Logo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Navigation

Waffen im Kampf gegen SARS-CoV-2: Schutzmasken, Arzneien und Impfstoff

08.05.2020 KVNO aktuell, Praxisinfos

Die Bilder aus den Krankenhäusern von Bergamo, Madrid und New York haben uns erschreckt. Überfüllte Notaufnahmen, Menschen an Beatmungsgeräten, die um ihr Leben kämpfen, Ärzte und Pfleger am Rande der Erschöpfung. Das ist die eine Seite.

Wir spüren auf der anderen Seite aber auch die Entschlossenheit, mit der sich Menschen, Firmen und Regierungen weltweit gegen die Pandemie stemmen. Das macht Mut – und rückgängige Reproduktionsfaktoren wie in Deutschland zeigen, dass man das Virus im Zaum halten kann. Um es zu bezwingen, brauchen wir einen Impfstoff. Wir haben einen Blick in die Glaskugel gewagt.

Schutzmasken: Es geht voran

Schutzausrüstung, vor allem Masken, waren und sind in der Pandemie Mangelware. Deswegen wird auf allen Ebenen fieberhaft daran gearbeitet, FFP-Masken, aber auch Mund-Nasen-Schutz (MNS) zu organisieren. Da die weltweite Nachfrage riesig ist, sind die Preise explodiert. Am Markt wird mit harten Bandagen gerungen – und das ist noch vorsichtig formuliert.

Um die Praxen zu unterstützen, hat die KV Nordrhein selbst bis Mitte April rund 2,5 Millionen Masken für nordrheinische Praxen beschafft und weitere 4,2 Millionen vom Bundesgesundheitsministerium erhalten.

Der Ausfuhrstopp ist vorbei und die Produktion in China im April wieder angelaufen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Beschaffung zur Chefsache gemacht und bekanntgegeben, weitere 40 Millionen Schutzmasken zu besorgen. Die sollen an Praxen, Krankenhäuser und Pflegeheime ausgegeben werden. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Millionen Schutzmasken geordert. Die erste Tranche von 300.000 Masken kam am 14. April aus China bei der KBV an – weitere Lieferungen folgen.

Der Bedarf ist riesig und wird es bleiben, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier beziffert ihn in Deutschland mit bis zu zwölf Milliarden Schutzmasken pro Jahr. Um etwas unabhängiger vom Weltmarkt zu werden, will die Bundesregierung über Investitionszuschüsse dafür sorgen, dass Unternehmen ihre Produktionen umstellen und Masken in Deutschland produzieren. Die erste Lieferung von Schutzmasken „Made in Germany“ soll bis zum 15. August 2020 erfolgen.

Prognose: Das Angebot an FFP-Masken und MNS wird ganz langsam größer. Die Preise bleiben angesichts riesiger weltweiter Nachfrage noch relativ hoch.

Arzneimittel: Mehrere Hoffnungsträger

In mehr als 300 klinischen Studien werden derzeit weltweit Therapien zur Behandlung der SARS-CoV-2-Erkrankung/Covid-19 getestet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Studie Solidarity initiiert, die in circa 70 Ländern durchgeführt wird. Ein Beispiel: Remdesivir, das schon zur Behandlung von Ebola-Infektionen eingesetzt wird, zielt auf die virale RNA-Polymerase. Das Nukleotid-Analogon wird als falscher Baustein in die virale RNA eingebaut. Es wird in Deutschland auch in weiteren, vom Hersteller initiierten Studien eingesetzt. In zehn Studienzentren kann Remdesivir in einem Härtefallprogramm genutzt werden.

Noch ist kein Arzneimittel zur Behandlung zugelassen, jedoch gibt es einige Therapien, die an dem Replikationszyklus des neuen Coronavirus ansetzen. Das RNA-Virus SARS-CoV-2 bindet an Zellen des Respirationstraktes über ein virales Spike-Protein und membrangebundenes Angiotensin-Converting-Enzym 2. Das Virus wird dann in die Zelle aufgenommen und in mehreren Schritten repliziert. Hier ist beispielsweise die RNA-abhängige RNA-Polymerase ein Target für Therapien.

Wichtig ist, in relativ kurzer Zeit mit vielen Patienten zu verlässlichen Studienergebnissen zu kommen und Therapien zu identifizieren, die besonders bei schwer erkrankten Patienten wirksam sind. Die untersuchten Therapien sollen die Mortalität bei diesen Menschen senken und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Prognose: Kaum möglich. In einigen Fällen gibt es in den Studienzentren bereits Ergebnisse, die Hoffnung machen, aber es sind noch weitere Untersuchungen nötig.

Impfstoff-Entwicklung auf Hochtouren

Ein Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 würde die Brücke zur Rückkehr zur Normalität bauen. Aber wann wird es ihn geben? Diese Frage stellen sich die Menschen weltweit – und es wird weltweit danach geforscht. Noch nie haben so viele Unternehmen und Organisationen global an einem Strang gezogen.

Geleitet vom US-amerikanischen National Institutes of Health arbeiten zum Beispiel 16 große Pharmaunternehmen und mehrere staatliche Institutionen an der Entwicklung von Impfstoffen zusammen, darunter auch die europäische Arzneimittelagentur EMA. Und es gibt noch weitere Initiativen.

Die Grafik zeigt den Verlauf vom Antigen zum Impfstoff.
Bild vergrößern

Vom Antigen zum Impfstoff

Laut Informationen der WHO und des Robert Koch-Institutes waren am Ende April 82 mögliche Impfstoffkandidaten in der Entwicklung. Davon befinden sich sechs in der klinischen Phase I beziehungsweise II. Auch in Deutschland werden schon erste Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2 getestet; dabei handelte es sich um vier mRNA-Vakzine. Das US-Unternehmen Moderna ist bereits bei Schritt vier und testet den Impfstoff an Freiwilligen, das chinesische Unternehmen CanSinBIO soll ähnlich weit sein.

Doch wann sind die Vakzine verfügbar? Eine sichere Antwort gibt es nicht. Pharmaindustrie und Arzneimittelbehörden haben ihre Arbeitsabläufe in der Pandemie erheblich beschleunigt. Das Paul-Ehrlich-Institut rechnet damit, dass fertige Impfstoffe im Frühjahr 2021 verfügbar sein könnten. Einige Experten sind etwas optimistischer, andere rechnen mit einem späteren Zeitpunkt. Denn auch die derzeitigen Kandidaten müssen sich in drei klinischen Studienverfahren beweisen, nicht nur die Wirksamkeit, auch die Sicherheit wird geprüft. Dann erst startet das Zulassungsverfahren. Nach der Zulassung beginnt die Produktion – und dann endlich die Verimpfung.

Prognose: Sehr schwer. Wir hoffen, dass der Impfstoff bereits Ende 2020 verfügbar ist.

Florian Möhl | Dr. Holger Neye | Frank Naundorf