei Symptomfreiheit Arbeiten nur mit MNS* (bis 14 Tage nach Exposition)
  • oder Versorgung NUR von COVID-19-Patienten** in Ausnahmefällen denkbar
  • Selbstbeobachtung + Dokumentation (bis 14 Tage nach Exposition)
  • ggf. SARS-CoV-2-Testung
  • Beim Auftreten von Symptomen umgehende Testung auf SARS-CoV-2; bei positivem Test siehe „SARS-CoV-2-positives med. Personal“
Kategorie Ib
(begrenztes Expositionsrisiko)
  • bei Symptomfreiheit Arbeiten nur mit MNS* (bis 14 Tage nach Exposition)
  • Wenn möglich kein Einsatz in der Versorgung besonders vulnerabler Patientengruppen
  • Selbstbeobachtung + Dokumentation (bis 14 Tage nach Exposition)
  • ggf. SARS-CoV-2-Testung
  • Beim Auftreten von Symptomen umgehende Testung auf SARS-CoV-2; bei positivem Test siehe „SARS-CoV-2-positives med. Personal“
Kategorie III
  • Einsatz in der Patientenversorgung
  • Patientenversorgung möglichst mit MNS*
  • tägliches Selbstmonitoring
  • tägliche Abfrage und Dokumentation durch Hygienefachpersonal
  • Einsatz in der Patientenversorgung
  • tägliches Selbstmonitoring (bis 14 Tage nach Exposition)
  • Patientenversorgung möglichst mit MNS*
  • Beim Auftreten von Symptomen umgehende Testung auf SARS-CoV-2; bei positivem Test siehe „SARS-CoV-2-positives med. Personal“
Handlungsoptionen
Med. Personal mit Erkältungs-symptomen
  • Keine Patientenversorgung
  • Voraussetzung für Wiederaufnahme der Arbeit:
  • Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden
  • möglichst SARS-CoV-2-Testung
  • Patientenversorgung, Voraussetzung: MNS* während gesamter Anwesenheit am Arbeitsplatz
  • Testung auf SARS-CoV-2; bei positivem Test siehe „SARS-CoV-2 positives med. Personal“
SARS-CoV-2-pos. med. Personal
  • Keine Patientenversorgung
  • Voraussetzung für Wiederaufnahme der Arbeit:
  • Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden
  • 2 negative SARS-CoV-2-Tests im Abstand von 24 Stunden
  • Versorgung NUR von COVID-19-Patienten** in absoluten Ausnahmefällen denkbar
  • MNS* während gesamter Anwesenheit am Arbeitsplatz
  • Voraussetzung für Wiederaufnahme der Versorgung von Nicht-COVID-19-Patienten: Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden und 2 negative SARS-CoV-2-Tests im Abstand von 24 Stunden

* MNS = Mund-Nasen-Schutz

** Versorgung von COVID-19-Patienten entsprechend den Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2